Anthroposophische Mediziner wehren sich
"Lauterbach segelt an Bedürfnissen der Patienten vorbei"
In der Stellungnahme des Dachverbandes Anthroposophische Medizin in Deutschland zur geplanten Kürzung der Satzungsleistungen der Krankenkassen durch Minister Lauterbach heißt es u.a.: "Anthroposophische Kliniken rangieren bei Patientenbefragungen der Krankenkassen auf Spitzenplätzen und sind damit Beleg für eine patientenorientierte und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung. Die von Karl Lauterbach vorgeschlagene Streichung der Finanzierung dieser Therapieformen im Rahmen von Satzungsleistungen durch gesetzliche Kassen greift den gesetzlich verankerten (SGB V) Methodenpluralismus in der Medizin und die individuelle Entscheidungsfreiheit der Patienten an.
Wissenschaftliches Fundament
Wir weisen darauf hin, dass die Anthroposophische Medizin als System wissenschaftlich fundiert ist. Die höchste Evidenz gemäß Cochrane stellt der Health Technologie Assessment (HTA)1 dar, der für die Anthroposophische Medizin positiv ausfiel und auch Grundlage für die Einführung der Anthroposophischen Medizin als Kassenleistung in der Schweiz diente. Viele klinische Meta-Analysen und systematische Reviews sowie Real-World-Data belegen wissenschaftlich eine Wirksamkeit der verschiedenen anthroposophischen Therapieverfahren.
Die pauschale Behauptung von Minister Lauterbach, dass anthroposophische Therapieverfahren nicht wissenschaftlich fundiert seien, ist nachweislich unzutreffend. Prof. Lauterbach verletzt damit Grundregeln eines wissenschaftlichen Diskurses. Er entfernt sich zudem mit seinen Forderungen für das Gesundheitssystem immer weiter vom Bürgerwillen, die zu 70 Prozent eine Integrative Medizin im Gesundheitssystem wünschen. Pluralität ist das Lebenselixier einer diskursiven Wissenschaft und ebenso Grundlage eines qualitätsbezogenen Wettbewerbs, wie er es andernorts selbst fordert. Herausforderungen wie zunehmende Antibiotikaresistenzen und explodierende Arzneimittelkosten und Klinikbudgets können nicht allein mit einer industrie- und technikorientierten Denkweise gelöst werden, wie sie der derzeitige Gesundheitsminister vertritt.
Integratives Medizinangebot
Die Anthroposophische Medizin stellt demgegenüber ein ganzheitliches, etabliertes und erfolgreiches Gesundheitsangebot dar. Als ein wirksames, integratives und ökologisch nachhaltiges Medizinsystem gibt sie Antworten auf ein einseitig auf Reparatur und Pharmaindustrie ausgerichtetes Gesundheitssystem. Sie wendet sich dem ganzen Menschen zu und aktiviert in seiner Behandlung zugleich seine körperlichen und seelisch-geistigen Gesundungskräfte.
Nicht das Entweder-oder des Ministers Lauterbach, sondern ein Sowohl-als-auch im Sinne einer integrativen Medizin bildet die Basis für ein zukünftiges, modernes Gesundheitssystem, in dem die naturbasierte Komplementärmedizin sich ebenso einbringt wie die moderne Medizintechnologie und konventionell-großtechnologisch arbeitende Pharmaindustrie. Dabei darf die wissenschaftliche Bewertung von Gesundheitsleistungen nicht der Politik, den Medien oder gar vermeintlichen Satirikern oder einem Gesundheitsminister ohne Verpflichtung zu einer seriösen Wissenschaftlichkeit überlassen bleiben, sondern wird in Leitlinien diskursiv durch Experten der verschiedenen Therapierichtungen wissenschaftlich erarbeitet.
Pluralismus in der Medizin
Der Dachverband der Anthroposophischen Medizin steht für ein werteorientiertes, menschliches, pluralistisches und wissenschaftlich diskursives Gesundheitssystem mit seriösen Therapien2, zu dem sowohl die Komplementärmedizin, als auch die konventionelle Pharmatherapie dazu gehören. Die Ressourcenallokation sollte jedoch am Wohlergehen des Patienten ausgerichtet und nach seiner nachhaltigen Wirksamkeit erfolgen. Dies erfordert ein pluralistisches und dialogisches Gesundheitssystem und eine Politik, die nicht polarisiert, ausgrenzt und sich zum Wissenschaftsrichter aufschwingt.
Anthroposophische Medizin stellt sich dem Wettbewerb und der Qualität in einem modernen Gesundheitssystem und ist in erster Linie am Patientenwohl ausgerichtet. Sie muss als Satzungsleistung weiter erhalten bleiben!" (idw)
Weitere Artikel aus der Kategorie: