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40 Jahre Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe

Bürgerschaftliches und soziales Engagement hat in Frankfurt eine lange Tradition. „Sich Hilfsbedürftigen anzunehmen, ist seit jeher die Pflicht der Gemeinschaft. Sie stärkt und eint diese und macht sie zukunftsfähig“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann am 28. März zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe (JCA).
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Feierstunde der Cronstetten Altenhilfe im Kaisersaal
Foto: Stadt Frankfurt / Rainer Rüffer

Die Cronstetten-Stiftung unterhält seit 1979 gemeinsam mit der Johanniter-Unfallhilfe den mobilen Hilfs- und Pflegedienst.

„Frankfurt ist immer eine Stadt gewesen, die nicht auf die Gnade von Landesherren und Staat gewartet, sondern ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen hat.“ Diese Selbstverantwortung der Bürger sei von jeher einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg Frankfurts. So reichten auch die Wurzeln der Johanniter ins 13. Jahrhundert zurück, die der Cronstetten bis ins 15. Jahrhundert.

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und Aufgaben sei es gut und richtig, dass zu diesem Thema weitergedacht werde. „Fragen zur Hilfe für ältere, pflege- und hilfsbedürftige Menschen sind heute so aktuell wie 1753, als Frau von Cronstetten die Stiftung ins Leben rief“, sagte das Stadtoberhaupt im Kaisersaal. Menschen würden zum Glück immer älter, jedoch gebe es kaum noch Großfamilien, in denen die Versorgung von Alten gewährleistet werde. So könnten Pflege, aber auch kleine, notwendige alltägliche Handreichungen für Betroffene und Angehörige zum Problem werden. „Vieles kann nur auf professioneller Basis geleistet werden und dies hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, genügend qualifiziertes Personal zu finden. Voraussetzung dafür ist es, dass Städte wie Frankfurt nicht nur attraktiv für Spitzenverdiener sind, sondern auch für diejenigen, die das Leben in einer solchen Stadt erst ermöglichen.“

Noch viel grundsätzlicher sei das Thema Lohngefüge: „Kann es dabei bleiben, dass in unserer Gesellschaft die angenehmsten Jobs am besten, die schwierigsten am schlechtesten bezahlt werden?“ Unsere Gesellschaft werde sich die Frage stellen müssen, ob der Leistung einer Krankenschwester oder Pflegekraft nicht ein höherer Wert zusteht, betonte Feldmann. Welche Wege eingeschlagen werden müssen und welche Schritte zu gehen sind, bedürfe breit getragener Entscheidungen. „Aber die Geschichte ihrer Institutionen und Ihrer Zusammenarbeit zeigt: Es gibt Wege.“

Sylvius Hohlt, Vorstandsvorsitzender der Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe sagte: „Wir feiern 40 Jahre bürgerschaftliches Engagement in Frankfurt. Engagement dreier Institutionen, die sich schon 1979 zusammengefunden haben, um heute brandaktuelle Ideen umzusetzen: Pflegekräfte sollen weiterhin Freude an ihrem Beruf haben können und Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sollen auch pflegebedürftig so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Dafür investieren wir Zeit. Zeit, die in den immer engeren Vorgaben der Kranken- und Pflegekassen immer weniger vorkommt. Zeit für ein Gespräch, für eine Handreichung oder um einfach nur da zu sein. Denn diejenigen, die Pflegeberufe ergreifen, möchten eine gute Pflege leisten. Dazu gehört menschliche Zuwendung. Diese Mitmenschlichkeit brauchen sowohl die Pflegenden als auch diejenigen, die auf Hilfe angewiesen sind - damit der Pflegeroboter so lange wie möglich überflüssig bleibt.“

„Die Pflegeabsicherung der Zukunft bedarf einer grundlegenden Gestaltung. Gestaltcharakter hat eine Reform, die nicht nur mehr Geld ins System steckt und an einzelnen Teilen modelliert. Gefordert ist eine Systemreform der Architektur des SGB XI. Das betrifft eine personenzentrierte Bedarfsdeckungsfinanzierung und eine neue Steuerung der regionalen Infrastruktur der lokalen lebensweltlichen Versorgungslandschaften. Schließlich: Wir benötigen eine befähigende Kultur der Pflegehaltung, die die Sakralität des Menschen in den Mittelpunkt stellt“, sagte Professor Frank Schulz-Nieswandt in seiner Festrede „Baustellen in der deutschen Altenpflegepolitik – Ideen zu einer großen Reform“. Schulz-Nieswandt hat die Professur für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung im Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) sowie des Seminars für Genossenschaften an der Universität zu Köln inne.

Die Ursprünge der JCA liegen im Jahre 1621. Die Sitfterin Justina Catharina Steffan von Cronstetten war das letzte noch lebende Mitglied dieser Familie und übernahm ein beträchtliches Erbe. Mit ihrer Cronstett- und Hynspergische Stiftung unterstützte sie die Bürger Frankfurts bei der Berufs- und Schulausbildung sowie in sozialen Notlagen. Die Stiftung besteht bis heute und ist eine der größten und ältesten Frankfurts. (ffm)