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Letzte Aktualisierung: 05.05.2021

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„Satire darf alles – aber ihr darf auch widersprochen werden“

Ministerin Dorn erneuert Kritik an „#allesdichtmachen“

von Ilse Romahn

(30.04.2021) „Satire darf alles – aber ihr darf auch widersprochen werden“: Mit diesen Worten hat Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn im Plenum des hessischen Landtages ihre Kritik an der Aktion #allesdichtmachen erneuert.

In dieser Aktion mit ursprünglich 50 meist sarkastischen und oft provozierenden Videos hatten Schauspielerinnen und Schauspieler sowie ein Regisseur den Umgang der Bundesregierung und auch der Medien mit der Corona-Pandemie kritisiert.

„Über die Angemessenheit der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gibt es zu Recht eine breite Debatte. In der Aktion #allesdichtmachen suggerieren in meiner Wahrnehmung besonders einzelne Videos, aber auch die Zusammenschau insgesamt ein Bild des ,Wir gegen die‘, also ,wir Eingeschränkte‘ gegen ,die, die uns einschränken‘. Diesen Gegensatz finde ich falsch“, erklärte Kunstministerin Dorn. „Insbesondere erscheint dieses ,Die‘ durch die Inszenierung der Videos als eine Einheit aus Politik, Wissenschaft und Medien. Es entsteht der Eindruck, dass innerhalb dieser Ebenen und vor allem zwischen diesen Ebenen keine Diskussion oder gar Kritik geschieht. Das ist nachweislich falsch. In unsere Demokratie finden die Debatten ja quer durch alle Gruppen der Gesellschaft statt. Dieser Diskurs des ,Wir‘ gegen ,Die‘ ist, gerade wenn er aus der politischen Mitte heraus geschieht, hoch gefährlich. Gerade weil es rechte Kräfte sind, die diesen Mythos der Gleichschaltung verbreiten, darf ein solches Bild nicht unwidersprochen bleiben.“

„Meinungsfreiheit trägt immanent die Freiheit des Widerspruchs in sich. Das gilt für Politikerinnen und Politiker in einer Demokratie genauso wie für Künstlerinnen und Künstler. Die Grenze wird überschritten und die Meinungsfreiheit gefährdet, wenn wegen einer vermeintlich unliebsamen Meinung handfeste berufliche Konsequenzen zu fürchten sind. Impulse von einzelnen, in Rundfunkräte Konsequenzen oder gar Entlassungen zu fordern, sind daher aus meiner Sicht ebenso grundfalsch wie persönliche Angriffe auf einzelne Beteiligte. Das gilt prinzipiell und hier noch einmal besonders, denn inwiefern für alle Beteiligte klar war, in welchem Zusammenhang ihre Videos gesehen werden und welche Gefühle sie damit verletzen, das ist fraglich. Einige haben sich von der Aktion ja schon distanziert und ihre Videos gelöscht.“

„Ich meine: In der Pandemie ist es immer wieder wichtig, um die Sache zu streiten. Diese Pandemie betrifft uns alle. Statt ,Wir gegen Die‘ sollten wir deshalb auch immer wieder das gemeinsame ,Wir‘ in den Mittelpunkt rücken. Im Sinne unserer gemeinsamen Ziele und Werte, aber eben auch in einem Diskurs oder im besten Sinne in einem produktiven Konflikt um die richtigen Wege, diese zu erfüllen. Denn dann gelingt der Fortschritt.“