Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 10.12.2019

Werbung
Werbung

‚Ein Shopping Center ist ein Kiez, ein Treffpunkt für die Menschen‘

von Laura Bicker

(25.11.2019) 17 Jahre lang hat Georg Lackner das Nordwestzentrum (NWZ) geleitet, nun geht er Ende des Jahres in Rente.

Georg Lackner im Nordwestzentrum
Foto: Nordwestentrum Verwaltungsgesellschaft mbH
***

Während seiner Zeit als Geschäftsführer ist das Shopping Center nicht nur entscheidend gewachsen, er hat auch viele Aktivitäten und Events neben dem Einkaufen eingeführt. Im Interview mit Laura Bicker spricht er über Jugendarbeit, Fastnacht und Menschlichkeit.

Herr Lackner, nach 17 Jahren verabschieden Sie sich von Ihrem Posten als Geschäftsführer des Nordwestzentrums. Was ist für Sie die einprägsamste Erinnerung an diese Zeit?
GEORG LACKNER: Ich kann wirklich auf eine sehr schöne und abwechslungsreiche Zeit mit vielen tollen Erlebnissen zurückblicken. Beruflich gesehen zählen auf jeden Fall die Eröffnung der neuen Mall im Jahr 2004, Aktionen wie das 24-Stunden-Shopping und die Kooperationen mit den Frankfurter Museen dazu, wie beispielsweise mit dem Senckenbergmuseum. Das sind Themen, die richtig Spaß gemacht haben. Persönlich gesehen sind es aber die vielen Begegnungen mit Frankfurtern und Menschen aus der Region, die wirklich eindrucksvoll und schön waren. Da muss ich der landläufigen Meinung, die Frankfurter seien stur und es sei schwierig, Kontakte zu kriegen, widersprechen. Ganz im Gegenteil! Ich bin hier in Frankfurt ganz herzlich aufgenommen worden und habe viele angenehme, nette Menschen kennengelernt.

Sie kennen das NWZ wie kein anderer. Haben Sie einen Lieblingsort im Einkaufszentrum?
LACKNER: Ich halte mich generell gerne im Center auf. Ich empfinde es als sehr angenehm, dass man überall entspannt umherschlendern kann. Ich gehe dort außerdem gerne zum Friseur und sitze im Café und beobachte die Menschen. Und vor allem spreche ich gerne sowohl mit Kunden als auch mit Mitarbeitern. Vor allem jetzt, wo sich herumgesprochen hat, dass ich bald in Rente gehe, werde ich auch oft angesprochen: „Schade, dass Sie gehen, es war eine schöne Zeit!“ Da weiß man, dass man nicht alles falsch gemacht haben kann.

Letztes Jahr hat das NWZ 50. Jubiläum gefeiert. Wie haben sich in dieser Zeit die Anforderungen und Herausforderungen an ein Einkaufszentrum geändert?
LACKNER: Ich habe festgestellt, dass die Verweildauer der Mitarbeiter abgenommen hat. Der Kunde findet nicht mehr in allzu vielen Geschäften über einen längeren Zeitraum hin einen festen Ansprechpartner. Das ist häufig ein Merkmal von Filialisten, die bundesweit agieren. Der mittelständische Einzelhandel und die Gastronomen sind da anders aufgestellt: Da sind die Mitarbeiter das Kapital, an ihnen wird festgehalten. Durch diese persönliche Bindung kann die Identifikation mit dem Unternehmen, mit der Arbeit und mit dem Center noch gefördert werden. Mein Ratschlag ist, dass sich Unternehmen nicht mit dem Internet messen sollten, sondern mit Wettbewerbern, bei denen Bedienung, Beratung und Service vor Ort besser laufen.

Was ist in Ihren Augen der entscheidende Faktor, der Menschen immer noch ins Einkaufszentrum zieht?
LACKNER: Menschlichkeit. Wenn man ins Internet geht, dann kann man sich zwar etwas kaufen, vielleicht sogar etwas, das einen erfreut und das man unbedingt haben möchte. Aber es gibt keine menschliche Komponente. Wenn ich dagegen in ein gut geführtes Geschäft gehe, dann werde ich gleich beim Betreten begrüßt und habe Menschen um mich. Ich kann etwas fragen, mir etwas erklären lassen und dann etwas kaufen. Es ist ein Erlebnis. Und das setzt sich im Einkaufszentrum fort: Man hört Geräusche und Stimmen, riecht die Gerüche aus Cafés und Restaurants, trifft meistens ein bekanntes Gesicht aus der Nachbarschaft. Es ist einfach lebendig. Ein Shopping Center ist, wie man bei uns in Hamburg sagt, ein Kiez: ein Treffpunkt für die Menschen.

Die Fünfte Jahreszeit spielt im NWZ eine große Rolle und Sie haben sich stets für die Fastnachtspartys im November und Februar stark gemacht. Fastnacht und Shopping Center – wie passt das für Sie zusammen?
LACKNER: Ganz hervorragend! Mir war es immer wichtig, dass die Menschen nicht nur zum Einkaufen ins Shopping Center kommen, sondern sich dort auch aufhalten wollen, Zeitvertreib suchen, sich mit Freunden und Freundinnen treffen. Darum geht es bei der Fastnacht auch, das ist nicht nur Saufen und Humba Humba Täterä. Und natürlich spielt hier auch die Jugendarbeit eine große Rolle: In den Fastnachtsvereinen kümmert sich die ältere Generation um die jüngere, wie es auch in vielen Sportvereinen der Fall ist. Dort gibt es Menschen, die sich mit der jungen Generation beschäftigen, zu denen Kinder und Jugendliche kommen können, wenn sie Kummer haben. Die ihnen aufzeigen, dass es anderes gibt, als sich nur mit dem Handy oder dem Computer zu beschäftigen. Diese Art der Förderung ist mir sehr wichtig.

Auch zum Welttag der Kinder haben Sie stets viele Veranstaltungen im NWZ geplant. Ist dieser Aktionstag für Sie mehr als ein reiner Publikumsmagnet gewesen?
LACKNER: Bei unseren Kinderfesten, die wir in Zusammenarbeit mit Michael Paris und dem Abenteuerspielplatz Riederwald veranstalten, geht es darum, dass alle Jahrgänge, alle Nationalitäten friedlich miteinander spielen und sich gut verstehen. Und das gilt auch für die Eltern. Die Feste kosten keinen Eintritt und die Kinder können spielen, herumtoben, laut sein – das gehört dazu. Das macht einen Riesenspaß und ich zolle Michael Paris immer wieder meine Hochachtung für sein Engagement. Sich für die Welt der Kinder einzusetzen, ist nach wie vor nicht leicht.

Gibt es etwas, worauf Sie in Ihren 17 Jahren als Geschäftsführer stets hingearbeitet haben und sich für die Zukunft des Zentrums wünschen?
LACKNER: Mir ist die menschliche Komponente einfach sehr wichtig und ich wünsche mir, dass das weiterhin so gesehen wird, auch weit über meine Zeit hinaus. Dass man wirklich für die Menschen da ist und sie und die Vereine in unserer Region immer ein offenes Ohr beim Center Management finden.

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
LACKNER: Die Gesellschaften, die Einkaufszentren führen, fordern natürlich viele Zahlen: Tabellen, Kundenzählungen, Benchmarks, Vergleiche mit anderen Centern. Das müssen sie. Aber als Center Manager muss ich mich fragen, ob mich das alleine weiterbringt. Ich würde immer raten, raus aus dem Büro und runter ins Center zu gehen, mit offenen Augen und Ohren. Man muss in der Lage sein, mit den Menschen zu sprechen, mit ihnen umzugehen. Aber ich werde auch immer mal ins NWZ zurückkehren und meinen Nachfolgern mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn ich gebraucht werde.

Zur Person:
Georg Lackner hat das Nordwestzentrum seit 2002 geleitet. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist 65 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder und drei Enkelkinder. Die letzten Jahre ist er zwischen Frankfurt und Hamburg gependelt, mit Beginn der Rente wird er zurück nach Hamburg zu seiner Familie ziehen. Nach Frankfurt kommt er immer gerne zurück – am liebsten zur Fastnacht. (ffm)