80 Jahre Staatliche Schlösser und Gärten Hessen
„Wir geben Geschichte Zukunft“
Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG) eröffnen am 1. April 2026 ihr Jubiläumsjahr zum 80-jährigen Bestehen. Bei einer Pressekonferenz im Schloss Bad Homburg gaben Timon Gremmels, Staatsminister des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK), sowie SG-Direktorin Kirsten Worms einen Ausblick auf die kommenden Monate, in denen die SG einem möglichst breiten Publikum ihre Kulturschätze sowie ihre tägliche Arbeit dafür präsentieren möchte.
80 Jahre Hessen – 80 Jahre Verantwortung für das kulturelle Erbe
Nachdem am 19. September 1945 die amerikanische Militärregierung die preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau sowie den Volksstaat Hessen zum Land Groß-Hessen vereinigt hatten, entstand die Notwendigkeit einer eigenen Verwaltung zur Sicherung seiner Kulturschätze. Per Erlass des Großhessischen Staatsministers für Kultus und Unterricht wurde Landeskonservator Dr. Friedrich Bleibaum zum 1. April 1946 mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden sowie Darmstadt beauftragt.
Hieraus entwickelte sich die zunächst in Marburg angesiedelte Verwaltung, die seit 1951 ihren Sitz im Schloss Bad Homburg hat und seit 2020 als Staatliche Schlösser und Gärten Hessen firmiert. Die wissenschaftlich arbeitende, moderne Kulturinstitution ist heute national und auch über Deutschlands Grenzen hinaus vernetzt ist. Das Jubiläum der SG fällt zusammen mit dem der Gründung des Landes Hessen – ein historischer Gleichklang, der die enge Verbindung zwischen Landesgeschichte und institutionalisierter Pflege und Fortentwicklung der Denkmale unterstreicht.
Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels erklärt: „So wie Hessen in den vergangenen 80 Jahren zu einem modernen, vielfältigen und starken Bundesland geworden ist, so haben auch die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen ihre Rolle weiterentwickelt. Sie sind heute nicht nur Hüter des kulturellen Erbes, sondern auch Gestalter seiner Zukunft. Sie tragen dazu bei, dass Vergangenheit nicht im Stillstand verharrt, sondern lebendig bleibt – für die Menschen von heute und die Generationen von morgen. Führungen, Veranstaltungen, Mitmachaktionen und digitale Angebote machen die Schlösser und Gärten zu Orten des Lernens und Erlebens für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Die Digitalisierung eröffnet zusätzlich neue Möglichkeiten. Es freut mich besonders, dass die Schlösserverwaltung das Jubiläumsjahr nutzen wird, um das Fachwissen der Expertinnen und Experten der SG zu präsentieren und damit gewissermaßen auch einen Blick hinter die Kulissen des Tagesgeschäfts zu ermöglichen. Ich gratuliere den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen zum Jubiläum und danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, das wertvolle Erbe unseres Landes für die Menschen zu bewahren und es auch für kommende Generationen erlebbar zu machen.“
An 48 Orten werden nahezu 2.000 Jahre Geschichte lebendig gehalten
Die Bandbreite der von der SG betreuten Anlagen ist einzigartig. Sie reicht von imposanten Zeugnissen staufischen Burgenbaus über opulente Garten- und Schlossanlagen des Barocks zu weltbekannten Zielen wie dem Niederwalddenkmal und der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch. Von römischen Limeskastellen des 2. Jahrhunderts bis zum Zeppelindenkmal des 20. Jahrhunderts vereint die Schlösserverwaltung Kulturdenkmale aus fast zwei Jahrtausenden unter einem Dach. Ihre Arbeit folgt dem gesetzlichen Auftrag, diese Kulturschätze heute und für künftige Generationen zu bewahren, zu erforschen und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Sehenswürdigkeiten der SG haben sich als sehr beliebte Ausflugsziele etabliert: Im vergangenen Jahr 2025 wurden knapp 3.045.000 Menschen gezählt – Spitzenreiter bei den Besuchszahlen sind dabei das Niederwalddenkmal mit Osteinschem Park oberhalb von Rüdesheim, gefolgt von Kloster Lorsch und dem Kloster Seligenstadt.
Direktorin Kirsten Worms betont: „Unsere Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten sind lebendige Orte. Sie erzählen Geschichte und eröffnen Perspektiven für die Gegenwart. Seit 80 Jahren tragen wir Verantwortung für ihren Erhalt und ihre Weiterentwicklung. Dieses Jubiläum ist für uns Anlass, transparent zu machen, wie vielfältig und zeitgemäß unsere Arbeit ist – von der Bauunterhaltung und der Restaurierung historischer Ausstattung über die Pflege denkmalgeschützter Parkanlagen bis hin zur digitalen Vermittlung. Wir möchten alle Menschen einladen, unsere Kulturschätze neu zu entdecken und mit uns darüber ins Gespräch zu kommen, was kulturelles Erbe heute bedeutet und wie wir es in die Zukunft tragen.“
Jubiläumsprogramm 2026: 80 Veranstaltungen bis zum Winter
Unter dem Motto „Wir geben Geschichte Zukunft“ möchte die SG ihre Arbeit sichtbar machen. Die 80 ausgewählten Veranstaltungen bieten Einblicke hinter die Kulissen von Denkmalpflege und Forschung, dokumentieren die moderne Arbeitsweise, die sich innovativer Techniken bedient, und zeigen, dass sich das Vermittlungsprogramm der SG an ein breites Publikum von kulturhistorisch Interessierten bis zu Familien mit Kindern richtet.
Experten- und Sonderführungen, Vorträge und Aktionstage ermöglichen dabei neue Perspektiven auf bekannte Orte und verborgene Objekte. Darunter befinden sich etwa Führungen und Vorträge von Restauratorinnen und Baudenkmalpflegern in den Museumsschlössern Bad Homburg, Weilburg und Erbach, ein Tag der Offenen Tür im Deutschen Elfenbeinmuseum Erbach, drei Aktionstage des Formates „Wissen wächst im Garten“ für die ganze Familie sowie eine Veranstaltungsreihe im Schloss Steinau, die Groß und Klein dazu einlädt, sich auf die Spuren der Brüder Grimm zu begeben.
Für die Führungen müssen jeweils Tickets erworben werden. Weitere Informationen finden Interessierte unter
www.schloesser-hessen.de/jubilaeumsprogramm
Mobile Tafelausstellung: Dialog im ganzen Land
Bei der Pressekonferenz präsentierte die SG eine neue mobile Tafelausstellung mit sechs Infotafeln. Sie informiert über Geschichte, Aufgaben und Kulturschätze der Schlösserverwaltung. Die Ausstellung ist modular konzipiert und wird vollständig oder in Teilen bei Veranstaltungen an den jeweiligen Standorten eingesetzt. Ziel ist es, transparent über die Arbeit der SG zu informieren und bei Events oder Aktionstagen in den direkten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern zu treten. Die Tafeln machen sichtbar, was häufig im Hintergrund geschieht: wissenschaftliche Forschung, Restaurierungsprojekte, gartendenkmalpflegerische Maßnahmen und digitale Angebote.
Jubiläumsmagazin „Facettenreich“ beleuchtet aktuelle Herausforderungen
Aktuell hat die SG über 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der Hauptverwaltung Bad Homburg arbeiten neben der Direktorin mit Stab und der Verwaltungsabteilung spezialisierte Fachgebiete: Bauangelegenheiten und Baudenkmalpflege, Gärten und Gartendenkmalpflege, Museen und Sammlungen sowie Restaurierung; darüber hinaus gibt es ein gesondertes Fachgebiet für das UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch. Zwölf Außenstellen betreuen die größeren Liegenschaften im Land. Das gemeinsame Ziel ist es, auf Grundlage der sorgfältigen Erforschung von Bau- und Nutzungsgeschichte, archäologischen Befunden und vielfältigem Quellenmaterial, historische Substanz zu bewahren, Authentizität zu sichern und zugleich nachhaltige Nutzungskonzepte zu entwickeln.
Bei den aktuellen Herausforderungen der alltäglichen Arbeit und zukünftiger Vorhaben spielen Klimaanpassung und Ressourcenschonung ebenso eine zentrale Rolle wie verträgliche Nutzungskonzepte und Digitalisierung. Das zum aktuellen Jubiläum erschienene Magazin „Facettenreich“ gibt neben einer Rückschau auf die Geschichte der SG anhand beispielhafter Projekte Einblicke in die Bau- und Gartendenkmalpflege, Restaurierungsprozesse, Ausstellungen und Vermittlung. Das Magazin versteht sich zugleich als Würdigung der Mitarbeiter, Kooperationspartner, Ehrenamtlichen und Förderer, die den Erhalt der hessischen Kulturschätze möglich machen.
Meilensteine seit der 75-Jahr-Feier 2021
Hauptthemen im Jahr des 75-jährigen Bestehens der SG, 2021, waren die Wiedereröffnung der Kaiserlichen Appartements im Königsflügel des Bad Homburger Schlosses und das 30. Jubiläum der Aufnahme des Klosters Lorsch in die Welterbeliste der UNESCO. Seitdem kann die SG auf fünf Jahre mit zahlreichen, erfolgreich abgeschlossenen Projekten zurückblicken, unter denen beispielhaft zu nennen sind: Die im Schloss Bad Homburg zum 400. Jahrestag der Gründung der Landgrafschaft Hessen-Homburg eröffnete Dauerausstellung im Jahr 2022, die Wiedereröffnung des Kloster Konradsdorf in der Wetterau und die wissenschaftliche Tagung „Kosmos Schloss Erbach“ in 2023, die Auszeichnung des Jagdschlosses Niederwald und des Staatsparks Hanau-Wilhelmsbad als Orte der Deutschen Demokratiegeschichte 2023 und 2024 sowie die Einweihung der neuen musealen Präsentationen in Schloss Steinau 2025.
Digitaler Wandel: Kulturschätze analog und digital erleben
Meilensteine der digitalen Entwicklung waren im vergangenen Jahr der Launch der SG-Kulturschätze-App und die Präsentation der Online-Sammlung auf der Plattform museum-digital. Die 2024 gelaunchte SG-Kulturschätze-App bietet Audio-Rundgänge, Hintergrundinformationen und aktuelle Veranstaltungshinweise unmittelbar auf dem mobilen Endgerät. Derzeit können so 16 Orte der SG mit Führungen für Erwachsene und Kinder in deutscher und englischer Sprache entdeckt werden. Führungen in leichter Sprache werden das Angebot in naher Zukunft ergänzen. Nicht nur in Bezug auf die Hörführungen ist das Smartphone die erste Wahl: Auch von den gut 487.000 Besuchern der SG-Website im Jahr 2025 griffen 68 Prozent über das Handy zu.
Die Online-Sammlung ermöglicht kostenfrei einen ortsunabhängigen Zugang zu Sammlungsbeständen und wissenschaftlichen Informationen. Von den derzeit über 1000 gezeigten Objekten liegt ein Schwerpunkt auf den Exponaten und Dokumenten der Grimm-Sammlung. Mit der stetigen Erweiterung der Sammlung steigt auch die Zahl der Interessierten: Gut 5000 Besuche verzeichnete die Plattform im vergangenen Jahr.
Beide Angebote erweitern das Besuchserlebnis, schaffen Barrierefreiheit und sichern Wissen langfristig. Sie stehen dabei nicht im Gegensatz zum authentischen Ortserlebnis, sondern vertiefen es.
Große Vorhaben in naher Zukunft
Voraussichtlich im Frühjahr 2028 steht die Wiedereröffnung des Badhauses im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad an, das nach der Grundinstandsetzung neuer Ankunftspunkt mit einer Ausstellung zur Geschichte der Anlage als Kurbad sein soll. Ein Großprojekt ist weiterhin die Vorbereitung der Sanierung von Schloss Erbach. Ebenfalls auf der Agenda: die Sanierung des Kurfürstlichen Hauses im Kloster Lorsch und Maßnahmen im Osteinschen Park im Vorfeld der Bundesgartenschau 2029. Weiterhin werden für Anfang März 2027 eine Tagung und eine Ausstellung gemeinsam mit den Kollegen vom Haus Doorn in den Niederlanden vorbereitet. Die Tagung soll anhand von Nutzungsgeschichte und unterschiedlichen Konzepten der Kultur- und Museumspolitik zwei erhaltene Residenzen des letzten deutschen Kaisers vergleichend erforschen.
Blick nach vorn
Zum 80-jährigen Bestehen blicken die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen somit auf eine lange Tradition der Bewahrung und Vermittlung kulturellen Erbes zurück. Zugleich ist das Jubiläum ein Anlass, den Blick nach vorn zu richten: Die Anforderungen an den Umgang mit historischen Anlagen verändern sich stetig – durch den Klimawandel, neue Formen der Nutzung, die Digitalisierung und den Anspruch, kulturelle Teilhabe möglichst vielen Menschen zu ermöglichen. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen werden diesen Weg auch künftig mit wissenschaftlicher Expertise, verantwortungsvoller Denkmalpflege und zeitgemäßer Vermittlung weitergehen. So bleibt der Auftrag, historische Orte lebendig zu halten und ihre Bedeutung für kommende Generationen zu sichern – ganz im Sinne des Jubiläumsmottos: Wir geben Geschichte Zukunft.
Wir geben Geschichte Zukunft
Seit 80 Jahren erhalten, erforschen und betreuen die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen 48 einzigartige Zeugnisse der Landesgeschichte – ehemalige fürstliche Residenzen, Orte der Klosterkultur, Ensembles der Gartenkunst und viele einzelne Denkmale. Ziel unserer Arbeit ist es, Menschen für die Zeugnisse der Vergangenheit zu begeistern und ihnen Raum für Erleben, Inspiration und Rekreation zu bieten. Wir tragen dazu bei, dass Kulturdenkmale als historische Orte kulturelle Identität stiften, Orientierung geben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.
Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG)
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