„Miss Moppel – 16.50 Uhr nach Offenbach“
Wenn Frankfurter Grüne Soße auf englischen Krimi trifft
Foto: Edda Rössler
Wetten, dass die englische Krimi-Lady Agatha Christie nicht im Traum daran dachte, dass ihr 49. Krimi „16.50 Uhr ab Paddington Station“ an die siebzig Jahre nach Erscheinen wahrhaft theatrallalaeske Triumphe feiern würde. Perfekte Vorlage schafft das pointenreiche Drehbuch des Autoren und Kabarettisten Timo Becker, der die gruselige Mordserie aus der englischen Provinz ins gar nicht geruhsame Oberrad transferiert, der Heimat der Frankfurter Grüne Soße. Dabei erfahren wir en passant, dass sich die berühmten sieben Kräuter auch als Leichen-Dekoration empfehlen. Immer wieder bereitet ein Serienkiller Ungemach, der ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Etikette killt. Egal, ob Edelhure oder den allseits beliebten Frankfurter Oberbürgermeister, da wird gmeuchelt, was es das Zeug hält.
Eine kleine Sensation
Der originelle Comedy-Thriller entpuppt sich als kleine Sensation. Was wohl vor allem Verdienst des großartigen Thomas Bäppler-Wolf ist, der eine brillante Version einer hessischen Miss Marple abfeiert. Da wird grimassiert, gestikuliert, das Gesicht verzogen und eine ganze Trickkiste an facettenreicher Mimik geliefert. Diese Miss Moppel wirkt hinterlistig, naiv, spöttisch, herrlich herablassend (so gut wie Bäppi kann das niemand) und bleibt dennoch immer ganz Miss Moppel. In vielen verschiedenen Rollen erfrischen mit flotten Auftritten Mathias Münch, Thomas Koob und Eva Völl.
Margaret Rutherford hätte es gefallen
Erfreulich auch die Referenz an die alten Miss Marple-Filme aus den 60er Jahren. Ach, hätte das doch Margaret Rutherford, die britische Miss Marple-Inkarnation, miterlebt! Unvergessen sind die Filme, in denen sie zusammen mit ihrem Ehemann Stringer Davis den Mörder listenreich enttarnt. Selbst die von Gabriel Groh komponierte Erkennungsmelodie ist liebevoll an die der berühmten Miss Marple-Filme angelehnt.
Comedy, Pointen, Lokalkolorit sorgen für einen ebenso amüsanten wie spannenden Abend.
Achtung! Bäppis Theatrallala geizt leider mit den Aufführungen. „Miss Moppel steht bedauerlicherweise nur noch bis Ende September auf dem Spielplan.
Karten und weitere Informationen unter www.theatrallalla.de
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