Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

Werbung
Werbung

5 Jahre zivile Seenotrettung im Mittelmeer

Ausstellung im Weltkulturen Museum in Frankfurt

von Karl-Heinz Stier

(05.06.2020) Mit rund 120 Bildern, Videopräsentationen mit Erfahrungsberichten sowie Illustrationen zum Alltag auf einem Seenotrettungsschiff geben das Weltkulturen Museum am Schaumainkai 37 und die „Sea-Watch org e.V“ (SW5Y) bis zum 30. August dokumentarische und künstlerische Einblicke zu ihren Rettungseinsätzen.

Bildergalerie
Die MS Sea-Watch auf ihrer 5.Rettungsmussion im zentralen Mittelmeer 2015
Foto: Sea-Watch
***
Die Einführungen zur Ausstellung gaben(v.l.n.r.): Direktorin Dr. Eva Raabe, Kuratorin Jelkan Kretzschmar(Sea-Watch), Kuratorin Leonie Neumann (Weltkulturen Museum)
Foto: Karl-Heinz Stier
***
Zu Hunderten fliehen Menschen auf alten Fischerbooten aus Lybien
Foto: Foto: Ruben Neugebauer 2017 / Sea Watch e.V.
***
Das Tagebuch vor Ort führte Adrian Pouriseh
Foto: Karl-Heinz Stier
***

Die Ausstellung möchte einen Dialog zum Thema Seenotrettung öffnen, die Arbeit und das Engagement in der Seenotrettung aufzeigen und die humanitäre Krise an Europas Außengrenzen skizzieren. „Wir wollen in einer moralischen Ausstellung klar machen, dass es bei all den Aktionen im Mittelmeer, der tödlichsten Grenze der Welt, um Menschen geht und deutlich machen, wieviel Wert uns ein Menschenleben ist“,  so die Museumsdirektorin Dr. Eva Raabe bei ihren Einführungsworten.

In den letzten 6 Jahren sind 19 000 Menschen an der Außengrenzen Südeuropas am Mittelmeer ums Leben gekommen, so beschreibt es eine Tafel im Erdgeschoss des Museums. Und weiter heißt es: „Was im Mittelmeer geschieht, ist keine Naturkatastrophe, keine Katastrophe von höherer Gewalt, sondern das Ergebnis konkreter europäischer Politik, die seit Mitte der 70iger Jahre Schritt für Schritt, menschliche Migration erschwert und illegalisiert“, meinen die Ausstellungsleitung und ihre Kuratorinnen Jelka Kreztschmar (Sea-Watch) und Leonie Neumann (Weltkulturen Museum). Sie werfen der EU vor (freilich ohne zu sagen, wenn sie damit konkret meinen)  zu versäumen, fundamentale Menschenrechte zu schützen und zu respektieren. Stattdessen engagieren sich Aktivist*innen verschiedener Organisationen und Netzwerke wie die zivile Seerettungsorganisation Sea-Watch mit Such– und Aufklärungsmissionen. „Seit 2015 war Sea-Watch an der Rettung von mehr als 37000 Menschen beteiligt“, heißt es in der Erklärung und weiter: „Die Ausstellung möchte das tagtägliche Engagement hunderter Freiwilliger darstellen, die sich – Verleumdungskampagnen, politischer Blockaden und der Abschottungpolitik zum Trotz – im Netzwerk der zivilen Seenotrettung gegen das Sterbenlassen, für sichere Fluchtwege und Menschenrechte für alle einsetzen“.

Eine fotographische Chronologie zeigt die Entwicklungsphasen von Sea-Watch: von der Gründung durch eine kleine Gruppe über die Professionalisierung bis hin „zu Implikationen durch Europas Grenzpolitik und Kriminalisierung der Retter*innen“ und schließt mit der aktuellen Situation (2020).

Begleitet wird die Fotostrecke von einer Zeitleiste im Treppenaufgang der Ausstellung, die die wichtigen Momente der zivilen Seenotrettung präsentiert. Eine weitere Arbeit widmet sich den Verstorbenen eines der größten Bootsunglücke im zentralen Mittelmeer, dem sogenannten ‚Il Barcone‘. Die Arbeit präsentiert für jeden verlorengegangenen Menschen eine fiktive Todesanzeige.

Ein weiterer Raum im 1.Obergeschoss zeigt eine Dokumentation von Adrian Pouriseh, der 2019 in einem Tagebuch schriftlich und malerisch festgehalten hat, wie es die Migranten – festgesetzt auf einem Boot – als Gerettete in Italien aushielten und zeichnete ihre und seine Gedanken, Zweifel und Gefühle nach. Schließlich gelang ihm die Kontaktaufnahme zu drei Schiffsbrüchigen. Was er mit ihnen besprach und nacherlebte kann man in seinem Buch nachlesen.

Öffnungszeiten der Ausstellung:  DI-SO 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Uhr haben freien Eintritt.

Nähere Informationen über www.weltkulturenmuseum.de; www. sea-watch.org