Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 05.08.2020

Werbung
Werbung

2 days of Video art & talks in der Kunsthalle Schirn

von Ilse Romahn

(20.07.2020) Am 22. und 23. Juli präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt sechs internationale Videokünstlerinnen und -künstler in einem Online Special der etablierten Film- und Videokunstreihe Double Feature.

Monira Al Qadiri, Eli Cortiñas, Ed Fornieles, Bjørn Melhus, Agnieszka Polska und Andrew Norman Wilson stellen je eine neue Produktion aus ihrem Werk vor und sprechen in virtuell geführten Talks mit Expertinnen und Experten der Schirn über ihre Arbeit und ihr filmisches Interesse. Sie alle waren bereits einmal zu Gast in der monatlichen Reihe Double Feature, mit der die Schirn eine Plattform für den Austausch über verschiedene Tendenzen und Ausdrucksformen des Films in der aktuellen Kunstproduktion bietet.

„Die Idee von 2 days of video art ist die Wiederbegegnung mit bereits aus dem Double Feature bekannten Künstlerinnen und Künstlern unter neuen Gesichtspunkten. Und es ist ein Angebot über aktuelle Werke, ihre neuen und anhaltenden Interessen und über Entwicklungen in der Video Art ins Gespräch zu kommen“, erläutert Schirn-Kurator Matthias Ulrich, einer der Projektgründer des Double Feature. In den acht Jahren des Bestehens wurden in der Reihe bereits über 70 Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Film- und Videokunst in der Schirn vorgestellt.
 
Die Talks mit den Künstlerinnen und Künstlern finden live über die Videokonferenzplattform ZOOM statt. Im Anschluss an die Gespräche besteht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, den Künstlerinnen und Künstlern Fragen zu stellen. Hierfür ist eine Registrierung bei ZOOM notwendig. Die Talks werden zudem über den Facebook- und YouTube-Kanal der Schirn übertragen. Anmeldung auf www.schirn.de/twodaysofvideoart
Die Talks finden in englischer Sprache statt.
­
Mittwoch, 22. Juli
17 UHR    BJØRN MELHUS im Gespäch mit Schirn-Krator Matthias Ulrich 
19 UHR    MONIRA AL QADIRI IM GESPRÄCH MIT SCHIRN-KURATORIN ILKA VOERMANN
21 UHR    ED FORNIELES IM GESPRÄCH MIT ANUSCHKA BERTHELIUS

Donnerstag, 23. Juli 
17 UHR    ELI CORTIÑAS im Gespräch mit Elisaberth Pallentin
19 UHR    ANDREW NORMAN WILSON im Gespräch mit Rrebecca Herlemann
21 UHR    AGNIESZKA POLSKA im Gespräch mit Johanna Laub
­
Videoscreenings 
Die sechs Videos und Filmarbeiten stehen von 22. Juli (Monira Al Qadiri, Ed Fornieles) und 23. Juli (Eli Cortiñas, Andrew Norman Wilson, Agnieszka Polska) bis einschließlich 26. Juli 2020 zur Verfügung. Der Film von Bjørn Melhus ist ausschließlich am 22. Juli zu sehen.
Alle Filme on Demand unter: www.schirn.de/twodaysofvideoart
­
Bjørn Melhus, Sugar, 2019, 20 Minuten
Fragen nach Authentizität und der individuellen Identität in einer medial vernetzten Welt spielen im Werk von Bjørn Melhus ebenso eine Rolle wie religiöse, ideologische und spirituelle Modi des Zusammenlebens. Für seine Film- und Videoinstallationen entwickelt er immer neue Protagonisten, die er selbst verkörpert, und so ein unverwechselbares Universum erschafft. Melhus zeigt seinen Film Sugar, der als bester Beitrag im Deutschen Wettbewerb bei den 63. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2020 ausgezeichnet wurde. Hier entwirft er ein post-soziales Zukunftsszenario der Welt, in welchem der Mensch soziale Interaktionen und Gefühle verlernt zu haben scheint und bloß von medialem Konsum getrieben wird. Dem gegenüber steht der humanoide Roboter Sugar, der gegen den Verlust des sozialen Bewusstseins der Menschen ankämpft. Bjørn Melhus studierte Freie Kunst in der Film- und Videoklasse von Birgit Hein an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Seit 2003 lehrt er an der Kunsthochschule Kassel. Seine Filme und Filminstallationen waren u.a. im KINDL - Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Berlin, im Sprengel Museum, Hannover, im Haus der Kunst, München, im Museum of Contemporary Art, Krakau, der Serpentine Gallery, London und dem Whitney Museum, New York zu sehen.

Monira Al Qadiri, Diver, 2018, 4 Minuten
Die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region um den Persischen Golf im 20. Jahrhundert ist ein wiederkehrendes Thema in den filmischen Arbeiten, Performances und Skulpturen von Monira Al Qadiri. Sie zeigt ihren Film Diver, der sich den Folgen der Ölindustrie für Gesellschaft und Kultur in dieser Gegend widmet. Jahrhundertelang basierte diese auf der Perlenfischerei, bevor die Ölindustrie einsetzte. In Diver bewegen sich vier Synchronschwimmerinnen in dichroitischen Ganzkörperanzügen zu den traditionellen Gesängen der Perlentaucher. Der changierende Glanz ihrer Anzüge erinnert sowohl an die kostbaren Perlen wie auch die Ölförderung und verbindet so die Gegenwart mit einem längst vergessenen Bestandteil regionaler Kultur. Die im Senegal geborene Monira al Qadiri wuchs in Kuwait auf und promovierte an der Tokyo University of the Arts in intermedialer Kunst. Al Qadiri lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten wurden u.a. im Palais de Tokyo, Paris, im MoMA PS1, New York, auf der Berlinale in Berlin oder im Haus der Kunst, München gezeigt.

Eli Cortiñas, Walls Have Feelings, 2019, 12 Minuten
Eli Cortiñas' Arbeiten dekonstruieren den Wahrheitsgehalt des filmischen Materials und hinterfragen tradierte Lesarten. Selbstgedrehte Filmsequenzen, Found Footage und gesprochene Tonaufnahmen verbindet die Künstlerin zu assoziativen Bild- und Soundcollagen. In Walls Have Feelings untersucht Cortiñas den Ausdruck von Macht in Innenräumen, Architektur und dem öffentlichen Raum. In der Verschränkung von historischem Filmmaterial und Szenen der Gegenwart von Büroräumen, Landschaften mit Grenzzäunen, Fassaden aus der NS-Zeit oder Textilfabriken veranschaulicht die Künstlerin, welche repräsentative und zugleich ordnende Funktion den Räumen und dem Mobiliar innewohnt, in dem sich die Menschen bewegen.
Eli Cortiñas wurde 1979 in Las Palmas de Gran Canaria geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln und dem European Film College in Dänemark. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, u.a. im Convent Space for Contemporary Art in Gent, im Contemporary Art Centre, Vilnius, im Argos Center for Art and Media, Brüssel und auf der Riga Biennial of Contemporary Art. Cortiñas wurde 2012 mit dem Karl Schmidt-Rottluff Stipendium ausgezeichnet.

Ed Fornieles, Cel, 2019, ca. 60 Minuten
Ed Fornieles gilt als Pionier der Post-Internet-Kunst. Er arbeitet mit partizipativen und immersiven künstlerischen Strategien wie Rollenspielen, inszenierten Online- und Offline-Events, Performances oder Virtual Reality, um sich mit sozialen Konzepten wie Authentizität und Identität auseinanderzusetzen. In seinem neuem Projekt Cel stehen patriarchale Strukturen und toxische Maskulinität im Zentrum der Beobachtung. Der Film dokumentiert eine 72-stündige Performance, die sich dem Format des Live Action Role Playing (LARP) bedient. Zehn Protagonisten agieren darin als Mitglieder einer rechtsradikalen Gamer Gruppe, die ihre im Internet propagierten Ideologien ausleben. Das LARP-Projekt Cel veranschaulicht die Auswirkung hierarchischer Strukturen und Gewalt auf das Verhalten des Einzelnen und führt vor Augen, wie persönliche Identität, Rollenbilder und Gesellschaft durch soziale Prozesse geformt werden.  Ed Fornieles wurde im englischen Petersfield geboren. Heute lebt und arbeitet er in London, wo er nach einem Bachelorstudium in Oxford das Royal College of Art absolvierte. Seine Arbeiten waren in Ausstellungen u.a. im Center for Contemporary Art Futura, Prag, auf der Athens Biennale 2018, im Palais De Tokyo, Paris, im New Museum, New York und in der Serpentine Gallery, London zu sehen. 2003 erhielt Ed Fornieles den Cunliffe Prize der Winchester University.

Agnieszka Polska, The Happiest Thought, 2019, 21 Minuten
Agnieszka Polskas filmisches Œuvre lädt zu einer beinahe meditativen Betrachtung ein. Fragen nach Zeitlichkeit und Kontinuität, dem Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart und die Konstruktion von Wirklichkeit sind wiederkehrende Themen der Künstlerin. Sie greift auf vorgefundenes Material zurück, welches sie digital animiert und so sorgfältig modellierte filmische Landschaften erschafft. So auch in ihrer Arbeit The Happiest Thought, in welcher sie die prähistorische Biosphäre am Übergang vom Perm- zum Trias-Zeitalter in atmosphärischen Bildern aufleben lässt. Vor über 250 Millionen Jahren ereignete sich das größte Artensterben der Erdgeschichte. Polska präsentiert die Schönheit dieser vergangenen Lebenswelt: Libellen-Schwärme, bewegte Wasserflächen, Lichtstrahlen, die sich den Weg durch die Dunkelheit bahnen. Begleitet wird die Szenerie von den gesprochenen und gesungenen Worten des US-amerikanischen Performancekünstlers Geo Wyeth.  Die polnische Künstlerin Agnieszka Polska lebt und arbeitet in Krakau und Berlin. Sie studierte Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Krakau und bei Hito Steyerl an der Universität der Künste in Berlin. 2017 gewann Polska mit ihrer Videoinstallation What the Sun Has Seen (Version II) den Preis der Nationalgalerie Berlin. Ihre Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen und Biennalen gezeigt, u.a. auf der 57. Biennale von Venedig, im New Museum, New York, der Nationalgalerie Prag und im Palais de Tokyo, Paris.

Andrew Norman Wilson, In the Air Tonight, 2020, 10 Minuten
Der Künstler und Kurator Andrew Norman Wilson arbeitet auf dem Gebiet des Bewegtbilds, der Fotografie, Skulptur und Performance. In seinen filmischen Arbeiten erwirkt er durch bewusst eingesetzte, formale und technische Mittel eine visuelle Entfremdung und greift in die durch das Kino und die Medien vermittelten Sehgewohnheiten ein. Wilson präsentiert zum ersten Mal seine Neuproduktion In the Air Tonight. Darin wird in einem Voiceover die vermeintliche Genese des gleichnamigen Popsongs des britischen Musikers Phil Collins erzählt. Der rätselhafte Mythos sowie die rhythmischen Klänge aus dem Intro des Songs begleitet eine Schnittfolge von szenischen Bildern, die die Handlung zu illustrieren scheinen und dabei doch unspezifisch und wahllos bleiben.  Andrew Norman Wilson studierte an der Syracuse University, Newhouse School of Communications in New York und der School of the Art Institute of Chicago. Er lehrt als Gastdozent an der Cooper Union, School of Art in New York City. Seine Arbeiten wurden zuletzt im Ausstellungshaus Ordet, Mailand, im Kunstverein Braunschweig, im Sculpture Center, New York und der Sharjah Art Foundation, Vereinigte Arabische Emirate und auf der Berlin Biennale gezeigt. Wilson wurde 2019 mit dem Sound and Vision Institute Found Footage Award des Internationalen Film Festival Rotterdam ausgezeichnet. Er ist mit seinen Werken u.a. in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York und dem Whitney Museum of American Art vertreten.

Das SCHIRN MAGAZIN bietet mit dem redaktionellen Schwerpunkt Video Art regelmäßig diskursive Beiträge, die die Reihe Double Feature begleiten. Hier und auf dem Youtube-Kanal der Schirn sind zudem die Gespräche und Videoarbeiten mit bisher beteiligten Künstlerinnen und Künstlern des Double Feature abrufbar.

Das „2 Days of Video Art. Double Feature Online Special“ wird unterstützt durch die SCHIRN ZEITGENOSSEN, einem Kreis privater Förderer junger Kunst an der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Die Schirn dankt Jan Bauer und Lena Wallenhorst, Oliver und Nicole Behrens, Olaf Gerber und Nicole Emmerling de Oliveira, Markus Hammer und Birgit Heller, Hartmuth und Lilia Jung, Shahpar Oschmann, Björn und Kim Robens, Jörg Rockenhäuser und Vasiliki Basia, Reiner Sachs und Brigitta Bailly sowie Julia Schönbohm und Ralf Böckle für ihr Engagement.

www.schirn.de/magazin/news
­
­
­