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Letzte Aktualisierung: 02.04.2020

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„Unn wenn de Deibel uff Stelze kimmt“

Jetzt, Herz, geh uff! - Freiheit for Mundart e.V.

von Karl-Heinz Stier und Ingeborg Fischer

(25.02.2020) Einheimische und „Eigeplackte“, die ein Feuerwerk des sogenannten „neuhessischen Regiolekts“ oder auch „Fernseh-Hessisch“ erwartet haben, wurden enttäuscht. Damit hat Michael Quast in der Lokalposse von Rainer Dachselt „nix am Hut“.

Michael Quast (rechts) zügelt seine Tochter (Lucie Mackert, links), die mit Vereinstransparenten Straßenkreuzungen besetzen will, um dem Dialekt Vorfahrt zu gewähren.
Foto: Wolfgang Runkel
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Das Ensemble der Volksbühne im Großen Hirschgraben musste Texte von Balser Breimund, Carl Malss, Maximilian Leopold Langenschwarz, Friedrich und Adolf Stoltze, Wolfgang Deichsel und Kurt Sigel rezitieren. Und nicht alle der Autoren sagten dem geneigten Publikum etwas, geschweige denn die Mundart. 

Aber um was geht es?
Eine bunte Truppe von „Babbelschnuude unn Schobbepetzer“ hat sich zusammengefunden, um die Frankfurter Mundart zu retten. Dafür wollen sie einen Verein mit dem Namen „KozEFraMu“gründen (Konzentration zur Erhaltung der Frankfurter Mundart) und der Cantate-Saal wurde ihnen zur Verfügung gestellt. Besonders radikal gebärdet sich die Tochter des Vorsitzenden, die schon allerlei Aktionen gestartet hat (Lucie Mackert). Sie will Straßenkreuzungen besetzen, um „dem Dialekt endlich wieder Vorfahrt zu gewähren“.

Man will auch unbedingt eine Resolution verfassen „Freiheit for Mundart“, und nichts ist den Mundartverteidigern zu wunderlich, um es zu rezitieren. Da wird selbst Balser Breimunds „Laustspeul“ vorgetragen, das sich eher wie Wetterauer Dialekt anhört, aber ein Sachsenhäuser Lokalstück von 1821 ist, und niemand versteht überhaupt ein Wort, weder die Menschen im Publikum, die sich dem „Frankforterisch“ annähern wollten, noch die Einheimischen. Es wird gesungen, was das Zeug hält - manchmal klingt es sehr melodisch - und sich zwischendurch beschimpfen sich die Dialekt-Helden und Heldinnen: Labbeduddel, Steuweaas, Dormel unn Abeee-Mück oder auch Babbelaaasch! Das „Oos“ wird mit „Luder“ übersetzt! Nix werd ausgelasse!

Weil der Brandschutz gewährleistet sein muss, wird ein fülliger Feuerwehrmann (Alexander J. Beck) zu den Mundartrettern einverleibt, der nicht mittun will, aber stets eingesetzt und gebraucht wird. Immer wieder ein netter „running Gag“. Friedrich Stoltzes Bratwurst wird imaginär verspeist, schließlich erfreut sie das nichtvegane Herz - wie betont wird - und „macht mit den Fingern gegesse alle Menschen gleich“. Quast heult überzeugend als Hund je nach Temperament, lautmalerisch fliegen Kanonenkugeln und treffen auf.

Bei Fraa Mayerns Vortrag zur „Schlacht bei Hanau“ sind die letzten Ereignisse zu nah, um sich über den Text  amüsieren zu können. 

Mitgetan auf der Bühne haben weiter Dominic Betz, Pirkko Cremer, Philipp Hunscha, Ulrike Kinbach, Katerina Zemankowa und natürlich Michael Quast als professionaler Jurist. 

Es war oft ein wenig zu hektisch, zu schrill, und deshalb auch nicht immer gut verständlich, zumal das Verstehen schon durch die ausgegrabenen Texte schwierig war. „E bissi wenischer Iwwerschwall“ wäre gut gewesen. 

Der Besuch für Mundartfreunde war anstrengend, zum Lachen blieb wenig Zeit, weil man zu sehr aufpassen musste. Dennoch, der Abend hat sich gelohnt. Die Akteure spielten hinreißend! 

Etwas Neues konnten wir zudem mitnehmen: Über einen Betrunkenen sagt man in Frankfurt „des Aas hat en Aff“ und jetzt wissen wir „Mer möcht aus de Haut fahrn, wenn mer net so fest drin stecke deht“. 

Zu sehen ist des Lokalposse - Gebabbel „Jetzt, Herz geh uff!“ noch am 29. Februar und am 1. und 15.März  Volksbühne im Großen Hirschgraben Frankfurt  

www.volksbuehne.net