Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 05.05.2021

Werbung
Werbung

„Kinder sind keine Infektionstreiber!“

Frauen Union Frankfurt fordert mehr Ideen und Initiativen für Kinder

von Norbert Dörholt

(30.04.2021) Kinder sind in der Regel keine Treiber von Corona-Infektionen. Dies unterstrich Privatdozent Dr. Lothar Schrod, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Höchst auf einer Online-Veranstaltung der Frankfurter Frauen Union am 27. April 2021 zum Thema ‚Kinder in der Pandemie‘. Dr. Schrod und die Psychologin Selina Hirsch, Mitarbeiterin der Kinderschutzgruppe am Klinikum Höchst, berichteten von ihren vielfältigen Erfahrungen aus der Praxis und was wir alle daraus lernen sollten.

Die Vorsitzende der Frauen-Union Frankfurt, Sara Steinhardt, freute sich über das große Interesse am Thema und unterstrich, dass beide Experten wichtige Fakten vorweisen konnten: So berichteten Kinderärzte, es seien im letzten Winter erheblich weniger Kinder wegen üblicher Infekte wie Grippe in Behandlung gewesen. Dafür seien jedoch mehr soziale und psychische Probleme aufgetreten.

Kinder seien zwar hochgradig anpassungsfähig, so Dr. Schrod, aber die lange Dauer der Einschränkungen führe verstärkt zu Somatisierungsstörungen, Bewegungsstörungen, dissoziativen Störungen, Ängsten, depressiven Verstimmungen sowie auch Suizidversuchen. Gefährdet seien vor allem die jungen Menschen, denen zuhause wenig bis gar keine Tagesstruktur geboten wird. Der Bewegungsmangel führe oft zum Rückzug undemotionalem Essen wie dem vermehrten Verzehr von Süßigkeiten.

„Daher sollte auf Schulschließungen so weit wie möglich verzichtet werden. Außerdem sollten sich Kinder und Jugendliche in der Schule und in Vereinen wieder normal sportlich betätigen dürfen. DiesenForderungen schließt sich die Frauen Union an“, sagt Sara Steinhardt. Selina Hirsch ergänzte, u.a. bei hyperaktiven Kindern schaffe der Sport eine deutliche Entlastung. Weil Familientreffpunkte und Beratungsstellen geschlossen seien oder nur eingeschränkt online als Videoberatung tätig sein könnten, bemühten sich die Kliniken nach Kräften, Hilfe suchende Kinder und Eltern aufzufangen. Denn gerade viele Eltern würden durch diese Veränderungen zusätzlich verunsichert. Da helfe es oft schon, einfache Tipps für zuhause zu geben. Es gebe viele kleine Übungen, die sich als sehr wirkungsvoll erwiesen haben. Selina Hirsch forderte, statt auf Verbote und rigides Einhalten von Regeln mehr auf kreative Lösungen zu setzen.

Die anschließende, engagierte Diskussion mit den fast 60 Teilnehmern der Online-Veranstaltung gipfelte in den folgenden Forderungen:

1. Tipps und Hilfestellungen, wie Familien besser mit der Pandemie umgehen können, sollten verstärkt über die Medien verbreitet werden.

2. Eine breit angelegte Öffentlichkeitskampagne ist vonnöten, um Hilfe- und Beratungsangebote für Familien bekannt zu machen.

3. Öffnung der Schulen

4. Öffnung der Sportvereine

5. Mehr Lobbyismus für Kinder, denn sie sind unsere Zukunft.

„Kinder und Jugendliche haben keine große Lobby, deswegen müssen wir ihre Interessen und Nöte vertreten und vorbringen. Die Frauen-Union dankt den beiden Referenten für Sara die Erkenntnisse und wird die Forderungen in die CDU auf Stadt-, Landes- und Bundesebene tragen“, resümierte Sara Steinhardt abschließend.