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Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

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„Plakative Gender-Politik hilft nicht weiter!“

Frankfurts CDU-Vorsitzender Jan Schneider kritisiert Grüne

von Norbert Dörholt

(16.11.2020) „Mit Befremden“ hat der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider auf den jüngsten Vorstoß der beiden grünen Dezernenten Rosemarie Heilig und Stefan Majer zu einer „geschlechtergerechten Sprache“ in der Stadtverwaltung reagiert. „Mit diesem unabgestimmten Vorpreschen haben die beiden geschätzten Kollegen ihrem Anliegen keinen Gefallen getan, und dies in gleich mehrfacher Weise“, sagte er.

Zunächst müsse allen Beteiligten, allen voran dem Personaldezernenten Majer, klar sein, dass die Stadtverwaltung in der aktuellen Corona-Pandemie in allen Bereichen bis an die Belastungsgrenze gefordert sei. Sie habe schlicht und ergreifend dringendere Aufgaben zu erledigen als Formulare, Vordrucke und Internetseiten mit Gendersternchen oder Schräg- und Unterstrichen zu spicken. Die Gesundheits- und Ordnungsverwaltung arbeite am Anschlag. Die Kommunal- und KAV-Wahl seien vorzubereiten und es müsse hart dafür gearbeitet werden, dass Schulen, Kitas und andere öffentliche Einrichtungen unter guten hygienischen Bedingungen geöffnet bleiben könnten.

Schneider: „Dass all das aktuell noch funktioniert ist vor allem dem Einsatz der Beschäftigten der Stadtverwaltung zu verdanken. Hierfür gilt allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unser größter Dank. Am wenigsten können die städtischen Bediensteten jetzt noch zusätzliche Belastungen in Form einer letztlich neuen Dienstsprache gebrauchen.“ So gut die „Tipps und Argumente“ von Frau Heilig und Herrn Majer auch gemeint sein mögen, jetzt sei dafür der falsche Zeitpunkt. Und letztlich drohe diese nicht mit den anderen Magistratsmitgliedern abgestimmte Handreichung für mehr Verwirrung zu sorgen als dass hierdurch sprachliche Klarheit geschaffen werde. „Bei aller Sympathie und Wertschätzung für die Kollegin und den Kollegen: Aber gut gemeint, nicht gleich gut gemacht“, sagte Schneider.

„Offenbar wurde hier nur an die eigene Wählerklientel gedacht und nicht einmal im Ansatz versucht, alle anderen Parteien mit ins Boot zu holen. So kann man Menschen mit wenig Verständnis für dieses wichtige Thema oder auch anderer Auffassung auch nicht überzeugen!“, betonte der CDU-Vorsitzende. Er verwies zudem darauf, dass neben der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ auch viele andere Gruppen und Institutionen die apodiktische Umstellung der Sprache sehr kritisch sähen, da es keine zwingenden ethisch-moralischen oder sprachwissenschaftlichen Gründe gebe.

„Die Einführung einer gendergerechten Sprache ist ein politisches Projekt, das viele berechtigte Ansätze hinsichtlich der Gleichbehandlung aller Menschen verfolgt. Darüber hinaus werden aber in manchen Ausformungen der Sprachtransformation auch gesellschaftspolitische Ziele verfolgt, die es kritisch zu prüfen gilt. Manche Protagonisten der Sprachumstellung wollen explizit den überwunden geglaubten Klassenkampf selbst in die Sprache hineintragen und dies kann man nicht einfach stehen lassen“, betonte Schneider. „Vergessen werden darf auch nicht, dass die nun vorgeschlagenen Schreibweisen die Leserlichkeit keinesfalls erhöhen und dem Ziel der einfachen, von allen Bürgern verstandenen Sprache zuwiderläuft. Insbesondere Menschen mit schlechten Sprachkenntnissen werden dadurch benachteiligt.“

Wer die behutsamen Diskussionen hierzu an den Universitäten verfolgt habe wisse zudem, dass in der Gendertheorie eben nicht schon alles klar und eindeutig sei. Daher mute der rigorose Ansatz der Sprachumstellung, der aktuell vielerorts unternommen werde, manchmal schon undemokratisch an. Insbesondere in der aktuell angespannten Lage sollte man solche unnötigen Vorstöße unterlassen, wenn man wirklich für Gerechtigkeit sorgen wolle und eben keine bloß plakative Klientelpolitik betreibe.