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Letzte Aktualisierung: 20.09.2021

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Aktuelle Erkenntnisse zur Infektionskontrolle

Interview mit DGHM-Kongresspräsidentin Professorin Dr. Petra Gastmeier

von DGHM2021 bei SARS-CoV-2

(08.09.2021) Infektionskontrolle und SARS-CoV-2, Pandemievorsorge und Mikrobiologische COVID-19-Diagnostik sind hochaktuelle Themen bei der bei der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) vom 12. bis 14. September 2021. Drei Tage lang diskutieren führende nationale und internationale Wissenschaftler und Ärzte ihre Forschungen, Erkenntnisse und Trends beim deutschlandweit größten Fachkongress im Bereich der Mikrobiologie, Hygiene und Infektionskrankheiten.

Erste Einblicke in Schwerpunkte und Highlights des vielfältigen Programms geben Prof. Dr. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, Charité-Universitätsmedizin Berlin, die gemeinsame wissenschaftliche Tagungsleiterin mit Prof. Dr. Andreas Diefenbach, Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, und Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts Berlin (RKI).

Zur Jahrestagung in der Corona-Pandemie werden neue Erkenntnisse in allen Bereichen der Mikrobiologie und Hygiene, aber auch zum aktuellen Infektionsgeschehen erwartet. Welche besonderen Kongress-Schwerpunkte haben Sie gesetzt? Welche Erkenntnisse sind zu erwarten?

Petra Gastmeier: Als Hygienikerin war mir selbstverständlich der Schwerpunkt nosokomiale Infektionen sehr wichtig. Aber ich fand es auch sehr gut, dass die Kolleginnen und Kollegen mehr über das InfectControl2020 Konsortium erfahren. InfectControl2020 hat sich in den letzten Jahren vor allem dadurch ausgezeichnet, dass interdisziplinäre Projekte zu neuen Antiinfektionsstrategien durchgeführt wurden. Deshalb freue ich mich auch sehr auf die Plenarvorträge von Frau Cornelia Betsch über den Einfluss von Verhaltenswissenschaft auf die Infektionsprävention und von Gerard Wright zur Entwicklung von neuen antimikrobiellen Substanzen aus Naturprodukten.

Der Anstieg multiresistenter Erreger bleibt weltweit eine große Herausforderung. Gibt es Fortschritte/ ein Umdenken beim Umgang und bei der Entwicklung neuer Antibiotika/ neuer Wirkstoffe? Mit welchen krankenhaushygienischen Strategien versucht man zeitnah zu agieren?

Petra Gastmeier: Es handelt sich hier um ein großes internationales Problem, und es ist nur möglich, in einem globalen und one health Ansatz große Fortschritte zu erreichen. Deshalb ist die interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet so entscheidend. Es ist sehr wichtig, nicht nur national die Ausbreitung von multiresistenten Erregern zu vermeiden, sondern auch andere Länder bei der Implementierung von geeigneten Präventionsmaßnahmen zu unterstützen.

Was erwartet die Teilnehmer zum Schwerpunkt aktueller Aktivitäten, Ergebnisse und Perspektiven für Krankenhaushygiene und Medizinische Mikrobiologie, auch im Hinblick auf SARS-CoV-2?

Petra Gastmeier: Eines der beiden Hygiene-Symposien beschäftigt sich am Montag mit dem NUM, dem nationalen Netzwerk Universitätsmedizin. Ralf Heyder wird das Netzwerk vorstellen und im Anschluss werden einzelne Teilprojekte wie z.B. B-Fast und Covim präsentiert. Aber natürlich kann man auch in den verschieden Hygiene-Workshops Berichte zu den Erfahrungen mit dem Management von COVID-19-Patienten hören, zu Outbreaks mit diesem Virus und zu Superinfektionen.

Präsentationen weltweit renommierter Referenten sind weitere Highlights der Jahrestagung. Auf welche Vorträge freuen Sie sich besonders?

Petra Gastmeier: Ich freue mich besonders auf die beiden Keynote -Vorträge von Alison Holmes und Michael Ryan am Dienstag nachmittag. Alison Holmes arbeitet seit Jahren an interessanten Strategien zur Optimierung von Infektionspräventionsmaßnahmen und Antibiotic Stewardship. Bei beiden Interventionslinien ist die Implementierung des bekannten Wissens entscheidend und der Einsatz von neuen Methoden zur Verhaltensänderung. Michael Ryan wird aus der Sicht der WHO über die Pandemiebewältigung sprechen. Er war schon 2003 bei SARS dabei und hat viele andere internationale Infektionsrisikolagen gemanagt, er kann sicher eine sehr gute Einordnung in Bezug auf COVID-19 vornehmen.

Herzlichen Dank für das Interview!