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Letzte Aktualisierung: 19.10.2020

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„Smart und mutig“

Pressekonferenz der Skyliners vor dem Start in den MagentaSport BBL Pokal

von Norbert Dörholt

(16.10.2020) Bevor die Frankfurter Bundesliga-Basketballer Fraport Skyliners am Sonntag, den 18. Oktober, gegen die BG Göttingen in den MagentaSport BBL Pokal starten (Sprungball: 15 Uhr), standen Geschäftsführender Gesellschafter Gunnar Wöbke, Headcoach Sebastian Gleim sowie die beiden Teamkapitäne Quantez Robertson und Marco Völler bei einer Pressekonferenz für Fragen bereit.

Foto: Fraport Skyliners
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Gunnar Wöbke zur Frage…

…was man in Frankfurt aus der Corona-Krise und dem Finalturnier 2020 gelernt hat.

„Dass wir mutig sind und zusammenstehen. Das hat mich für die Frankfurter Basketballfamilie nicht wirklich überrascht, aber auch in der gesamten Liga war das so. Wir haben schnell, mit viel Sachverstand und gleichzeitig sehr viel Feingefühl auf die ungewohnte Situation reagiert und alle mitgenommen. Wir haben großen Mut bewiesen, sind weitere Risiken eingegangen und haben allen Widrigkeiten zum Trotz ein tolles Finalturnier in München auf die Beine gestellt. Wir haben wieder einmal gelernt, dass wir uns auf unsere Basketball-Familie hier in Frankfurt hundertprozentig verlassen können. Denn nicht nur, dass wir großartige Unterstützung beim Thema Multifunktionsarena erfahren. Gerade auch in Sachen ´Basketball macht Schule´ trotzen wir allen Corona-Widerständen und haben mit unseren Partnern und Freunden sichergestellt, auch in den nächsten beiden Jahren wieder über einhundert wöchentliche Schul-AGs laufen lassen zu können. Für all diese Dinge bin ich persönlich und sind wir als Club extrem dankbar! Mit diesem Wissen können wir mit Vorsicht und Selbstvertrauen zugleich in die Zukunft blicken. Die BBL ist stark – Frankfurt ist stark und geht volles Herz voraus.“

…was die organisatorischen, sportlichen und wirtschaftlichen Ziele des Clubs sind.

„Das geht im Grunde Hand in Hand. Wir wollen unsere jungen Spieler ausbilden und entwickeln. Wir wollen Basketball spielen, mit dem sich unsere Fans identifizieren können. Und wir wollen, wann immer möglich, die Playoffs erreichen. Darüber hinaus denke ich, dass die größten Probleme für Deutschland und Europa erst noch kommen. In vielen Ländern Europas scheinen die Regierungen stark angeschlagen und wirken handlungsunfähig, der Pandemie erfolgreich entgegenzutreten. Es fehlt in vielen Ländern an Geschlossenheit. Das Auslaufen des KUGs, die bevorstehenden Änderungen beim Insolvenzrecht und die Frage, wem wir als Exportnation demnächst noch etwas verkaufen wollen, lassen mich auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland nichts Gutes erwarten. Deswegen müssen wir leider mit einer ziemlich hohen Sicherheit davon ausgehen, dass die nächsten beiden Spielzeiten gegebenenfalls noch deutlich herausfordernder als die letzte Saison sein werden. Unser oberstes Ziel ist es, dass wir die aufgebauten Strukturen erhalten können und keine Mitarbeiter entlassen müssen. Wir schauen nach den Chancen, die sich durch die Krise ergeben und versuchen gestärkt daraus hervor zu gehen. Stichworte sind ´Ausbau Leistungszentrum und Trainingskapazitäten für die Jugend´ und ´Multifunktionsarena´.“

…wie er auf die kommende Saison und den MagentaSport BBL Pokal blickt.

„Mit sehr viel Spannung und vor allem Vorfreude. Wir haben eine junge, ehrgeizige Mannschaft zusammen, die in meinen Augen viele überraschen kann. Ich freue mich, dass wir mit Quantez Robertson weiterhin das Aushängeschild des Clubs und eines der gesamten Liga dabeihaben. Besonders gespannt bin ich auf die Entwicklung unserer Youngsters um Len Schoormann, Bruno Vrcic, Maxi Begue und Jordan Samare. Sie haben beim Finalturnier schon auf sich aufmerksam gemacht, in der Saisonvorbereitung gute Leistungen gezeigt. Mit Sebastian Gleim haben wir zudem den jüngsten Trainer der gesamten Liga. Er ist ein akribischer Arbeiter und brennt mit seiner Mannschaft auf den Start in die Saison. Ich bin mir sicher, dass wir wieder tollen Basketball in der Fraport-Arena sehen werden. Hoffentlich vor unseren Fans in der Halle! Insgesamt wird es aufgrund der vielen Corona-bedingten Unwägbarkeiten eine extrem herausfordernde Saison. Ob sie sportlich fair und qualitativ hochwertig sein wird, werden die nächsten acht Monate zeigen. Beim Pokal ist es ein wenig anders. Das komprimierte Format ist sehr interessant und dazu für mich eine sehr smarte Entscheidung von der Liga gewesen. Es wurden durch das neue, vorgezogene und komprimierte Format Voraussetzungen geschaffen, dass der Wettbewerb eine hohe Wahrscheinlichkeit und gleiche Chancen auf einen sportlich hochwertigen, fairen Wettbewerb für alle bietet; hoffentlich ohne Reiseprobleme oder Spielverschiebungen, wie in den europäischen Wettbewerben oder den anderen Ligen momentan überall zu verfolgen ist. Smart und mutig haben wir so wieder eine Chance aus der Krise gemacht und uns die Möglichkeit für den Blick nach vorne gegeben. Auch die Attraktivität in den Medien lässt sich durch diesen neuen Fokus auf die easyCredit BBL wieder erhöhen.“

…wie sicher Heimspiele in der Fraport Arena sein werden.

„Es ist leider nicht unwahrscheinlich, dass wir bis Jahresende gar keine Zuschauer in der Fraport-Arena begrüßen werden können, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut. Wir sind in diesem Punkt abhängig von der Politik und der Entwicklung der Virusausbreitung. Wenn wir aber vor Fans Spiele in der Fraport-Arena ausführen können werden, dann steht jetzt schon fest, dass der Besuch unserer Spiele deutlich sicherer sein wird als exemplarisch das tägliche Einkaufen im Supermarkt.“

Sebastian Gleim, Headcoach der Fraport Skyliners, auf die Frage…

…welche Attribute er den Fraport Skyliners in der kommenden Saison zuschreiben würde?

„Grundsätzlich geht es erst mal nicht darum, welche Attribute für das Team gelten, sondern wie wir uns als Fraport Skyliners definieren. Wie schon in der Vergangenheit sind wir ein kämpferisches Team, das auf dem Parkett immer alles geben wird. Wir haben junge Spieler im Kader, die langfristig aufgebaut werden. Eine Generation, die sich mit uns als Club weiterentwickeln soll. Wir setzen also ganz bewusst auf junge Spieler. Wie jedes Jahr sind wir dazu auch auf der Suche nach externen Spielern gewesen, die den nächsten Schritt machen wollen. Im Vordergrund stehen also unsere kämpferische Einstellung und das Thema Weiterentwicklung.“

… wie er das Team spielen lassen will.

„Die Grundidee bleibt bestehen: Wir wollen defensivstark sein und aus unserer Verteidigung heraus kreieren. Wir wollen uns aber vor allem im Bereich Pick and Roll verbessern. Wir haben dieses Jahr fünf Spieler, die das können und den Ball nach vorne bringen werden. Das sind drei mehr als letztes Jahr. Wir sind dadurch wesentlich variabler, was im heutigen Basketball extrem wichtig ist. Spieler müssen zudem mit Ball, aber auch ohne Ball agieren können. In diesen Bereichen wollen wir eine Idee weiterentwickeln. Dieses Jahr ist dafür der erste Schritt, auf dem wir dann immer weiter aufbauen wollen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, auf den Guard-Positionen eine hohe Qualität haben zu wollen. Die fehlende Größe kompensieren wir dann dadurch, dass wir größer spielen als wir sind. Also wird ein Tez immer wieder mal auf der Vier spielen. Wir werden alle zusammen beim Rebound arbeiten und ausboxen müssen. Und schlussendlich wollen wir die Dinge nutzen, die wir haben: gutes Spacing, viel Druck am Ball und abseits des Balls, Passwege zustellen.“

…welche Lehren er aus seinem ersten Jahr als easyCredit BBL Headcoach ziehen und umsetzen konnte?

„Ich habe so viel gelernt wie in etwas fünf Jahren zusammen. Einfach dadurch, dass jedes Spiel in der easyCredit BBL so einen hohen Wert hat. Zum Beispiel die Vorbereitung auf die Spiele. Nicht nur taktisch, sondern auch mental, individuell und als Team gehört hierzu. Dazu ist die Belastungssteuerung hochsensibel. Letzte Saison hatten wir einen sehr komplizierten Spielplan und ich nehme an, dass diese Saison ebenfalls sehr kompliziert wird. Vorbereitung auf die Spiele, der Wert eines Spiels, die Führung von Individuen und dem Team als Ganzes sowie die Belastungssteuerung sind Bereiche, in denen ich mich um gefühlt fünf Jahre weiterentwickelt habe. Die Zusammenstellung des Teams indes ging ein wenig leichter, da wir ja sehr viel länger Zeit hatten, uns darauf vorzubereiten den Kader zu formen.“

…was die Ziele für die Saison sind.

„Das erste Ziel ist, dass alle gesund und fit sind. Nach seiner Verletzung steigt Kamari Murphy seit 15. Oktober ins Training ein. Damit sind elf von zwölf Kernspielern gesund. Das ist eine große Ausnahme, denn in allen Sportarten haben Teams mit zahlreichen Verletzungen aufgrund der langen Pause zu kämpfen. Für uns ist das aber ein wichtiger Schritt, eine sehr gute Grundlage und ein großes Lob an den gesamten Staff, die alle Spieler, teilweise deutlich vor dem eigentlichen Plan, wieder fit bekommen haben. Richard Freudenberg ist der einzige Verletzte momentan. Er steigt aber jetzt auch wieder in die Reha ein. Dann gilt es, die jungen Spieler weiter zu entwickeln und die Spieler weiter zu bringen, die mit dieser Erwartungshaltung zu uns gekommen sind. Das ist der Grundanspruch. Daraus resultiert dann, dass wir täglich Prozesse vorantreiben, den Spielstil erweitern und verbessern wollen. Im Pokal haben wir eine Gruppe, die viele Chancen ermöglicht. Wir wollen alle Gruppengegner schlagen und die 50-50 Spiele für uns entscheiden. Wir gehen selbstbewusst in das Turnier und wollen sehr gerne über das TOP FOUR reden. Die Chancen sind da, wir wollen sie nutzen. Über den Pokal wollen wir uns dann auch für die Liga etablieren und dann eine gute Rolle spielen.“

Quantez Robertson, Kapitän der Fraport Skyliners, auf die Frage…

…was sein Eindruck der Mannschaft und der Saisonvorbereitung ist.

„Ich glaube, dass wir eine große Stärke darin haben werden, das Feld breit zu machen. Fastbreaks sollten wir auch gut spielen können, da wir sehr viele athletische Jungs im Team haben. Ich freue mich vor allem über die Entwicklung der jungen Spieler, die sich sehr gut machen und im Training gut mitziehen. Wir Veteranen unterstützen sie dabei, wo wir nur können. Ich denke, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.“

…wie er an den MagentaSport BBL Pokal herangeht.

„Wir wollen den Pokal genauso angehen wie jedes andere Spiel auch. Von Ballbesitz zu Ballbesitz denken und uns jeden Tag weiter darauf vorbereiten. Wir wollen mit Energie rauskommen, hart spielen und unseren Plan für das Spiel gut ausführen.“

Marco Völler, Kapitän der Fraport Skyliners, auf die Frage…

…was sein Eindruck vom Team ist.

„Ich habe einen sehr guten Eindruck von der Mannschaft. Die Art, wie wir trainieren, wie alle voll mitziehen, stimmt mich sehr positiv. Auch für unsere Vorbereitungsspiele gilt, dass wir ´the right way´ gespielt haben. Leider hatten wir ein wenig Pech mit Verletzungen im Laufe der Preseason, ich denke da an Konsti, Mike oder jetzt natürlich vor allem auch Richard. Aber dennoch haben wir einen sehr guten Weg gefunden, zueinander zu finden. Was wir aber auch gelernt haben: Wir müssen über die vollen 40 Minuten konzentriert spielen und dürfen uns nie ausruhen. Insgesamt stimme ich Quantez aber zu: Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

…wie er seine Kapitänsrolle sieht.

„Es kommen schon immer wieder Jungs zu mir und fragen mich, wie man bestimmte Situationen in unserem System löst oder korrekt läuft. Da helfe nicht nur ich, sondern alle zusammen, jederzeit aus. Daneben ist die Kommunikation mit dem Trainerteam natürlich um ein Vielfaches höher.“