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Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

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18. Krimmler Gedenkwanderung gegen das Vergessen

von Adolf Albus

(21.06.2024) Der Austrofaschismus darf nicht vergessen werden: So die Botschaft des diesjährigen Krimmler Dialogforums. Die Erinnerung an tausende Holocaust-Überlebende, die von Österreich über den Alpenhauptkamm nach Italien und Palästina flohen, hält die alljährliche Gedenkwanderung am alten Tauernweg wach.

Alpine PeaceCrossing in der Gruppe im Sommer
Foto: Moritz Nachtschafft (Tourismusverband Krimml)
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Das Thema Flucht verliert nie an Aktualität, weil irgendwo auf der Welt immer ein Krieg tobt, die anhaltenden Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen sind nur zwei Beispiele dafür. Bereits zum 18. Mal wird in Krimml das Alpine Peace Crossing (29.–30.06.24) organisiert, um die Flucht von Holocaust-Überlebenden nach dem Krieg über den Alpenhauptkamm nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Für das Krimmler Dialogforum (29.06.24) unter dem Motto „Versäumtes Erinnern. Österreich und der Austrofaschismus“ konnten die Zeithistorikerin Lucile Dreidemy und die Antisemitismusforscherin Isolde Vogel gewonnen werden. Regisseur Benjamin Swiczinsky wird über seinen mehrfach ausgezeichneten Animationsfilm „Heldenkanzler“ sprechen.

Auf den Spuren der Flüchtlinge

Die Gedenkwanderung über den Krimmler Tauern (30.06.24) ist allen Flüchtlingen der Welt gewidmet. 1947 mussten hier 8.000 jüdische Holocaust-Überlebende aus Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei über die grüne Grenze flüchten, um von dort weiter nach Palästina reisen zu können. Sie waren auch nach Ende des Krieges offener Feindschaft ausgesetzt, sobald sie in ihr altes Zuhause zurückkehren wollten. Das nach wie vor weitgehend unbekannte Kapitel des Antisemitismus betraf insgesamt etwa 250.000 bis 300.000 Jüdinnen und Juden aus Osteuropa. Zwischen 1945 und 1948 wurden viele illegal in die westlichen Besatzungszonen geschleust, wo sie als Displaced Persons etwa im Saalfeldener Lager Givat Avoda lebten. Da sie nicht legal nach Italien weiterreisen konnten, half ihnen die jüdische Organisation Bricha bei der Flucht weiter über den Krimmler Tauern nach Italien, von wo sie nach Palästina gelangen wollten. www.alpinepeacecrossing.org

Mit dem teatro caprile über die Berge

Seit 2016 kann man die „Flucht über die Berge“ auch in Form der authentischen Krimmler Theaterwanderung in memoriam Marko Feingold miterleben. Der spätere Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg war maßgeblich an der Organisation der Flucht über den Tauern 1947 beteiligt und rekonstruierte mit dem Bergführer Viktor Knopf die einstige Fluchtroute. Schauspieler des teatro caprile und Publikum wandern gemeinsam auf ihren Spuren von Krimml über den alten Wasserfallweg hinauf ins Krimmler Achental, zum Tauernhaus und weiter zur Windbachalm (1.880 m). An Originalschauplätzen wird die „Flucht über die Berge“ in packenden und teilweise auch heiteren Szenen inszeniert und ein Stück Lokal- und Weltgeschichte zum Leben erweckt. Nach dem Schlussakt auf der Windbachalm und dem Abstieg geht es vom Krimmler Tauernhaus zurück nach Krimml. www.teatro-caprile.at

teatro caprile: „Flucht über die Berge“
Termine: 21.|22.|23.|28.|29.06.24
Treffpunkt: 08:30 Uhr Tourismusbüro Krimml – Start: 08:45 Uhr Musikpavillon Krimml.
Tickets: Tourismusverband Krimml: Tel. 0043/(0)6564/7239-0 / info@krimml.at / Preise p. P.: 45 Euro / mit SN-Card 36 Euro / Jugendliche und Schülergruppen bis 18 J. 25 Euro / Gruppen ab 10 Personen 40 Euro (Taxitransfers inklusive)
Anmeldung für Dialogforum und Gedenkwanderung verpflichtend auf: alpinepeacecrossing.org
 http://www.zillertalarena.com/krimml