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Letzte Aktualisierung: 21.06.2024

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Anhaltende Kriegssituation in der Ukraine fordert Bildungssystem heraus

Frankfurter Stiftungsallianz und ZuBaKa setzen Unterstützung an Schulen fort

von Ilse Romahn

(22.09.2023) Die anhaltende Kriegssituation in der Ukraine sorgt weiterhin für einen starken Zuwachs an Intensivklassen und hat den bisherigen Höchststand in Frankfurt erreicht – eine Belastung für die Lehrerinnen und Lehrer, Schulen und die eingewanderten Kinder und Jugendlichen selbst. Dass das ZuBaKa-Projekt „Ankommen in Frankfurt am Main“ auch im Schuljahr 2023/24 fortgesetzt werden kann, ist daher von großer Bedeutung.

Zwei ZuBaKa-Scouts (vorne) mit Schülerinnen und Schülern vom Gymnasium Römerhof bei einem Ausflug
Foto: Stadt Frankfurt am Main
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Ermöglicht wird dies durch einen Zusammenschluss aus mehreren Stiftungen: der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Aventis Foundation, Crespo Foundation, ODDO BHF Stiftung, Linsenhoff-Stiftung und der gemeinnützigen Hertie Stiftung. Den Anstoß dafür gab Bildungsdezernentin Sylvia Weber zum Schuljahr 2022/23, die betont: „Die Zahl der Integrationsklassen in Frankfurt, in denen geflüchtete Kinder an Schulen aufgenommen werden, hat einen hohen Stand erreicht. Die Frankfurter Schulen leisten hier ganz hervorragende Arbeit. Aber ohne unterstützende Angebote, wie das Projekt ‚Ankommen‘, ist die Aufgabe, den Kindern so schnell wie möglich ein gutes Zurechtfinden in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen, kaum zu bewältigen. Dazu braucht es flankierende Unterstützung, die wir auch in Frankfurt haben: vom Kinder- und Familienzentrum über die Stadtteilbibliotheken, die Jugendhäuser bis hin zu zahlreichen Beratungsangeboten in den Stadtteilen.“
 
Der Ansatz von ZuBaKa
Wenn Kinder und Jugendliche aus einem anderen Land nach Deutschland kommen, stehen sie meist vor einer Unmenge an Herausforderungen: Sie sind mit einer fremden Sprache und Umgebung konfrontiert, spüren die Anspannung in der ganzen Familie und haben womöglich traumatische Fluchterlebnisse zu verarbeiten.
 
Das Sozialunternehmen ZuBaKa setzt hier an, der Name steht für Zukunftsbaukasten. Seine Vision ist es, eine Welt zu bauen, in der die Zukunft von Kindern und Jugendlichen nicht von ihrer Herkunft, sondern ihren Zielen abhängt. Davon angetrieben, den jungen Lernenden bei ihren schulischen sowie sprachlichen Herausforderungen zur Seite zu stehen und ihnen einen positiven Blick auf sich selbst und ihre Zukunft zu vermitteln, war ZuBaKa im zurückliegenden Schuljahr mit sieben Bildungsprojekten in insgesamt 93 Schulklassen aktiv. Eines dieser Projekte war „Ankommen in Frankfurt am Main“.
 
Sprachsensibel und ohne Bewertungsdruck
Im Schuljahr 2022/23 erreichte „Ankommen in Frankfurt am Main“ 122 kürzlich eingewanderte Kinder und Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren in Frankfurter Intensivklassen, die meisten von ihnen aus der Ukraine. Wöchentlich stattfindende Projekteinheiten, die sorgfältig an den Sprachständen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet waren, vermittelten den Kindern und Jugendlichen Entlastung in der Fremde. Angeleitet von ihren sogenannten ZuBaKa-Scouts lernten die Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache und hiesige Gepflogenheiten besser kennen. Sie erkundeten spannende Freizeit- und Bildungseinrichtungen in ihrer Umgebung, knüpften Freundschaften und schöpften Zuversicht. Und das ganz ohne Notendruck. Dafür aber mit großem Erfolg!
 
Entlastung für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gleichermaßen
„Das ZuBaKa-Projekt hat dazu beigetragen, dass noch mehr Schülerinnen und Schüler in die Regelklassen wechseln konnten, da ihr Selbstbewusstsein in der Sprache und im Allgemeinen gestärkt wurde“, berichtet Nicola Gudat, Leiterin der Anne-Frank-Schule. Auch Anabel Bormet und Elena Scharpe von ZuBaKa, die „Ankommen in Frankfurt am Main“ leiten, freuen sich über die Wirkung des Projekts: „Die Orte, die die Schüler im Projekt kennengelernt haben – zum Beispiel Jugendhäuser, Parks oder Bibliotheken – suchen viele Jugendliche nun auch selbständig auf. Die ZuBaKa-Einheiten haben innerhalb der Klasse auch dafür gesorgt, dass sich Freundschaften gebildet haben – trotz Sprachbarrieren. Das ist vermutlich auch ein Grund, weshalb die Schüler im Verlauf des Schuljahres noch motivierter geworden sind, Deutsch zu lernen.“

Doch nicht nur die Schülerinnen und Schüler, auch die Lehrkräfte wurden durch das Projekt unterstützt: Für Lehrkräfte, die für eine ganze Klasse von 11- bis 16-Jährigen mit unterschiedlichen Sprach- und Lernständen verantwortlich sind, kommt jede pädagogische Entlastung wie gerufen. Das gilt auch in diesem Schuljahr. (ffm)