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Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

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Antibiotika sorgsam einsetzen, Antibiotikaresistenzen vermeiden, Therapieoptionen erhalten

von Ilse Romahn

(16.11.2020) Am Europäischen Antibiotikatag am Mittwoch, 18. November, macht die Europäische Gesundheits-behörde ECDC auf das weiter zunehmende Problem der antibiotikaresistenten Bakterien aufmerksam und fordert einen zurückhaltenderen Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier.

Nach einer europaweiten Studie traten im Jahr 2015 in der europäischen Bevölkerung mehr als 670.000 Infektionen und rund 33.000 Todesfälle durch antibiotikaresistente Erreger auf. Die Tendenz ist bei den sogenannten gramnegativen Erregern MRGN weiter steigend.

„Dies bestärkt uns in unseren Anstrengungen, durch bessere Information der Ärzte und der Bevölkerung den Antibiotikaverbrauch weiter zu vermindern, insbesondere den Verbrauch an Breitband-Antibiotika mit ihrer oft stark resistenzfördernden Wirkung“, berichtet Prof. Ursel Heudorf, die Vorsitzende des MRE-Netz Rhein-Main. „Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren, unter anderem der Charité Berlin, der Landesärztekammer Hessen und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen hat unser MRE-Netz Rhein-Main im Oktober 2020 ein neues Projekt gestartet: RAI 2020 - Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation. Kernstück ist eine aktualisierte Online-Fortbildung für Ärzte in der niedergelassenen Praxis zum sachgerechten Antibiotikaeinsatz.“

Dr. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen, begrüßt die Initiative: „Angesichts steigender Antibiotika-Resistenzen, die die Behandlung von Infektionen zunehmend erschweren, unterstützt die Landesärztekammer Hessen das Projekt gerne. Wir bitten daher möglichst viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, das Angebot der zertifizierten Online-Fortbildung wahrzunehmen.“

Tatsächlich hat sich schon einiges getan. Eine aktuelle Auswertung des Antibiotikaverbrauchs in den Kassenarztpraxen in Hessen hat trotz steigender Bevölkerungszahl in Hessen von 2013 bis 2019 (+4 Prozent) eine Abnahme der Antibiotika-Verordnungen um 16 Prozent gezeigt. Die Verordnungen der Antibiotikagruppe der Chinolone nahmen in dieser Zeit sogar um 55 Prozent ab. Frank Dastych, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen: „Ich freue mich über diese positive Entwicklung und sehe dies auch als einen Erfolg unserer Informations- und Fortbildungsangebote zu Antibiotika für unsere Mitglieder. Unsere Ärzte sind auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass das RAI 2020-Projekt nochmals einen weiteren Verbesserungs-Schub bringt“.

In Ergänzung zu den Fortbildungen für Ärzte bietet das MRE-Netz Rhein-Main auch Informationsflyer zum verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika für die Bevölkerung: Die Flyer „Weniger ist mehr“, „Wenn, dann richtig“ und „Wenn möglich, ohne“ klären über richtige Behandlung bei Atemwegsinfektionen, bei Harnwegsinfektionen sowie bei Ohrenschmerzen bei Kindern auf. Diese „Flyer-Familie“ erklärt, wann Antibiotika erforderlich sind und wann nicht. Für nicht antibiotikapflichtige Infektionen werden wirksame „Hausmittel“ beschrieben.

Das MRE-Netz Rhein-Main kann inzwischen auf zehn Jahre Tätigkeit zurückblicken. Das für Juni 2020 geplante Jubiläum musste wegen Corona ausfallen. Dafür gibt die Jubiläums-Broschüre „Ziele, Aufgaben, Erfolgsgeschichten aus zehn Jahren Netzwerkarbeit“ einen guten Überblick über das Geleistete. Heudorf: „Wir werfen darin einen Rückblick auf unsere Gründungsveranstaltung vor zehn Jahren und geben einen Überblick über unsere Ziele, unsere Öffentlichkeitsarbeit, die MRE-Siegel, unsere zahlreichen Studien zum Vorkommen multiresistenter Erreger in verschiedenen außer(akut)klinischen Settings und natürlich unsere Angebote und Projekte für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Unser MRE-Netz Rhein-Main ist eines der größten und aktivsten MRE-Netzwerke in Deutschland. Dies war nur durch die aktive Mitarbeit und Zusammenarbeit der inzwischen mehr als 350 teilnehmenden Einrichtungen möglich. Ihnen und den uns unterstützenden Institutionen gilt mein herzlicher Dank.“

Weitere Informationen über das Netzwerk gibt es auf http://www.mre-rhein-main.de im Internet. Dort findet sich auch die Broschüre http://www.mre-rhein-main.de/aktuelles.php . Diese kann aber auch kostenlos bestellt werden per E-Mail an mre-rhein-main@stadt-frankfurt.de . (ffm)