2000. Aortenstentprothese im Klinikum Frankfurt Höchst eingesetzt
Eine individuell angefertigte, mit Fenstern für die lebensnotwendigen Eingeweidearterien versehene Prothese wurde über kleine Schnitte in der Leiste in die Hauptschlagader des Patienten eingesetzt. Ein Winkel von 90 Grad in der Aorta unterhalb der Nierenarterien war dabei sowohl für die komplexe Operationsplanung, als auch für den Eingriff eine besondere Herausforderung. „Seit 28 Jahren stellt in unserer Klinik die Therapie von Aortenaneurysmen mit Hilfe von endovaskulären Prothesen die Therapie der ersten Wahl bei geeigneten Patienten dar“, so Rouhani und ergänzt: „Einer der größten Fortschritte in der Gefäßchirurgie der vergangenen Jahre ist die sogenannte minimal-invasive Chirurgie. Das bedeutet, dass im gefäßchirurgischen Alltag viele Operationen, die früher durch größere, belastendere und komplikationsträchtigere offene Operationsverfahren durchgeführt wurden, durch Stentprothesen und kathetergestützte Verfahren ersetzt oder als sogenannte Hybridverfahren ergänzt werden.“
Eine Erweiterung der Bauchschlagader kann für betroffene Patienten eine ernste Bedrohung darstellen. Erreicht die Bauchschlagadererweiterung einen bestimmten Querdurchmesser (z. B. mehr als 5 cm), so besteht die Gefahr, dass die Bauchschlagader platzt. Zur Behandlung der erweiterten Bauchschlagader können Gefäßchirurgen zwischen zwei Verfahren wählen: der offenen Operation und der endovaskulären. Bei letzterer handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff. Das heißt die Gefäßchirurgen führen über die beiden Leistenarterien eine Aortenstentprothese in die Bauchschlagader ein und schalten damit das Aneurysma aus. Hierfür sind lediglich zwei kleine Leistenzugänge erforderlich, durch die die ummantelte Stentprothese in den Körper eingebracht wird. Der Stent wird durch Eigenspannung in der Aorta verankert. Da sich die Aorta im Laufe des Lebens verändern kann, ist die Stentprothese einem dynamischen Prozess ausgesetzt. Daher sind regelmäßige Kontrollen notwendig, um zu überprüfen, ob die Stentprothese intakt ist und eine komplette Abdichtung zum Aneurysma besteht. Bei seltenen Problemen besteht die Möglichkeit zur Korrektur.
Die Patienten profitieren in der Regel durch eine geringere Sterblichkeit im Vergleich zur konventionellen offenen Operation, kürzere Krankenhausaufenthalte, geringere Komplikationsraten und vor allem durch eine schnellere Erholung von dem Eingriff. Durch die große Erfahrung im Einsatz von komplexen Stentprothesen mit Seitenarmen für alle Bauch- und Beckenorgane konnte dies ohne Kompromisse bezüglich der Haltbarkeit der Gefäßreparatur erzielt werden. Guido Rouhani war als junger Chirurg in seiner Facharztweiterbildung Teil des Teams von Prof. Dr. W.-J. Stelter, dem früheren Chefarzt und Pionier dieser revolutionären Operationstechniken. 2008 übernahm er als Oberarzt die Leitung der Endovaskulären Gefäßchirurgie und damit das Werk von Prof. Stelter, das er im Bereich der komplexen und individuell gefertigten Stentprothesen weiter ausbaute.
Zu den häufigsten Eingriffen, die sowohl konventionell-operativ als auch minimalinvasiv mit Kathetertechniken behandelt werden, zählen krankhafte Ausweitungen der Hauptschlagader (Aorta), Einengungen (Stenosen) der Halsschlagader (Carotis), alle Varianten der arteriellen Verschlusskrankheit an Beinen, Armen und dem Körper, Tumorerkrankungen mit Beteiligung der Gefäße, Verletzungen mit Beteiligung der Gefäße und die Anlage von Gefäßzugängen für Dialyse und Chemotherapie. Bereits vor über zehn Jahren konnten darüber hinaus minimal-invasive (endovenöse) Veneneingriffe bei Krampfadern in der Klinik etabliert werden. Die Abteilung für Gefäßchirurgie verfügt damit über eine der längsten Expertisen in Deutschland auf diesem Gebiet.
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