Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

Werbung
Werbung

‚Die ABG ist der Garant für bezahlbare Mietwohnungen in Frankfurt‘

Der Wohnungskonzern der Stadt legt die Bilanz für das Geschäftsjahr 2019 vor

von Ilse Romahn

(14.10.2020) „Im Geschäftsjahr 2019 hat die ABG Frankfurt Holding 719 Mietwohnungen fertig gestellt. Rund 43 Prozent davon sind öffentlich gefördert. Das zeigt: Die ABG ist Garant für bezahl¬bare Mietwohnungen in Frankfurt“, erklärt Peter Feldmann, Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der ABG, zur Jahresbilanz des Wohnungskonzerns der Stadt.

Im Geschäftsjahr 2019 hat die ABG 223,2 Millionen Euro in Sachanlagen investiert. Die Investitionen in die Erhaltung und Modernisierung des Immobilienbestandes lagen mit 126 Millionen Euro fast zehn Millionen über dem Vorjahr. Für die kommenden fünf Jahre plant der Immobilienkonzern der Stadt Frankfurt weitere Investitionen in Höhe von circa 2,4 Milliarden Euro, mit denen rund 5600 Neubauwohnungen fertiggestellt werden sollen. In diesem Zeitraum soll außerdem mit der Planung und dem Bau von weiteren 3200 Wohnungen begonnen werden.

„Die ABG zeichnet nicht nur aus, dass mehr als 40 Prozent ihrer Wohnungen gefördert sind. Sie schafft auch bezahlbare preisfreie Mietwohnungen, die eine Stadt wie Frankfurt dringend benötigt“, sagt Feldmann weiter. „Wir wollen, dass jede und jeder in unserer Stadt wohnen kann ­– nicht nur Sozialwohnungsberechtigte oder Menschen mit hohen Einkommen, sondern auch Behördenmitarbeiter, Handwerker oder die Assistenzärztin an der Uniklinik. Diese gesunde Mischung ist wichtig für die Stadt Frankfurt. Wir sind froh, dass wir mit der ABG ein starkes Unternehmen haben, das diese Entwicklung aktiv gestaltet“, sagt der Oberbürgermeister.

„2019 war für die ABG Frankfurt Holding ein gutes Geschäftsjahr, das planmäßig verlaufen ist“, erklärt Frank Junker, Vorsitzender der ABG-Geschäftsführung. Der Konzernjahresüberschuss der ABG lag bei 68,7 Millionen Euro. Der Rückgang um 44 Millionen Euro gegenüber dem Ergebnis aus 2018 sei darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr durch den Verkauf einer Liegenschaft hohe stille Reserven aufgedeckt wurden, die zu einem dreistelligen Ergebnis geführt haben. Eine ähnliche Auswirkung auf den Gewinn gab es durch eine buchhalterische Maßnahme bereits in 2017. „Diese Einmaleffekte lassen sich leider nicht beliebig wiederholen“, sagt Junker, insofern habe es in 2019 „keinen unvorhergesehenen Einbruch“ gegeben, sondern „die Jahre 2018 und 2017 waren außergewöhnlich“. Das „nachhaltig erwirtschaftete Ergebnis ist mit circa 68 Millionen Euro im Konzern jetzt wieder auf einem guten und hohen Stand“. Dieses Ergebnis brauche das Unternehmen auch, um die vielfältigen Investitionen und Instandsetzungsmaßnahmen zu finanzieren.

‚Es ist uns gelungen, die Politik mitzunehmen‘
Ein zentrales laufendes Projekt der ABG ist die Modernisierung und Erweiterung der Platensiedlung im Frankfurter Stadtteil Ginnheim. „Es ist uns gelungen, die Politik mitzunehmen und die hier vorhandene Skepsis auszuräumen“, zieht Junker eine positive Bilanz. Ebenso sei es gelungen, durch Mieterversammlungen und intensive Kommunikation die allermeis¬ten Mieterinnen und Mieter bei diesem Prozess „mitzunehmen“, der für die Bewohner der Siedlung mit dem „Lärm und Schmutz“ einer Großbaustelle verbunden ist. In der Zeit von November 2018 bis März 2020 wurden hier 19 zuvor dreistöckige Häuserzeilen mit insgesamt 1024 vorgefertigten Holzmodulen um zwei Etagen aufgestockt und damit 380 neue Wohnungen geschaffen. „Die Wohnungen waren bis März bezugsfertig und das ist rekordverdächtig“, sagt der ABG-Geschäftsführer. Rund die Hälfte der neuen Wohnungen in der Platensiedlung sind gefördert, ein großer Teil davon im so genannten Förderweg zwei. Diese Wohnungen werden an Haushalte mit einem mittleren Einkommen vergeben. Zusammen mit den preisfreien Wohnungen und den Wohnungen für Studenten erreiche man so eine „neue soziale Durchmischung und Stabilisierung der Siedlung“. Das Modell zeige, dass „es funktioniert, in bewohnten Siedlungen neuen Wohnraum durch Aufstockungen zu errichten“, sagt Junker weiter. Dieses Modell solle man auch in Zukunft weiter umsetzen. Weitere 300 Neubauwohnungen werden in der Siedlung derzeit in Form von Tor- und Brückenhäusern errichtet.

Neubauprojekte liegen im Plan
Im Westflügel im Stadtteil Riedberg hat die ABG ein Ensemble mit zwölf Mehrfamilienhäusern und insgesamt 115 Wohnungen fertiggestellt. Bei diesem „unkonventionellen Wohnungsbau, der ohne rechten Winkel auskommen sollte“, lag die Herausforderung darin, die Grundrisse so zu gestalten, dass die neuen Bewohner sich „keine runden Schränke“ kaufen müssen. Dieses Projekt aus preisfreiem und gefördertem Wohnungsbau ist, so der ABG-Geschäftsführer, auch wegen der Infrastruktur, die hier mit einer Fläche für Gastronomie geschaffen wurde, „eine Bereicherung für den ganzen Riedberg“.

Planmäßig verläuft auch der Bau von sieben Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 227 Passiv-hauswohnungen in der Herriotstraße im Lyoner Quartier, bei dem im März 2019 Richtfest gefeiert werden konnte. Zusammen mit den bereits abgeschlossenen großen Bauprojekten in der Lyoner Straße und der Hahnstraße ist die ABG auch mit diesem vorläufig letzten Bauprojekt in der ehemaligen Bürostadt ein „Initialzünder für die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers“ gewesen, wie Junker ausführt. Mit Flächen für den Einzelhandel und einer Kindertagesstätte habe die ABG auch hier die notwendige Infrastruktur geschaffen.

Im Zeitplan liegt das große Neubauprojekt der ABG am Güterplatz. Auf dem 13.700 Quadratmeter großen ehemaligen Telenorma-Areal, das über 25 Jahre brach lag, errichtet die ABG 259 Mietwohnungen sowie einen großen Supermarkt und eine Kindertagesstätte. „Für einen schönen neuen Lidl-Markt im Erdgeschoss haben wir gerade den Mietvertrag unterschrieben“, informiert Junker im Geschäftsbericht. Co-Investoren bauen hier außerdem einen Hotel- und Büroturm und ein Wohnhochhaus mit 263 Eigentumswohnungen. Unter der Bebauung liegt eine zweigeschossige Tiefgarage. Die Herausforderung bei diesem Projekt liegt darin, dass in unmittelbarer Nachbarschaft die Baustelle der Stadtbahn liegt, mit der die U-Bahn unterirdisch in das Europaviertel geführt wird. Als „Meisterleistung“ bezeichnet Junker, dass es gemeinsam mit der Stadtbahnbaugesellschaft geglückt sei, „unsere Baumaßnahmen miteinander so abzustimmen, dass wir uns nicht gegenseitig behindern“. Die ABG habe „diese Entwicklung angestoßen und aufgezeigt, dass auf solchen Problemlagen eine gute Bebauung möglich ist“.

Goethehöfe fertig gestellt
Bedingt durch außergewöhnliche und nicht vorhersehbare Umstände ist das neue Ensemble der Goethehöfe in der Innenstadt am Großen Hirschgraben rund ein Jahr später als geplant im Januar 2020 fertig geworden. „Wir hatten es hier mit einer Bausubstanz zu tun, die man schwer einschätzen kann“, sagt Junker, „aber das Ergebnis zählt“. Neben 28 Mietwohnungen und einem großen Café hat die ABG hier den denkmalgeschützten Cantate-Saal revitalisiert, in dem die Fliegende Volksbühne ein neues Zuhause gefunden hat. Auch das Romantikmuseum, das die ABG für das Freie Deutsche Hochstift in direkter Nachbarschaft zum Goethehaus gebaut hat, wurde inzwischen an den Bauherren übergeben.

Lage auf dem Wohnungsmarkt nach wie vor angespannt
Die Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt sieht der Vorsitzende der ABG-Geschäftsführung nach wie vor angespannt. „Der Zuzug nach Frankfurt ist ungebrochen und die Neubauaktivitäten halten mit der wachsenden Nachfrage nach Wohnraum nicht mit.“ Seiner Einschätzung nach werden auch in Zukunft insbesondere Eigentumswohnungen im „höchstpreisigen Segment“ gebaut, im normalen Bereich des Mietwohnungsbaus wurde hingegen wenig getan. Die ABG zeichne aus, dass sie neben rund 40 Prozent geförderten Wohnungen „auch bezahlbare preisfreie Mietwohnungen schafft, die eine Stadt wie Frankfurt benötigt, damit jeder hier wohnen kann“.

Um die Nachfrage zu bedienen, müssen neben Maßnahmen zur Nachverdichtung neue Wohnbauflächen ausgewiesen werden, so Junker. Im April 2019 war Spatenstich am Rebstock zur Erschließung. Hier werden auf dem ursprünglich für gewerbliche Immobilien vorgesehenen Areal zwischen Leonardo-da-Vinci-Allee und der Straße Am Römerhof bis zu 1000 neue Wohnungen entstehen, von denen rund die Hälfte gefördert sind. Hauptinvestor ist neben der ABG Frankfurt Holding die LBBW Immobilien Gruppe.

Zu dem geplanten 17,2 Hektar großen Baugebiet Hilgenfeld im Norden Frankfurts, in dem die ABG rund 850 Wohnungen bauen will, zeigt Junker Verständnis dafür, dass die städtischen Ämter Zeit brauchen, um die „komplexen Fragen der Bauleitplanung“ zu klären. „Wir sind auf einem guten Weg und ich bin zuversichtlich, dass wie geplant im Jahr 2021 im Hilgenfeld mit den Baumaßnahmen begonnen werden kann“. Man habe die Zeit nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern genutzt, um ein Energiekonzept zu entwickeln. Die ABG wird im Hilgenfeld „ein klimaneutrales Quartier errichten, das in der Republik seinesgleichen sucht“, sagt Junker. „Hier zeigen wir, dass das Thema Energie bei der ABG nach wie vor ganz oben auf der Agenda steht.“ (ffm)