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Letzte Aktualisierung: 27.05.2020

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95 Meisterzeichnungen im Frankfurter Städel

Aus dem Vermächtnis des Stifters

von Karl-Heinz Stier

(13.05.2020) Johann Friedrich Städel, Begründer einer privaten Kunstsammlung von internationalem Rang, hinterließ vor 200 Jahren ein Erbe, das neben Gemälden und Druckgrafiken auch über 4 600 Zeichnungen umfasste.

Bildergalerie
Ausstellungskatalog
Foto: Karl-Heinz Stier
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Raffael: Karyati
Foto: Karl-Heinz Stier
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Fuente: Bühnenbild für einen indischen Tempel
Foto: Karl-Heinz Stier
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Bourdon: Heilige Familie und Waschfrau
Foto: Karl-Heinz Stier
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Dürer: nackter Mann mit Löwe
Foto: Karl-Heinz Stier
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Rembrandt: Alter sitzender Mann
Foto: Karl-Heinz Stier
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Zur damaligen Zeit wurde kein Verzeichnis angelegt und im Zuge einer Neuordnung in den 1860er Jahren vieles aussortiert und verkauft. Jetzt ist es dem Städel nach langjährigen Forschungen gelungen, die Zeichnungssammlung des Frankfurter Kaufmanns und Bankiers zu rekonstruieren und rund 3000 Werke zu identifizieren, die noch heute im Museum erhalten sind.

Von heute an bis zum 16. August präsentiert das Museum eine Auswahl von 95 Meisterzeichnungen, die einen exemplarischen Eindruck vom Zuschnitt, der Ordnung und der künstlerischen Bedeutung der einstigen Sammlung vermitteln. So sind u.a. herausragende Arbeiten von Raffael, Correggio und Primaticcio, Watteau, Boucher und Fragonard, Dürer, Roos, Rembrandt und De Witt zu sehen. Städel ordnete die Sammlung nach Herkunftsregionen – angelegt an die französische Systematik, die die Kunst Europas nach sogenannten Schulen untersucht hatte: Italien, Frankreich. Niederlande/Flandern und Deutschland. Jede Schule wollte er mit Beispielen repräsentiert wissen.

Die italienischen Zeichnungen – 1 300 an der Zahl - reichten von Florentiner Meistern des späten 15. Jahrhunderts über Vertreter der Hochrenaissance bis zur Gegenwart des Stifters (1728 – 1816). Unter den großen Künstlern der Renaissance in Städels Sammlung war auch Raffael (1453-1500), dem 24 Zeichnungen zugeschrieben sind. Eine davon ist in der Ausstellung die Karyatide, die aus seinem letzten Lebensjahr stammt und mit schwarzer Kreide die Modellierung einer Marmorskulptur zeigt. Ein Beispiel für ein Werk eines Zeitgenossen des Stifters ist Giorgio Fuentes‘ (1756-1821) Bühnenbildentwurf für einen indischen Tempel, der um die Jahrhundertwende 1796/1800 entstand. Der Künstler prägte in dieser Zeit das Theater der Stadt Frankfurt durch seine überwältigenden großen, detailreich gestalteten Bühnenbilder. Das Stück, das mit dem Entwurf des Bühnenbildes zusammenhängen könnte. Ist leider nicht bekannt.

Die Sammlung französischer Zeichnungen umfasst 450 Arbeiten, darunter das Werk von Sebastien Bourdon 1616-1671): die Heilige Familie mit einer Waschfrau (1658/1660). Dazu Zeichnungen des 18. Jahrhunderts (Rigaud, Watteau, Boucher) und verspielte Rokoko-Schöpfungen (Fragonards).

Die Deutsche Kunst in der Zeichnungssammlung umspannte den Zeitraum von 1500 bis zur Aufklärung (etwa 1300 Arbeiten). Am stärksten vertreten Franz Kobell (1749-1822) und Friedrich Wilhelm Hirt (1721-1772). Unter ihnen finden sich Größen wie Albrecht Dürer (1471-1528) mit dem eigenwilligen Blatt Mann mit Löwe von 1517. Es zeigt einen sitzenden Akt, dem sich von rechts ein Löwe nähert. Beide Akteure mustern sich – eigens die Szene freilich bleibt rätselhaft.

Mit rund 1 500 Blättern macht die niederländische/flämische Schule ein Drittel der Sammlung aus - etwa die Hälfte davon wurde nachweislich in den 1860 Jahren veräußert. Ausgestellt sind auch anerkannte Meister wie Rembrandt (1606-1669) mit Alter sitzender Mann.

„Städels Sammlung war für die Gründer des Museums ein Schatz und ist es bis heute geblieben. Es ist diese Sammlung selbst, die zur wichtigen Quelle für eine Vielzahl an Geschichten wird. Ein umfassendes Forschungsprojekt bringt nun Licht ins Dunkel von Städels Zeichnungssammlung. Die lebendige Sammlungsgeschichte, die damit aufgearbeitet werden konnte und Beziehungen nach ganz Europa offen legt, bringt unseren Stifter, dessen Denken und damit Kern unsere Verständnisses als Museum nahe. Dazu gehört auch die Stiftungsverpflichtung, eine Sammlung zu verwahren, die sich einerseits auf höchste Qualität konzentriert, andererseits aber auch kritisch überprüft wird“, betont Philipp Demandt, Direktor des Städel-Museums in seiner Laudatio.

Kurator der Ausstellung ist Dr. Joachim Jacoby

Öffnungszeiten des Museums im Schaumainkai 63: Di,Mi,Sa,So und Feiertage 10 bis 18 Uhr. Do und Fr 10 bis 21 Uhr. Eintritt 14 Euro. Der Katalog mit seinen 336 Seiten kostet 39.90 Euro.

Infos unter www.staedelmuseum.de. Besucherservice: (069)6o5o96-200