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Letzte Aktualisierung: 08.03.2021

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150 Jahre Friedrich Ebert – Wegbereiter der Demokratie

Iris G. Schmidt

von Ilse Romahn

(15.02.2021) „Des Volkes Wohl ist meiner Arbeit Ziel“ steht auf dem Grabstein von Friedrich Ebert. Ein Staatsmann, der dieses Ziel sein gesamtes Leben „gelebt“ und nie verlassen hat. Eben ein Mann mit hohem Pflichtbewusstsein, der in der Lage war, entscheidende Weichenstellungen vorzunehmen auf seinem Weg zum ersten demokratischen Staatsoberhaupt Deutschlands.

Bildergalerie
Friedrich Ebert Gedenktafel
Foto: Archiv der Stiftung Reichspräsident Friedrich Ebert in Heidelberg
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Friedrich Ebert und seine Gemahlin
Foto: Archiv der Stiftung Reichspräsident Friedrich Ebert in Heidelberg
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 Bewundert aber auch umstritten führte er Deutschland als „Mann des Neubeginns“ durch schwere Zeiten.

Prof. Dr. Bernd Braun, Leiter der Heidelberger Gedenkstätte und Ebert-Forscher, sieht in ihm u.a. eine Persönlichkeit, die über großes organisatorisches Talent verfügt, mit taktischem Geschick, einer eigenen Strategie sowie ausgeprägten Machtinstinkt unter schwierigsten Umständen anstehende Entscheidungen nicht nur zu fällen. aber auch durchzusetzen.

Um den besten Einblick in das Leben und Wirken Friedrich Eberts (1871-1925) zu erhalten, empfiehlt sich ein Rundgang durch sein Geburtshaus in Heidelberg, Pfaffengasse 18, und die dortige einmalige Ausstellung der „Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte“.

Hier ist der Lebensweg Friedrich Eberts, geb. am 4. Februar 1871 in der Heidelberger Altstadt, Sohn des Heidelberger Schneiders Karl Ebert und seiner Ehefrau Katharina geb. Hinkel, authentisch nachzuvollziehen. Seine Kindheit, Jugend, Ausbildung zum Sattler, auf dem Weg ins höchste Staatsamt seinerzeitiger Geschichte ist mittels der erwähnten ständigen Ausstellung „Vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten“ in bemerkungswerter Gestaltung erlebbar.

Nach Jahren auf der Walz (Wanderschaft) avancierte Ebert bereits zum Vorsitzenden der Bremer Sattlergewerkschaft und später zum Redakteur der „Bremer Bürger-Zeitung“

Sein ständiger Wohnsitzwechsel basierte damals auf seinen nicht ganz ungefährlichen, politischen Aktivitäten. Im Rahmen des Sozialistengesetzes fand man seinen Namen auf der „schwarzen Liste“ der Polizei.

Aus der Ehe mit der Arbeiterin Louise Rump gingen 5 Kinder hervor, Friedrich, Georg, Heinrich, Karl und Amalie. Georg und Heinrich fielen als Soldaten im 1. Weltkrieg. Privat ist Friedrich Ebert kaum in Erscheinung getreten. Er liebte es zu wandern, allerdings gab es nur wenig Zeit dafür.

Seine parteipolitische Karriere begann 1899 durch Wahl in die Bremer Bürgerschaft. Gleichzeitig wurde er zum SPD Fraktionsvorsitzenden und Arbeiter-Sekretär ernannt.

Nach einem weiteren Umzug nach Berlin, 1905, erfolgte seine Wahl in den SPD-Parteivorstand, 1913 die Mitgliedschaft im Reichstag und die Ernennung zum Amt des neuen SPD-Parteivorsitzenden mit Hugo Haase.

Sein stets konsequenter politischer Einsatz hat nicht nur wesentlich zur Stabilisierung der Weimarer Republik beigetragen. Auch die internationale Friedenskonferenz der Sozialisten in Stockholm trägt seine Handschrift, sowie seine Beteiligung an der Übergangsregierung, nach Abdankung Kaiser Wilhelms II. am 9. November 1918 und der Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann.

Am 6. Februar 1919 eröffnete Friedrich Ebert in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten in Weimar das erste aus wirklich freien, geheimen und allgemeinen Wahlen hervorgegangene freie Reichsparlament der deutschen Geschichte. Bereits fünf Tage später, am 11. Februar 1919, wird Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt. Er verkündet, dass er Präsident aller Deutschen sein will: “Demokratie braucht Demokraten“, so seine Devise!

In den ersten 6 Jahren als Präsident der ersten deutschen Republik gab es 9 Reichskanzler und 12 Kabinette. Seine öffentlichen Auftritte fanden nicht, wie oft im politischen Rahmen üblich, mit Glanz und Gloria“ im kaiserlichen Prunk, dem die Bevölkerung seinerzeit noch nachtrauerte, statt, sondern galten eher aus dem „Hintergrund“ als beeindruckend einzustufen.

Er war kein charismatischer Arbeiterführer, der Massen begeistern konnte, ebenso wenig ein Revolutionär, was ihn aber nicht davon abhielt, sich souverän, gleichzeitig eindrucksvoll an die Spitze der ersten deutschen Demokratie zu kämpfen. Prof. Braun erwähnte, dass Ebert nie vergaß, aus welchen Verhältnissen er stammte und demzufolge auch stets seinem Milieu treu blieb. Er setzte sich mit ganzem Herzen für die Demokratie und deren Erhaltung ein.

Im Alter von nur 54 Jahren, am 28. Februar 1925, verstarb Friedrich Ebert an den Folgen einer Blinddarmentzündung, zu einer Zeit, in der er einer beispiellosen Hetzkampagne ausgesetzt war. Einige Tage später wurde er in seiner Heimtatstadt Heidelberg auf dem Bergfriedhof beigesetzt. Sein Grab gilt seitdem als Wallfahrtsort. Die auf der Trauerfeier am 2. März 1925 eingenommenen Spenden dienten der Gründung der Friedrich-Ebert-Stiftung, um in erster Linie mittellosen Arbeiterkindern ein Universitätsstudium zu ermöglichen. An dem Trauermarsch in Berlin nahmen mehr als eine Million Bürger teil, um ihm in dieser Welt die letzte Ehre zu erweisen.

Die Werte, für die der Sozialdemokrat stand, zum Beispiel Demokratie, Pflicht- und Prinzipientreue – gelten auch heute noch als Grundpfeiler des deutschen Selbstverständnisses. Schulen, Stiftungen, Straßen oder Brücken sind nach ihm benannt.

Im Lautarchiv der Humboldt-Universität in Berlin ist auf einer Schellack-Platte eine Ansprache zu hören, die Friedrich Ebert 1919 als Reichspräsident hielt.

 Damals wie heute engagieren sich Menschen für Menschen und entscheiden sich dafür, Verantwortung für unser Gemeinwesen zu übernehmen.

So begegnet uns Friedrich Ebert auch in dem Zusammenhang immer wieder und lehrt uns, dass ohne ausdauernden Einsatz kein Ziel zu erreichen ist.

Immerhin hat er in einer wirren Zeit als Sohn eines einfachen Schneidermeisters die politische Geschichte entscheidend mitbestimmt! Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, inwiefern das „Heute“ weniger wirr ist und was der Hinderungsgrund sein könnte, sich füreinander, einzusetzen? Für Friedrich Ebert gab es keinen!