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Letzte Aktualisierung: 25.01.2021

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"Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt selten so groß"

DGB will Erstatung der Sozialversicherungsbeiträge an Weiterbildung knüpfen

von Karl-Heinz Stier

(06.01.2021) Der Beginn eines Jahres war selten zuvor von solch großen Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt begleitet wie in diesem Jahr. Anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit blickt der DGB Hessen-Thüringen besorgt auf die gewachsene Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt.

„Im zurückliegenden Corona-Jahr konnte massenhafte Arbeitslosigkeit vermieden werden. Dies ist allein dem Instrument der Kurzarbeit und einer stark aufgestellten Arbeitslosenversicherung zu verdanken. Auch zu Beginn des neuen Jahres ist keine kurzfristige Entspannung in Sicht“, so der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. „Die Krise ist bisher unberechenbar. Wir hingegen hangeln uns starr von Lockdown zu Lockdown. Das sorgt für Unsicherheit. Wir brauchen eine Vorgehensweise, mit der die Pandemie nachhaltig bekämpft wird und Beschäftigung und Einkommen gesichert bleiben. Hier sind die Regelungen zur Kurzarbeit, die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes und Wirtschaftshilfen wichtige Bausteine. Auch erwerbstätige Eltern brauchen Sicherheit. Diejenigen, die arbeiten müssen brauchen eine verlässliche Notbetreuung für ihre Kinder, alle anderen einen bezahlten Freistellungsanspruch. Diese Mechanismen müssen so dynamisch sein, wie die notwendige Bekämpfung der Krise.“

Zudem müsse der Blick bereits jetzt um die langfristigen Herausforderungen geweitet werden. Um mehr Sicherheit zu schaffen, fordert der DGB Hessen-Thüringen daher von den Unternehmen eine Kraftanstrengung für Qualifizierung und innerbetriebliche Weiterbildung.

Dazu erklärte Rudolph: „Mit dem Beschäftigungssicherungsgesetz wurden attraktive Voraussetzungen zur Qualifizierung von Beschäftigten geschaffen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren von der Förderungen der Weiterbildung. Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten bekommen ihre Weiterbildungskosten zu 100 Prozent erstattet. Auch größere Betriebe erhalten großzügige Unterstützungsleistungen. Lehrgangskosten werden zudem auch weiterhin übernommen, wenn die Kurzarbeit bereits überwunden ist. Die Unter-nehmen sind gut beraten, diese Hilfen nun zügig in Anspruch zu nehmen.“

Allerdings zeigten Befragungen, dass Unternehmen trotzdem häufig zu zögerlich agierten. „Daher ist es richtig, die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge ab Mitte des Jahres an die Weiterbildungsbeteiligung zu knüpfen“, so Rudolph. Der DGB sieht allerdings auch die Bundesagentur für Arbeit und die regionalen Weiterbildungsträger in der Pflicht: „Über zwei Drittel der Betriebe (68 Prozent) haben noch nichts von den Fördermöglichkeiten gehört. Die Instrumente zur Qualifizierung müssen bekannter gemacht werden. Zudem gibt über die Hälfte der Betriebe (52 Prozent) an, dass es keine passenden Weiterbildungsangebote für sie gebe. Nur, wenn die Förderung nicht ins Leere läuft wird Arbeitslosigkeit verhindert werden. Hier bedarf es einer verstärkten Zusammenarbeit von Unternehmen, Arbeitsagenturen, den regionalen Trägern sowie Betriebs- und Personalräten. Die Weiterbildungsangebote müssen passgenau zugeschnitten werden“, so Michael Rudolph abschließend.