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Letzte Aktualisierung: 30.11.2021

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"Wie eine Idiotin im Nachthemd"

Das PatientenForum: Mit Behandlungsfehlern offen umgehen!

von Norbert Dörholt

(22.11.2021) Behandlungsfehler sollten systematisch erfasst und der Umgang damit verpflichtend in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung fachlich behandelt werden. Dies fordert die Patientenvertretung „Das PatientenForum“. Der Verein bezieht sich dabei auf den neusten Bericht des Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zu Behandlungsfehlern.

"Mangelnde Fehlerkultur von ärztlichen Behandlungsfehlern gefährdet die Patientensicherheit" sagt die Präsidentin des 11.000 Mitglieder zählenden Bundesverbands für Patienten- und Versicherteninteressen Mechhild Kern.
Foto: Pressestelle "Das PatientenForum" e.V.
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Der MDK hat 2020 dazu gut 14.000 Gutachten erstellt und in etwa einem Viertel der Fälle eine fehlerhafte Behandlung bestätigt. „Noch immer sind Patienten in einer schwierigen Beweislage, wenn sie einen Behandlungsfehler vermuten: Sie müssen den Fehler ihrem Arzt konkret nachweisen. In einer Situation, in der noch keine offenen Fehlerkultur im Umgang mit Behandlungsfehlern herrscht, ist dies eine extrem fordernde und vor allem langwierige Aufgabe, die Patienten viel Kraft kostet“, stellte die Präsidentin des PatientenForums, Mechthild Kern, fest.

Die tatsächliche Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler liegt nach Einschätzung des PatientenForums weit über den Zahlen des MDK, da der MDK längst nicht in allen Fällen um ein Gutachten gebeten wird. Ein Teil der Patienten wende sich direkt an die Schlichtungsstellen der Ärztekammer, ein weiterer Teil versuche über eine Klage zu klären, ob ein Fehler vorliegt. Angesichts des schwierigen Klärungsprozesses werde aber oft auf die Klärung eines Behandlungsfehlers verzichtet.

Bei der Feststellung von Fehlern gehe es den Patienten durchaus nicht grundsätzlich um Geld als Schadensersatz, stellte Mechthild Kern fest. „Vielfach wollen Patienten einfach Klarheit und sind sich bewusst, dass bei Behandlungen auch Fehler passieren können. Eine Patientin hat das einmal mit der Formulierung deutlich gemacht, sie wolle lediglich nicht als ‚die Idiotin im Nachthemd‘ dastehen“. Die Gutachten des Medizinischen Dienstes und auch der ärztlichen Schlichtungsstellen sollten nach Einschätzung der Patientenvertretung verpflichtend in die Aus- und Weiterbildung der Ärzte einbezogen werden, um die Aus- und Weiterbildung durch die praktischen Fälle zu verbessern, das Bewusstsein für Fehlerquellen zu schärfen und damit die Behandlungsqualität zu verbessern.

Zu den Inhalten der Prüfung meldete der medizinische Dienst der Krankenkassen: "Neun Prozent betreffen die Allgemein- und Viszeralchirurgie, ebenfalls neun Prozent die Zahnmedizin, acht Prozent die Frauenheilkunde und Geburtshilfe und sechs Prozent die Pflege, zusammen 32 Prozent. Rund 25 Prozent der Vorwürfe bezogen sich auf 29 weitere Fachgebiete. Die festgestellten Fehler betreffen die unterschiedlichsten Behandlungen. Sie reichen von Knie- und Hüftgelenksimplantationen über Zahnentfernungen bis hin zu Knochenbrüchen, Gallensteinbehandlungen oder Operationen am Grauen Star“. Der MDK stellt fest, dass diese Zahlen nicht repräsentativ seien, sondern die Begutachtungsergebnisse des Medizinischen Dienstes widerspiegelten.