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Alte Oper bot schöne Kulisse

Hessischer Filmpreis in Frankfurt verliehen

Mit einer dreistündigen Gala-Veranstaltung ging nach drei Jahren Pause die Verleihung des 34. Hessischen Film- und Kinopreises wieder in der Alten Oper Frankfurt über die Bühne. In zwölf Kategorien wurden Filme und Filmschaffende geehrt.
Das Darsteller-Team des Ensemblepreises auf der Bühne der Alten Oper
Das Darsteller-Team des Ensemblepreises auf der Bühne der Alten Oper
Foto: Hörskens
Margarita Broich, bekannt als Frankfurter Tatort Kommisarin Janneke, bei ihrer Laudatio
Margarita Broich, bekannt als Frankfurter Tatort Kommisarin Janneke, bei ihrer Laudatio
Foto: Hörskens

Mit dem Hessischen Film- und Kinopreis ehrt das Land sowohl prominente Filmschaffende als auch bemerkenswerte Newcomer. Außerdem zeichnet es besonders gute Kinoprogramme aus. Es war zwar nicht so ganz der Glanz vergangener Jahre, aber dennoch schafften es einige bekannte Filmschauspieler, Regisseure oder Drehbuchautoren, sich in der Mainmetropole die Ehre zu geben. Die von Annabelle Mandeng und Rainer Ewerrien moderierten Gala fand in deutlich kleinerem Umfang als in den Jahren vor der Pandemie statt: Diesmal wurden nur 24 Reihen im Parkett des Großen Saals bestuhlt, es blieben dennoch so einige Plätze leer.

 „Wir sind froh, dass wir die Welt des Films und des Kinos wieder feiern können und vor allem die vielen Menschen, die dort arbeiten, die kreativ sind, die sich engagieren“, erklärte Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. Dabei ist mir wichtig, dass es auch um den Diskurs über gesellschaftlich hoch relevante Themen geht.“ Gerade angesichts von Krisen und Kriegen sei es notwendig, in eine Verständigung miteinander zu kommen statt in eine zunehmende Polarisierung. „Gut gemachte, künstlerisch hochwertige und sorgfältig recherchierte Filme ermöglichen einen differenzierten Blick auf die Welt“, so die Ministerin. Und weiter: „Wir setzen auch mutige Filme und den Nachwuchs, auf Filme, die in die Tiefe gehen.“

Der Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten ging an die Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie Alexandra Maria Lara Sie ließ sich live von Dreharbeiten auf Fuerteventura in die Alte Oper schalten, um den Preis entgegenzunehmen. In Vertretung von Ministerpräsident Boris Rhein verlas Ministerin Dorn die Begründung: „Alexandra Maria Lara ist eine herausragende Schauspielerin, die mit ihrer Präsenz und ihrem Können das Publikum weltweit begeistert. Sie verkörpert die Vielfalt und die Qualität des deutschen Films und ist ein Vorbild für junge Talente.“ Alexandra Maria Lara will als Präsidentin der Deutschen Filmakademie gemeinsam mit Florian Gallenberger Verantwortung übernehmen und das Ansehen des deutschen Films fördern, hieß es in der Laudatio. 2004 brachte ihr einen ihrer größten Erfolge: An der Seite von Bruno Ganz spielte sie die Rolle als Adolf Hitlers Sekretärin Traudl Junge im Historien-Drama „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel und Bernd Eichinger. In dem Bunker-Film wirkten Größen des deutschsprachigen Films mit, etwa Ulrich Matthes, Heino Ferch, Thomas Thieme, Christian Redl, Juliane Köhler oder Alexander Held. Der Streifen wurde das für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. 2005 erhielt Lara eine Goldene Kamera als „Beste deutsche Schauspielerin“.

Die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Hauptrolle” bekam Petra Schmidt-Schaller für ihre Darstellung in der Serie „Ein Schritt zum Abgrund”. Darin spielt sie die Rolle der Ärztin, Mutter und Ehefrau Jana Hansen, die ein nur scheinbar perfektes Leben führt.  Den Preis „Beste Nebenrolle” erhielt Brigitte Hobmeier für ihre schauspielerische Leistung in dem hr-Tatort „Murot und das Paradies”. Sie verkörpert dabei die geheimnisvolle Eva Lisinska, welche Kommissar Murot auf seiner Suche nach dem Glück begleitet. Der hessische Tatort hatte seine Premiere beim diesjährigen Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein.

Der Ensemblepreis ging an den Cast des Films “Was man von hier aus sehen kann” von Aron Lehmann. Die undotierte Auszeichnung wurde von der hr-Jury verliehen. In dem Streifen wirkten zahlreiche prominente Schauspieler wie Corinna Harfouch,  Karl Markovics, Rosalie Thomass, Thorsten Merten oder Peter Schneider mit. Die Handlung spielt einem seltsamen Dorf im Westerwald: Die 22-jährige Luise lebt dort mit ihrer Oma Selma. Die Großmutter verfügt über die Gabe, den Tod vorauszusehen. Immer, wenn sie von einem Okapi träumt, stirbt bald darauf jemand aus dem Ort. Unklar ist jedoch, um wen es sich handelt. Daher fürchten sich alle nach der Ankündigung, und sie wagen Handlungen, die sie sonst nicht gemacht hätten. Oder sie gestehen Geheimnisse. Die Dreharbeiten fanden in Bayern und vor allem Hessen statt, hier in Ulrichstein im Vogelsbergkreis und am Bahnhof Bad Nauheim Nord in der Wetterau. „Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen war einfach top“, strahlten die Protagonisten.

Die Jury des Hessischen Film- und Kinopreises vergab zudem einen Sonderpreis an den Dokumentarfilm „Das Kino sind wir“ von Livia Theuer, welcher die Geschichte einer ganz besonderen hessischen Kulturinstitution erzählt: Er feiert den Filmladen in Kassel und die engagierten Menschen dahinter.

Weitere Gewinner waren unter anderem:

Beim Kinopreis mit Laudatorin Margarita Broich, der Frankfurter „Tatort“-Kommissarin, waren die Hauptpreisträger mit je 20.000 Euro Preisgeld das Mal seh’n-Kino (Frankfurt), der Filmladen Kassel und der Traumstern Kino in Lich. Weitere Preise für nicht gewerbliche Kinos: Murnau Filmtheater (Wiesbaden), Filmforum Höchst (Frankfurt), Filmkreis – Das Unikino in Darmstadt, Kino Pupille (Frankfurt), Kommunales Kino Weiterstadt, naxos.Kino (Frankfurt), KiezKino (Kassel), Kino des Deutschen Filmmuseums (Frankfurt) und Caligari FilmBühne (Wiesbaden). Bei den Gewerbliche Kinos wurden unter anderem ausgezeichnet: Casablanca Art House (früher Kult Kinobar, Bad Soden),  Harmonie (Frankfurt), programmkinorex (Darmstadt), Capitol Arthousekino-Center (Marburg), Lichtspielhaus Lauterbach, Cinéma (Frankfurt) sowie Kronberger Lichtspiele. Die Anerkennungen gehen an das Eldorado (Frankfurt) und den Filmklubb Offenbach.

Bei der rhythmischen musikalischen Unterhaltung der Veranstaltung gab’s in der ehrwürdigen Alten Oper von der Band „Men in Blech“ bei viel Applaus ordentlich was auf die Ohren.

Zu einer neuen Tradition avancierte das Filmpreis-Wochenende: Die ausgezeichneten Filme wurden am 21. und 22. Oktober im Cinéma Frankfurt, in der FilmBühne Bad Nauheim, im programmkino rex in Darmstadt und im Capitol Kino in Witzenhausen gezeigt. Das Cinéma Frankfurt machte den 22. Oktober zum Filmpreis-Sonntag: Ab 11 Uhr liefen die Siegerfilme aller Kategorien.

Begonnen hatte der Gala-Abend beim Hessischen Filmpreis mit einem Empfang im Foyer des Großen Saals der Alten Oper, und zwar mit Rheingauer Sekt und zwei Sorten Popcorn. Nach dem Ende der Preisverleihung gab es dort, auch auf dem stilvollen Balkon, noch ein atmosphärisches „Get together“ mit einigen Film-Akteuren. Mit Buffet, dazu Rheingauer Weinen, Sekt aus diesem Anbaugebiet sowie Cola. Und hämmernden Disco-Sound. Bemerkenswert war zudem, dass die auf der Einladung gewünschte Abendgarderobe von zahlreichen Gästen souverän ignoriert wurde. Viele waren überaus salopp gekleidet. Auch Turnschuhe waren en vogue.

 

Michael Hörskens