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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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„Wär`n mer nur dehaam geblibbe“

Ulrike Neradt & Friends erzählen von ihren Reisebegegnungen

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(13.07.2020) „Luft und Liebe“ - kulturelle Grundversorgung auf der Parkterrasse am Bürgerhaus Dreieich- Sprendlingen - hatte eingeladen, und die Sitzgelegenheiten im Grünen waren voll besetzt, soweit es die Corona-Maßnahmen zuließen.

Bildergalerie
Neradt & Friends auf der Parkterrassen -Bühne am Bürgerhaus Sprendlingen
Foto: Karl-Heinz Stier
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Ulrike Neradt beim Singen
Foto: Karl-Heinz Stier
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Alle beim Schlussapplaus des Publikums
Foto: Karl-Heinz Stier
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Ein froh gestimmtes Publikum erwartete die Chansonette und Autorin aus Martinsthal, Ulrike Neradt, die aus ihrem Buch „Wär`n mer nur dehaam geblibbe“ in Rheingauer Mundart plauderte. Unterstützt wurde sie von dem Sänger Michael Senzig, der begleitet vom Pianisten Jürgen Steck, passende Lieder beisteuerte. 

Ulrike Neradt begrüßte zunächst ihr Publikum mit einem aktuell nützlichen Tipp zur Maskenpflicht. Zwei kleine zusätzliche Knoten, selbst an der einfachsten Maske, lassen tatsächlich mehr Luft zum Atmen. Rundum wurde das sofort ausprobiert und mit Applaus belohnt. 

In  ihrem vortrefflichen Rheingauer Dialekt resümierte die ehemalige Deutsche Weinkönigin über Urlaubserfahrungen, Reisen und lustige Begebenheiten, die es ohne Zweifel wert sind, erzählt zu werden. 

Ihr erster Campingurlaub, der über den Brenner nach Italien führte, war in ihrer Kindheit ein kleines Abenteuer. Und die kleine Schwester hat schon kurz nach Darmstadt gefragt: „Sin mer bald da, Babba?“ Dass beim Campen  dann „Aamuzzele“ im Zelt krabbelten, war nicht sehr angenehm. Verständlich, denn „Aamuzzele“ ist Rheingauerisch und heißt Ameisen. Senzig sang dazu das Sehnsuchtslied der 50-er Jahre „Wenn bei Capri die rote Sonne.. mit dem Refrain „Bella, bella Marie“. Ach ja, bella Italia! 

Weiter ging die Plauderei mit der Geschichte von der Oma, die am Lago Maggiore einen Kampf mit einer Wespe ausfochte und nur knapp dem „Ersauf-Tod“ entkommen ist. 

Selbst nach Südostasien konnte Ulrike Neradt in ihrem Jahr als Weinkönigin auf Einladung des damaligen OB von Mainz, Jockel Fuchs, reisen, um Werbung für den Deutschen Wein in knallrotem Dirndl mit Krönchen auf den blonden Locken zu machen. Die spannende Reise führte auch nach Tokio, wo sich ein japanischer Kinderchor an dem deutschen Lied „Sah ein Knab ein „L“röslein stehn…“ versuchte und nach Bangkok, wo die junge Ulrike aus Versehen in einem Thai-Massage-Puff landete. 

In späteren Jahren machte sie mit ihrem Ehemann auch einen Besuch in New York und war sprachlos. Ein Steak kostete schon damals über 80 Dollar, ganz zu schweigen vom Eintritt zu der Oper Tosca in der Met oder der Übernachtung im Hotel Waldorf Astoria für 500 Dollar. Es war eine teure Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Passend dazu sang dann der Tenor Frank Sinatras „New York, New York“. 

Amüsant war auch, als Ulrike Neradt von ihrer Reise in die Toscana, mit ihrer verschwundenen Handtasche vorlas und ihre sehr unberechtigte Vorurteile gegenüber „diebischen“ Italienern eingestand. 

Eingeladen ins Schmidt-Theater auf der Reeperbahn war Ulrike, um Chansons zum Besten zu geben, was sie als große Chance sah. Vergnüglich war deshalb zu erfahren, was sie auf der Reeperbahn mit einer zerrissenen Strumpfhose erlebte und warum zwei Kondome in ihrer Handtasche landeten. 

Weil man nicht nur daheim in Martinsthal bleibt, sondern auch einmal die Kerwe in  Rauenthal besucht, amüsierte die Geschichte von den Kerweborsche Herbert, Kall und Schorsch. Beinahe hätten die Besucher beim „Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder…“ mit geschunkelt. 

Weil weitgereiste und kulturbeflissene Menschen auch unbedingt einmal bei den Festspielen in Bregenz sein sollten, endete der bezaubernde Abend mit einer Anekdote von dort. Auf der Seebühne wurde „Turandot“ aufgeführt. Michael Senzig versuchte sich dann an „Nessun dorma“. Damit war er allerdings überfordert. 

Herzlicher, lang anhaltender  Beifall belohnte aber nach Ende der Vorstellung Ulrike Neradt,  den Sänger und den Pianisten. Der Sommerabend am Bürgerhaus Sprendlingen hatte sich gelohnt.