Am Sanofi BioCampus Frankfurt entstehen die Medikamente von morgen
Krebs, Asthma, Morbus Crohn oder rheumatoide Arthritis – moderne Biologika haben die Behandlung vieler schwerer und chronischer Erkrankungen grundlegend verändert. Am Sanofi BioCampus im Industriepark Höchst arbeiten Forscher daran, diese Entwicklung weiter voranzutreiben. Der Standort zählt heute zu den wichtigsten Zentren des Pharmakonzerns für die Erforschung und Entwicklung biotechnologischer Arzneimittel.
Biologika gelten als eine der bedeutendsten Innovationen der modernen Medizin. Anders als klassische chemisch hergestellte Medikamente bestehen sie aus großen, komplexen Molekülen, die gezielt in Prozesse des menschlichen Immunsystems eingreifen können. Dadurch eröffnen sie neue Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen, die lange Zeit nur schwer oder gar nicht therapierbar waren.
Besonders deutlich wird der medizinische Fortschritt in der Onkologie. Verbesserte Therapien und neue biologische Wirkstoffe haben die Überlebenschancen vieler Krebspatienten erheblich erhöht. Gleichzeitig profitieren Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder entzündlichen Darmerkrankungen von den gezielten Wirkmechanismen der Medikamente. Die Wirkstoffe können bestimmte Botenstoffe des Immunsystems blockieren und so überschießende Entzündungsreaktionen eindämmen.
Forschungsschwerpunkt Immunologie
Biologika machen inzwischen mehr als zwei Drittel des Sanofi-Arzneimittelportfolios aus. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Frankfurter BioCampus. Hier sind Forschung, Entwicklung und Produktion eng miteinander verknüpft. Ein Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Immunoscience – der Erforschung von Erkrankungen, bei denen das Immunsystem eine zentrale Rolle spielt.
„Immunoscience umfasst verschiedene Therapiegebiete: Atemwegserkrankungen wie Asthma, entzündliche Darmerkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen, Multiple Sklerose, Krebs, aber auch seltene, heute noch nicht behandelbare Erkrankungen“, sagt Melanie Fischer, Leiterin der Forschung großer Moleküle bei Sanofi Deutschland.
Der Standort setzt dabei zunehmend auf digitale Technologien. Künstliche Intelligenz unterstützt die Wissenschaftler nicht nur beim Design neuer Wirkstoffe, sondern auch bei der Vorhersage wichtiger Eigenschaften wie Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Herstellbarkeit. Zudem kommen sogenannte virtuelle Patienten zum Einsatz, mit deren Hilfe potenzielle Therapien bereits am Computer analysiert werden können.
Präzisionsarbeit in der Produktion
Die Herstellung von Biologika unterscheidet sich grundlegend von der Produktion klassischer Arzneimittel. Die Wirkstoffe werden häufig mithilfe genetisch veränderter Mikroorganismen oder Zelllinien erzeugt. Schon kleinste Veränderungen bei Temperatur, Salzgehalt oder pH-Wert können das Ergebnis beeinflussen.
Deshalb gilt in der Biotechnologie der Grundsatz: „Der Prozess bestimmt das Produkt.“ Moderne digitale Kontrollsysteme überwachen daher sämtliche Produktionsschritte, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen und die Qualität sicherzustellen.
Erst vor Kurzem nahm Sanofi auf dem BioCampus eine neue Produktionseinheit für biotechnologische Wirkstoffe in Betrieb. Sie ergänzt den Standortverbund, in dem Forschung, Wirkstoffproduktion, Abfüllung und die Montage von Pens oder Autoinjektoren räumlich eng verzahnt sind.
Die nächste Generation der Biologika
Der Blick der Forscher richtet sich inzwischen auf noch präzisere Therapien. Große Hoffnungen ruhen auf sogenannten multispezifischen Biologika. Dabei werden klassische Antikörper mit deutlich kleineren Nanobody®-Molekülen kombiniert, die gleichzeitig an mehrere Zielstrukturen andocken können.
Diese Technologie eröffnet neue Möglichkeiten bei komplexen Erkrankungen, bei denen mehrere Signalwege im Körper zusammenwirken. Experten sehen darin einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von entzündlichen Erkrankungen, Krebsleiden und seltenen Krankheiten.
Mit der Verbindung aus Forschung, digitaler Entwicklung und moderner Produktion positioniert sich der Sanofi BioCampus in Frankfurt damit als wichtiger Baustein für die Arzneimittel der nächsten Generation – und als einer der bedeutendsten Biopharma-Standorte Deutschlands.
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