„Zuschaun kann i ….gern“
„Im weißen Rössl à trois“ mit Sabine Fischmann / Michael Quast
Rhodri Britton, in Wales geboren, studierter Altphilologe und Philosoph, aber ebenso ein exzellenter Musiker und Sänger, begleitete am Flügel Sabine Fischmann und Michael Quast, die im Singspiel ganz anders waren als man es kennt. Am langen Tisch mimten die beiden die Personen aus dem Stück - auch quer durch die Geschlechter. Sabine Fischmann, seit 2011 Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt, war eine so entzückende, freche, stolze aber auch persiflierende Darstellerin der Rössl-Wirtin Josepha mit viel Witz und einer Singstimme, die alle Register zog. Aber auch den Piccolo, die verliebte Ottilie, das lispelnde Klärchen und auch den Rechtsanwalt Siedler meisterte sie mit Augenzwinkern. Daneben Michael Quast in der dankbaren Rolle des unglücklichen Zahlkellners Leopold, dem der bekannte Komödiant ganz neue Züge verlieh. „Zuschaun kann i net ….“ jammerte der Quast-Leopold nicht, sondern war ein linkischer, trotziger, komischer Verehrer.
Und in den Parts des Fabrikanten Giesecke konnte er treffsicher „berlinern“ oder als Professor Hinzelmann hemmungslos „sächseln“
Es wurde gefiedelt, geflötet, auf dem Hackbrett geklimpert, Pauke und Becken geschlagen und mit Kuhglocken geläutet, bis alle alpenländische Klischees bedient waren, jeder Lederhosenkitsch ausgekostet war aber auch echte Sentimentalität von der Bühne aus die Zuschauer erreicht hatte. Und das Publikum jubelte.
Wann hat man je „Im Salzkammergut, da kammer gut..“ vom Rednerpult aus (Quast) so gehört, als würde eine Wahlkampfrede gehalten? Oder so auftrumpfend, aufstampfend, frech und von Herzen (Fischmann) gesungen? Dass dabei einmal nicht „geschuhplattelt“, sondern aufs Hinterteil gepatscht wurde, amüsierte um so mehr.
Dass der Österreichische Kaiser als Bauchrednerpuppe nonchalant zum Radetzky-Marsch (hervorragend Rhodri Britton am Flügel) parlierte, war wirklich eine sehr gute Idee. Quast, auch ohne dass er das Bauchreden beherrscht, hat mit Stimme und allem anderen, was dazu gehört, einer solchen Puppe Leben einzuhauchen, den Kaiser zum Schluss zum Mittelpunkt des Geschehens gemacht.
Die drei Künstler mit ihrem „Im weißen Rössl à trois„ hatten sich die Bravo-Rufe, die Standing Ovations und den lang anhaltenden Beifall wahrlich verdient. Vielleicht ist es ein Glücksfall für die drei Künstler, dass sie zueinander gefunden haben. Es war ein besonders amüsantes „Weißes Rössl“!
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