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Letzte Aktualisierung: 24.01.2020

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„Qanga“ - Die Geschichte Grönlands als Graphic Novel

Sonderausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

von Karina Iwe

(06.01.2020) Die Ausstellung ist bis zum 19. April 2020 im Refektorium des Karmeliterklosters (Archäologisches Museum Frankfurt) zu sehen

Grönland
Foto: Archäologisches Museum Frankfurt
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„Qanga“ präsentiert die Geschichte Grönlands als Graphic Novel. Bildgewaltige Erzählungen des grönländischen Zeichners und Künstlers Konrad Nuka Godtfredsen und der Autorin Lisbeth Valgreen veranschaulichen die Ankunft der ersten Menschen in Grönland, die vor 4500 Jahren aus dem heutigen Kanada einwanderten, über die spätere Fängerkultur bis zu den Jahren des Zusammenlebens mit den ersten Missionaren und Kolonisten. Historische Alltags- und Kultgegenstände aus dem Weltkulturen Museum Frankfurt ergänzen die Ausstellung. Themenvertiefend verdeutlicht die Poster-Ausstellung „Our Arctic Future“ die Zukunft dieses Lebensraumes – in Zeiten des Klimawandels. 

Wer erzählt die Geschichte eines Volkes ohne eigene Geschichtsschreibung, zumal die einer früheren Kolonie? Der grönländische Zeichner und Künstler Nuka Godtfredsen wagt sich an genau dieses Experiment in einer einmaligen Zusammenarbeit mit ArchäologInnen des Dänischen Nationalmuseums.

Entstanden ist eine vielschichtige Graphic Novel, die auf Grundlage aktueller archäologischer Funde historisches Wissen vermittelt. Es geht aber auch darum, Fakten neu aufzubereiten und damit letztendlich Identitätsfragen anzugehen. Kann sich aus dieser Geschichte auch Selbstbewusstsein für das heutige Grönland wachsen? 

Auch Nicht-Grönländern, deren Vorstellungen durch eher statische und vage Bilder von Menschen in Iglus geprägt sind, wird konkretes Wissen geboten.

Das Graphic Novel-Projekt entstand zwischen 2006 und 2018 und liefert lebendige Einblicke in die grönländische Geschichte: von der Zeit der ersten Menschen, die vor 4500 Jahren aus dem heutigen Kanada einwanderten, über die spätere fanger-Kultur bis zu den Jahren des Zusammenlebens mit den ersten Missionaren und Kolonisten. Lebensnah, dramatisch, bunt: Es sind mitreißende Erzählungen, die die LeserInnen auf die Reise der Shamanin Ukaliatsiaq, auf Jagd mit dem Fänger Nanu oder ins Leben des Inuitjungen Qajuuttaq mitnehmen. 

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Originaldrucken des vierbändigen Werkes und umfangreiches Bildmaterial, das Grundlage für die Arbeit des Zeichners bildete. Auf großformatigen Karten können die BetrachterInnen die Wege der fiktionalen Hauptpersonen verfolgen und sich anhand von historischen sowie thematischen Tafeln in Themen wie Animismus und religiöse Rituale, Handelsbeziehungen oder Jagdtraditionen vertiefen.

Historische Alltags- und Kultgegenstände aus Grönland verdeutlichen das stark von der Umwelt geprägte Leben der Menschen noch bis vor einigen Jahrzehnten. Die Jagd mit Harpunen, funktionale Kleidung aus Fell und das enge Zusammenleben mit Hunden sind zentrale Punkte der Menschen im arktischen Lebensraum und werden mit originalen Objekten aus dem Weltkulturen Museum Frankfurt veranschaulicht. 

Grönland ist heute Teil der sogenannten Reichsgemeinschaft aus Dänemark, Grönland und den Färöer Inseln. Sowohl Grönland als auch die Färöer besitzen mittlerweile weitreichende Autonomie. Über die Jahre konnte ein Prozess der Identitätsfindung beobachtet werden, der sich auch in einem großen Interesse an der eigenen Geschichte niederschlägt. Das vielfach gelobte und preisgekrönte Graphic-Novel-Projekt Qanga-Oqaluttuat kann als Teil dieser Entwicklung gesehen werden und trägt zudem zu einem besseren Verständnis vom heutigen Grönland bei. 

Schmelzendes Inlandeis, schwindende Gletscher, unendliche Eiswüsten und einsame Eisbären – das sind die Bilder der Arktis, die wir kennen. Wer aber lebt dort? Welche Hoffnungen hegen die Menschen angesichts der tiefgreifenden Veränderungen der Umwelt? 

Die ergänzende Poster-Ausstellung OUR ARCTIC FUTURE widmet sich verschiedenen Aspekten, die zu einem differenzierten Verständnis eines komplexen Themas führen: Gesellschaft, Klimawandel, Rohstoffe, Energie – aber auch Bemühungen der internationalen Zusammenarbeit, gemeinsame und nachhaltige Lösungen zu finden. In Porträts und Interviews kommen StudentInnen, DesignerInnen, AutorInnen, MusikerInnen und ForscherInnen aus Grönland und von den Färöern zu Wort. Sie alle eint das große Engagement für diesen Teil der Erde, der über unser aller Zukunft mitentscheidet.

Öffentliche Führungen sind sonntags um 14:00 Uhr. Das Begleitprogramm hält weiterhin Filmführungen und Vorträge bereit.

Eine Ausstellung des Archäologischen Museums Frankfurt in Kooperation mit der Königlich Dänischen Botschaft Berlin.