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Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

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„WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Literaturpreis 2024“ an Frank Witzel verliehen

von Ilse Romahn

(24.06.2024) Der Autor Frank Witzel erhielt den mit 35.000 Euro dotierten „Wortmeldungen Ulrike Crespo Literaturpreis für kritische Kurztexte 2024“ der Frankfurter Crespo Foundation. Er wurde für seinen Essay „Die Möglichkeit einer Micky Maus“ ausgezeichnet, in dem er sich mit Verlust und Abschied als Grundbedingung unserer Existenz beschäftigt. Die Preisverleihung fand in den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt vor 150 Gästen statt.

Frank Witzel
Foto: Jessica Schäfer
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Im Rahmen der Preisverleihung las Frank Witzel aus seinem kunstvollen Essay, in dem er den ›unwillkürlichen Abschied‹ als Phänomen beschreibt, das unser individuelles und gesellschaftliches Leben begleitet. Er reflektiert über unseren persönlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Abschied und Trauer, und über die elementare Bedeutung von Schreiben und künstlerischer Arbeit als Möglichkeit der Sichtbarmachung und Bewältigung.

In seiner Laudatio würdigte der Literaturkritiker und Wortmeldungen-Juror Paul Jandl den großartigen Essay von Frank Witzel: „Liest man Frank Witzels Essay, merkt man, wie heftig das Dasein durch Abschiede geprägt ist. Dieser Text ist deshalb so aktuell, weil er dem pompösen politischen Wort von der »Zeitenwende« eine Psychologie zu unterlegen versucht. Weil er nachforscht, woher ein Grundgefühl unseres frühen 21. Jahrhunderts kommt. Der Essay spannt seine Beobachtungen zwischen den großen globalen Katastrophen und feinsten privaten Erfahrungen auf. Er lotet das Sensorium unterschiedlichster Arten von Kunst aus, wenn es darum geht, das Wesen des Abschieds zu erfassen. Nicht zuletzt versucht Frank Witzels Essay auch selbst Instrumente auszubilden, die ihrem Gegenstand gerecht werden. Es ist ein Forschen und Zögern, dass dem Genre des Essays ganz genuin eigen ist, aus dem Witzel aber wieder etwas ganz Eigenes macht.“ Nach der Laudatio überreichten die anwesenden Juroren Hanna Engelmeier, Silke Hohmann, Paul Jandl, Steffen Mau und Philipp Theisohn sowie die Vorständin der Crespo Foundation Christiane Riedel den „Wortmeldungen Ulrike Crespo Literaturpreis“ an Frank Witzel.

Anschließend sprach der Autor mit dem Komponisten Bernhard Lang und der Literaturwissenschaftlerin Ethel Matala de Mazza über die Bedeutung des Abschieds in Kunst und Gesellschaft. Die Pianistin Magdalena Cerezo und die Sopranistin Johanna Vargas (Duo LAB51) performten Auszüge aus dem Stück »The Cold Trip, part II« von Bernhard Lang. Kulturjournalistin Cécile Schortmann führte durch den Abend.

Der Essay „Die Möglichkeit einer Micky Maus“ ist als Band 5 der Wortmeldungen-Reihe im Verbrecher Verlag erschienen. https://www.verbrecherverlag.de/shop/die-moeglichkeit-einer-micky-maus/