Andreas Krolik erneut bester Koch in Frankfurt
Frankfurt geht aus! 2020 war wieder zum Testen unterwegs
„An seinen Tellern herrscht Harmonie. Keine zu ausgefallene Produkte oder lebende Tiere, keine wilden Experimente, sondern klare Aromen und bekannte Elemente – aber immer so clever komponiert, dass man auch nach zwölf Gängen noch traurig ist, wenn der Teller schon wieder leer ist“, schwärmte der Restaurantkritiker des Journals über den Zwei-Sterne-Koch, der die Wahl hatte zwischen dem Degustationsmenü in 5,6 oder 7 Gängen für 158/168/178 Euro und dem veganen Menü in 5 oder 6 Gängen für 142/152 Euro. Freilich dicht auf den Fersen war Coskun Yurdakul vom Tiger-Gourmetrestaurant in der Heiligkreuzgasse. Er verlor zwar seine Zwei-Sterne-Auszeichnung, weil der Tester des wichtigen Restaurantführers vor einem Jahr zu wenig Zeit zu seiner Bewertung hatte. Doch nun kann der freundliche Koch mit türkischen Wurzeln wieder zufrieden sein: ein Stern leuchtet über seinem Restaurant und bei Frankfurt geht aus! 2020 rangiert er auf dem zweiten Platz. Kein Wunder, das sich deren beider Chef Robert Mangold mächtig darüber freut.
Mit über 300 Adressen hat das koch-kritische Anal das komplette Spektrum der Frankfurter Gastronomielandschaft unter die Lupe genommen – vom exklusiven Gourmet-Tempeln über exotische Geheimtipps bis hin zu Szenen-Bars. Jeder Geschmack und jeder Geldbeutel wird dabei in den verschiedenen Top-Listen berücksichtigt. „Was sich in Frankfurt kulinarisch bewegt und unter welch hohem Niveau wird viel zu wenig bundesweit beachtet. Die Küchenchefs brauchen sich hier nicht zu verstecken“, sagte Herausgeber Dr. Jan-Peter Eichhorn. Er versicherte, dass alle Restaurants anonym getestet, alle Rechnungen selbst bezahlt werden.
Und so sieht die weitere Siegerliste in einer Auswahl aus:
In der Kategorie Feine Küche belegte den erste Rang Bidlabu in der Kleinen Bockenheimer Straße. Seit Andree Rickert die Mannschaft am Herd leitet ist die ohnehin ambitionierte Küche auf ein höheres Niveau gehoben worden. Mittags werden zwei Menüs mit zwei bis drei Gänge für 30 Euro angeboten. Abends stehen drei bis vier Gänge für höchstens 55 Euro auf der Karte. Bei Eat & Meet Deluxe liegt Franziska mit der Schönen Aussicht aus der 39. Etage des Henninger Turms vorn und bei Italian Fine Dining gewann Carmelo Creco im Ziegelhüttenweg in Sachsenhausen.
In der Klassischen Deutschen Küche gewann der Bornheimer Ratskeller in der Kettlerallee 72. Er hat im Mai 2019 den Gründerpreis der Stadt Frankfurt errungen. In ihrem traditionsreichen und denkmalgeschützten Ensemble von 1870 verarbeiten Mario Furlalello regionale Produkte, unter anderem in einer eigenen Metzgerei. Der terrinenerfahrene Hobbykoch lobt seine Bauernterrine vom Freilandhuhn mit scharfem Apfelsenf (8.40 Euro), seinen selbstgemachten Schinkenspeck, dessen Fettrand auf dem geröstetem noch warmen Brot leicht anschmilzt (5.90 Euro) oder die gekochte Rinderbrust mit Meerrettichsauce und Wurzelgemüse (15.90 Euro).
Bei den Neueröffnungen war Nihonryoni Ken an der Spitze, eine authentische japanische Haut-Cuisine in der Wallstraße in Sachsenhausen und bei den Top-Listen der besten Pizzen machte die Pizzeria Dal Bianco mit ihren klassischen italienischen Pizzen in der Darmstädter Landstraße 3 in Sachsenhausen das Rennen. Erstmals gab es eigene Top-Listen für die unterschiedlichen Pizza-Stile Romana (dünn und knusprig) und Napoletana (teigig und weich). Bei den Apfelwein-Lokalen entschieden sich bei den Klassikern die Tester für Apfelwein Solzer (Bornheim) und den Hip für Daheim in der Affentorschänke in Sachsenhausen.
Bei den immer wieder mit Spannung erwarteten Flops sind diesmal zwei Restaurants dabei, die früher mal zu den Top-Listen gehörten. So Margarete in der Braubachstraße in der Altstadt. Hier wurden Tische doppelt vorgebucht, den Gästen die Speisekarte entzogen, ehe man sich entschieden hat, das Rumpsteak wird komplett durch serviert, statt wie bestellt medium, ein versalzener Islandbarsch gebracht, von Miso, Sake und Butter keine Spur, der Wein in Malt Whisky-Gläser gegossen. Oder das Zenzakan im Westend, Taunusanlage 15. Die Speisekarte ist angegriffen, verknittert und beginnt sich an den Rändern aufzulösen. „Die Surprise Starters (29.90 Euro pro Person) sind einer echte Überraschung: wir können weder die genuschelten Erklärungen noch die Speisen selbst verstehen. Die Tempura-Garnelen sind zwar glasig, aber die Hülle aus Panko-Teig / kein Tempurateig) trieft vor Fett und ist unangenehm zu essen. Über unseren Tisch laufen Ameisen“, so der Tester. Selbst ein zweiter Besuch ließ ihn ratlos und sprachlos bleiben.
Frankfurt geht aus!2020 ist überall im Zeitschriftenhandel erhältlich, auch versandkostenfrei über www.journal-frankfurt.de/shop. Das Exemplar kostet 6.80 Euro. Die Auflage liegt bei 50 000 Exemplaren.
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