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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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Abgetakeltes Slow Mobil gab Geist auf

Ab April neuer Kochwagen für Selbstgebackenes von Kindern

von Karl-Heinz Stier

(19.11.2019) Seit genau zehn Jahren fuhr das erste Frankfurter Slow Mobil von Schule zu Schule, von Kindergarten zu Kindergarten.

Bildergalerie
Das Frankfurter Slow Mobil
Foto: Karl-Heinz Stier
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Vice-President Brandes (links), Generalmanager Spiridon Sarantopoulos vom Frankfurter Hof (zweiter von links) und Stefan Pflock (rechts)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Koch Roberto Kunis kochte zur Feier des Tages eine türkische Linsensuppe
Foto: Karl-Heinz Stier
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Das neue integrative Kochbuch „Geschichten, die der Kochlöffel schrieb“
Foto: Karl-Heinz Stier
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Darin schnippelten Kinder Zwiebeln, Kartoffeln und anderes Gemüse, würzen Essen und rührten in Töpfen und Pfannen, um dann beim gemeinsamen Speisen festzustellen, dass solche eigenen Gerichte köstlich schmecken. „Sie waren stolz darauf, dass sie sich den Unterschied zwischen Fast-Food– oder Convenience-Produkten und gutem Essen selbst erkocht haben“,  fasste Ralph Pflock von der Junior Show Frankfurt in Vertretung von Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber die Aktivitäten seiner Zöglinge zusammen.

Der Hintergrund für diese Initiative ist, dass immer mehr Kinder ungesund ernährt werden – mit dem Ergebnis, dass der  Nachwuchs durch fett– und zuckerreiche Ernährung ständig dicker werden. Dass sich die körperliche Bewegung häufig auf die Finger beim Daddeln mit Tablets und Smartphones beschränkt, verstärkt diesen Trend noch. Der zweite ernste Hintergrund: hierzulande haben viele Kinder Migrationshintergründe. Deshalb ist es wichtig, sie in ihre jetzige neue Heimat zu integrieren. Dies geschieht im Slow Mobil konsequent und didaktisch, aber immer spielerisch. „Sie tanken Selbstvertrauen. Dabei spielt es in den Köpfen der Kinder keine Rolle, dass Essen gesund ist – und genau so wenig interessiert es, wo die Mitstreiter herkommen“, so Bärbel Prätorius, eine der vielen Mitstreiterinnen.

Aber das Frankfurter Slow Mobil war inzwischen sehr in die Jahre gekommen. Der Zahn der Zeit nagte an dem Gefährt, es wurde aus dem Verkehr gezogen. Ein  neuer Kinderkochwagen müsste her. Das war freilich nicht so einfach, schließlich kostet ein neues Slow Mobil inklusive Einbauten über 40 000 Euro. Das konnte der kleine gemeinnützige Verein nicht aufbringen. Es fanden sich Sponsoren, die der Organisation unter die Arme griffen. Förderer waren u.a. die „Stiftung Flughafen Frankfurt“, das Küchenhaus Süd, die Supermarktkette „tegut“, die Deutsche Hospitality, die entscheidend mithalf, den Kinderkochwagen wieder auf die Räder zu stellen. Ihr Vice-President Brands und zuständig für Innovations stellte zusammen mit Ralph Pflock und Spirodon Sarantopoulos, General Manager des Flaggschiffs Steigenberger Hotel Frankfurter Hof das neue  Slow Mobil vor. Es ziert an den Außenwänden die aufgemalte Frankfurter Skyline, die sich die Kinder als Inspiration dafür von einem hohen Ausblick auf die Hochhäuser angeeignet haben. Zur Feier der Einweihung kochte die Steigenberger Kochcrew unter Führung von Roberto Kunis eine Türkische Linsensuppe.

Vorgestellt wurde gleichzeitig das integrative Kochbuch „Geschichten, die der Kochlöffel schrieb“. Es resultiert aus der Überlegung, dass das Gemeinsame Kochen im Slow Mobil mit Kindern verschiedener Herkunft und Sozialisation auch eine spielerische Form der Integration ist. Die 20 Rezepte und Geschichten aus vielen Teilen der Welt erweitern den Rahmen und die Möglichkeiten dafür. Im Übrigen sollen deren Verkaufserlöse die Löcher in der Vereinskasse künftig stopfen helfen.

Dazu hat auch die Schirmherrin des Projekts Sylvia Weber, Dezernenten für Integration und Bildung, einen erheblichen Beitrag für das Slow Mobil und Kochbuch geleistet. Aus Krankheitsgründen verhindert, ließ sie den Anwesenden schriftlich ausrichten: „Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es von unschätzbarem Wert, Nachhaltigkeit zu lernen und Verantwortungsbewusstsein für sich und seine Umwelt zu entwickeln. Mir ist das Projekt deshalb auch eine Herzensangelegenheit, denn unsere Welt braucht junge Menschen, die auch die Produktionsbedingungen in unserer Gesellschaft hinterfragen und mithelfen, sie zu verbessern“.