Archiv-Kultur

„Zuschaun kann i ….gern“

„Im weißen Rössl à trois“ mit Sabine Fischmann / Michael Quast

Ja, zuschaun und natürlich zuhören machte Freude im Opernhaus der städtischen Bühnen Frankfurt. Man kennt selbstverständlich das weiße Rössl, aber es ist auch bekannt, dass Michael Quast mit seinen „à- trois“-Aufführungen höchst vergnüglich ganz neue Akzente setzt.
Die Darsteller und „Hauptdarsteller“:  Sabine Fischmann und Michael Quast
Die Darsteller und „Hauptdarsteller“: Sabine Fischmann und Michael Quast
Foto: Stephan Floss
Szenenfoto mit Sabine Fischmann und Michael Quast
Szenenfoto mit Sabine Fischmann und Michael Quast
Foto: Stephan Floss

Rhodri Britton, in Wales geboren, studierter Altphilologe und Philosoph, aber ebenso ein exzellenter Musiker und Sänger, begleitete am Flügel Sabine Fischmann und Michael Quast, die im  Singspiel ganz anders waren als man es kennt. Am langen Tisch mimten die beiden die  Personen aus dem Stück -  auch  quer durch die Geschlechter.  Sabine Fischmann, seit 2011 Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt, war eine so entzückende, freche, stolze aber auch persiflierende Darstellerin der Rössl-Wirtin Josepha mit  viel Witz und einer Singstimme, die alle Register zog. Aber auch den Piccolo, die verliebte Ottilie, das lispelnde Klärchen und auch den Rechtsanwalt Siedler  meisterte sie mit  Augenzwinkern. Daneben Michael Quast in der dankbaren Rolle des unglücklichen Zahlkellners Leopold, dem der bekannte Komödiant ganz neue Züge verlieh. „Zuschaun kann i net ….“ jammerte der Quast-Leopold nicht, sondern war ein linkischer, trotziger, komischer Verehrer.

Und in den Parts des Fabrikanten Giesecke konnte er treffsicher „berlinern“ oder als Professor Hinzelmann hemmungslos „sächseln“

Es wurde gefiedelt, geflötet, auf dem Hackbrett geklimpert, Pauke und   Becken geschlagen und mit Kuhglocken geläutet, bis alle alpenländische Klischees bedient waren, jeder Lederhosenkitsch ausgekostet war aber auch  echte Sentimentalität von der Bühne aus die Zuschauer  erreicht hatte. Und das Publikum jubelte.

Wann hat man je „Im Salzkammergut, da kammer gut..“ vom Rednerpult aus (Quast) so gehört, als würde eine Wahlkampfrede gehalten? Oder so auftrumpfend, aufstampfend, frech und von Herzen (Fischmann) gesungen? Dass dabei einmal nicht „geschuhplattelt“, sondern aufs Hinterteil gepatscht wurde, amüsierte um so mehr.

Dass der Österreichische Kaiser als Bauchrednerpuppe nonchalant zum Radetzky-Marsch  (hervorragend Rhodri Britton am Flügel) parlierte, war wirklich eine sehr gute Idee.  Quast,  auch ohne dass er das Bauchreden beherrscht, hat mit  Stimme und allem anderen, was dazu gehört, einer solchen Puppe Leben einzuhauchen, den Kaiser  zum Schluss zum Mittelpunkt des Geschehens gemacht.

Die drei Künstler mit  ihrem „Im weißen Rössl à trois„ hatten sich die Bravo-Rufe, die Standing Ovations  und den lang anhaltenden Beifall wahrlich verdient. Vielleicht ist es ein Glücksfall für die drei Künstler, dass sie  zueinander gefunden haben. Es war ein  besonders amüsantes „Weißes Rössl“!