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Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

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50 Sprachen im Koffer

von Ilse Romahn

(20.11.2020) Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber gibt das Go für den ‚Frankfurter Bücherkoffer‘ an Grundschulen und Bibliotheken in Frankfurt.

Susanne Rosenfeld (chancenreich e.V.), Bildungsdezernentin Sylvia Weber, Claudia Landmann (chancenreich e.V.)
Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
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Frankfurter Kinder sollen unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft frühzeitig auf ihrem Bildungsweg unterstützt werden. Als ein Baustein dazu startet nun das mehrfach ausgezeichnete Leseförder- und Integrationsprojekt „Frankfurter Bücherkoffer“ an elf ausgewählten Frankfurter Grundschulen und Schulbibliotheken sowie – pünktlich zum bundesweiten Vorlesetag am Freitag, 20. November – an acht öffentlichen Bibliotheken der Stadtbücherei.

Träger des Frankfurter Bücherkoffers ist der „chancenreich“, der Frankfurter Verein für Bildung und Integration. Finanziert wird der Einsatz des Koffers in den Grundschulen vom Dezernat für Integration und Bildung in Frankfurt; ein Koordinationskreis bestehend aus dem Stadtschulamt, dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA), der Stadtbücherei und dem Staatlichen Schulamt für Frankfurt am Main.

Claudia Landmann und Susanne Rosenfeld, Gründerinnen des Vereins chancenreich, möchten, „dass Familien sich unabhängig von ihrem sprachlichen, sozialen oder kulturellen Hintergrund für den Bildungserfolg ihrer Kinder engagieren können.“ Ein Anliegen, das Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber ausdrücklich unterstützt: „Rund Dreiviertel aller Kinder, die in Frankfurt eingeschult werden, wachsen mehrsprachig auf und sprechen Zuhause nicht vorrangig Deutsch. Was vielleicht zunächst wie ein Defizit klingt, birgt aber auch Chancen. Denn familiensprachliche Kompetenzen sind wertvoll, an ihnen knüpft der Spracherwerb in Deutsch an.“ Der Bücherkoffer mache die Herkunftssprachen der Kinder sichtbar und hörbar, erklärt die Stadträtin: „Wer lernt, mit sprachlicher Vielfalt umzugehen, schätzt auch Diversität als Chance.“

So wird der Frankfurter Bücherkoffer eingesetzt
Jeder Koffer enthält zwölf ausgewählte Bücher, die neben Deutsch bis zu 50 verschiedene Sprachen umfassen. Hinzu kommen Unterrichtsmaterialien für die Lehrenden. In den elf Grundschulen tourt der Koffer durch die Klassen eines Jahrgangs, parallel dazu stehen die mehrsprachigen Buchtitel in der Schulbibliothek zur Einzelausleihe bereit. 41 Klassen und rund 1000 Familien können vom Frankfurter Bücherkoffer in einem Schuljahr erreicht werden. Jeder Schüler nimmt den Koffer für jeweils eine Woche zum Lesen mit nach Hause. Dazu gibt es ein Begleitprogramm mit mehrsprachigen Informationen für die Eltern. Das Projekt bezieht die Eltern aktiv mit ein und ermutigt sie zur Begleitung der Lernerfahrungen ihrer Kinder.

Hertie-Stiftung unterstützt Ausleihe in den Bibliotheken der Stadtbücherei
Dank der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung werden die Bücher auch in acht öffentlichen Bibliotheken der Stadtbücherei präsentiert. „Der Frankfurter Bücherkoffer ist besonders in Corona-Zeiten ein wichtiges Lese- und Integrationsprojekt für Schülerinnen und Schüler“, betont John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung. „Wir fördern das Projekt, weil uns wichtig ist, dass die Kinder in diesen herausfordernden Zeiten nicht den Anschluss in der Schule verlieren.“ Durch die Förderung können Kinder und Eltern in ganz Frankfurt und unabhängig von ihrer Schule die mehrsprachigen Titel ausleihen. Unter den Stadtteilbibliotheken ausgewählt wurden Stadtteile, die im Umfeld der Projektschulen liegen: Bergen-Enkheim, Bockenheim, Dornbusch, Gallus, Griesheim, Nordweststadt, Rödelheim, Sindlingen. Über den internen Leihverkehr können die Medien aber in jede öffentliche Bibliothek der Stadtbücherei bestellt werden.

Projektstart Bundesweiter Vorlesetag am 20. November
Die Ausleihe des Frankfurter Bücherkoffers startet zum Bundesweiten Vorlesetag am Freitag, 20. November. An diesem dritten Freitag im November steht alljährlich das Vorlesen im Mittelpunkt. Und da gibt es noch viel zu tun. Die aktuelle Studie der Stiftung Lesen spricht davon, dass rund ein Drittel aller Eltern ihren Kindern selten oder gar nicht vorlesen. Hier setzt der Frankfurter Bücherkoffer an. Durch gemeinsames Lesen mit den Eltern, auch in der Familiensprache, helfen die Bücher mehrsprachig aufwachsenden Grundschulkindern beim Lesen lernen. Weber freut sich über die gelungene Kooperation: „In diesem Jahr steht der Vorlesetag unter dem Motto ‚Europa und die Welt‘. Was könnte passender sein als ein Koffer mit 50 Sprachen aus der ganzen Welt?“ (ffm)