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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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11. Sitzung des Frankfurter Krisenstabs ,Wirtschaft & Corona'

Gute Perspektiven für Neustart von Kongressen in Frankfurt am Main

von Ilse Romahn

(03.06.2020) Zur 11. Krisensitzung „Wirtschaft & Corona“ unter der Leitung von Wirtschaftsdezernent Markus Frank war der Managing Director des German Convention Bureau (GCB), Matthias Schulze, eingeladen, um eine Experteneinschätzung hinsichtlich des Frankfurter Kongressmarktes zu geben.

Das GCB wurde 1973 gegründet und hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Der Blick auf die vergangene Kongressstatistik lässt hoffen, dass Frankfurt am Main gute Perspektiven für den Restart von Kongressen nach der Corona-Krise hat. Denn in der Vergangenheit umfassten die meisten Kongresse auch schon vor Corona-Zeiten maximal 100 Teilnehmern. Nur ein kleiner Anteil von Kongressen in der Metropolstadt war auf über 1000 Teilnehmern ausgelegt. Diese Erkenntnis ist wichtig, da nach den aktuellen Corona-Auflagen nur Veranstaltungen bis maximal 100 Teilnehmern organisiert werden dürfen. Frankfurt sollte daher wieder schnell in eine gute Position kommen. 85 Prozent aller Teilnehmer übernachteten im vergangenen Jahr in Hotels, das heißt, auch für die Hotels zeichnet sich eine gute Entwicklung ab, wenn das Tagungs- und Kongressleben wieder an Fahrt gewinnt.

Die Lockdown-Phase, in der keine Face-to-Face Events zulässig waren, ist nun überstanden. In dieser Zeit konnte glücklicherweise auf virtuelle Lösungen zurückgegriffen werden. In der aktuellen Phase der Erholung werden neben analogen Konferenzen aber auch weiterhin virtuelle Konferenzen stattfinden. Für die darauffolgende Re-Start-Phase hofft man, dass wieder analoge Konferenzen überwiegen. „Das ist wichtig: Kongresse bringen Know How und Innovation in die Stadt“. sagt Matthias Schulze. „Das passt zu Frankfurt am Main und stärkt den Standort.“

Für die Wiederinbetriebnahme hat die GCB sechs Handlungsfelder identifiziert: Reisefreiheit für internationale Veranstaltungsteilnehmer, An- und Abreise vor Ort, Einlassmanagement, Veranstaltungsablauf, Hygienemaßnahmen und Auslassmanagement. In diesen Handlungsfeldern gilt es, beste Standards für sichere Kongresse und Veranstaltungen zu garantieren. International genieße Deutschland bereits einen hervorragenden Ruf, was die Sicherstellung von Hygienebedingungen, qualitätsvolle Prozesse und Gesundheitsstandards, aber auch Rechtssicherheit anbelangt.

Thomas Feda, Geschäftsführer der TCF GmbH, ergänzt, dass in Frankfurt im vergangenen Jahr 80.000 Tagungen und Kongresse mit insgesamt 4,5 Millionen Teilnehmern stattgefunden haben. Insgesamt werden zwei Millionen Übernachtungen aus dem Kongress- und Tagungsgeschäft generiert, das heißt jede fünfte Übernachtung in Frankfurt am Main entstamme dem Tagungs- und Kongressmarkt.

Mit 800 Millionen Euro Bruttoumsatz sei das Segment nicht nur ein Image-, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Feda kündigt an, dass in Kürze das erste „coronagerechte“ Hotel besucht werden kann. Die DEHOGA ist davon überzeugt, dass gerade mit den erarbeiteten Sicherheitskonzepten der lokale Tourismus bald wieder angekurbelt wird.

Eduard Singer, Vorstandsvorsitzender DEHOGA Hessen, verweist auf die Schwierigkeit, dass aufgrund der Besonderheiten eines Hotels oder einer Gaststätte immer der Einzelfall betrachtet werden müsse und es daher kein gemeinsames Sicherheits- und Hygienekonzept für die Branche geben könne. Aber alle setzen sich dafür ein, dass der Kongressstandort Frankfurt am Main auch in Zeiten der Pandemie sicher ist.

Die Notwendigkeit, dass der Wirtschaftsmotor bald wieder rund laufen muss, verdeutlichen auch die Zahlen, die Stadtkämmerer Uwe Becker präsentiert: 220 Millionen Euro Gewerbesteuer werden in Frankfurt am Main aktuell coronabedingt reduziert, gestundet oder zurückgezahlt. Auch bei der Einkommenssteuer ist die Prognose zurückgegangen: wegen Kurzarbeit werden in diesem Jahr statt 480 Millionen nur 450 Millionen Einnahmen aus der Einkommenssteuer erwartet.

Auf dem Beschäftigungsmarkt zeichnet sich zum Glück ein leicht positiver Trend hin zu einer Stabilisierung ab; sowohl das Jobcenter als auch die Agentur für Arbeit berichten, dass sich die Zuwächse bei den Neuanträgen auf Kurzarbeit und Grundsicherung stabilisiert hätten. Seit März sind 7500 Anträge auf Grundsicherung eingegangen, in der Woche sind 400 Neuzugänge zu verzeichnen. Die aktuelle Statistik der Agentur für Arbeit liegt Anfang Juni vor.

Kammerpräsident Ulrich Caspar verweist mit Blick auf die Situation von Auszubildenden in der aktuellen Phase darauf, dass die IHK Hilfestellung gibt, wenn ein Ausbildungsverhältnis in einem Unternehmen nicht fortgeführt werden kann. Nach wie vor sei die fehlende Kinderbetreuung ein großes Hemmnis für die Beschäftigung. Wirtschaftsdezernent Frank berichtet, dass die Stadt den Kitas aktuell Sportflächen anbietet und auch in den städtischen Gesellschaften ein Aufruf gestartet wurde, um zusätzliche Flächen für die Kinderbetreuung zu schaffen. Sie sind erforderlich, um das Abstandsgebot in den Kitas einhalten zu können. „Vielleicht kann dieser Appell auch an die Unternehmen gerichtet werden“, schlägt der Wirtschaftsdezernent vor: „Wer zusätzliche, geeignete Flächen hat, kann sie Kitas anbieten. Solidarität ist auch hier wichtig und führt vielleicht zu unerwarteten Hilfestellungen.“

Friedrich Avenarius, Geschäftsführer der Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände, weist darauf hin, dass in den Unternehmen die Hygienekonzepte sehr gut funktionierten. Auch Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger ist zufrieden, dass Bauhandwerk, Lebensmittelbereich und Gesundheitsunternehmen ihre Arbeit unter den gegebenen Bedingungen wieder gut aufnehmen können. Avenarius verweist auf die Vorschläge der Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände für den Neustart aus der Corona-Krise. Auch Wirtschaftsdezernent Frank glaubt, dass die Zeit für vorsichtigen Optimismus gekommen ist und will unterstützen. „Den Neustart aus der Krise wirtschaftspolitisch zu begleiten, ist für das Gelingen eines Re-Starts elementar. Hierbei gilt es insbesondere, finanzielle und bürokratische Lasten zu verhindern, aber auch konjunkturschaffende und imagefördernde Maßnahmen zu ergreifen und die Solidarität durch gezielte Aufrufe zu fördern.“ Besonders glücklich ist er daher, dass am vergangenen Freitag der Magistrat beschlossen hat, weitere 6,47 Millionen Euro aus dem Tourismusbeitrag als überplanmäßige Aufwendung für die Stärkung des Tourismusstandortes Frankfurt am Main zur Verfügung zu stellen.