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Letzte Aktualisierung: 19.04.2024

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„I.M POSSIBLE – Alles ist erlaubt!“

Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

von Ilse Romahn

(28.07.2023) Seit Mitte der 1970er Jahre entwickeln europäische und japanische Designer Mode, die mit klassischen Vorstellungen von schöner Gestaltung bricht und Gesetze der Modeindustrie unterläuft.

Ausstellungsansicht
Foto: Henning Rogge
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Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) präsentiert in der Ausstellung „I.M POSSIBLE – Alles ist erlaubt!“ (bis 6. Juli 2025) rund 20 Exponate von international bekannten Designern wie Vivienne Westwood, Martin Margiela und Iris van Herpen, deren rebellischen Entwürfe die Mode dekonstruieren und vielfältige Möglichkeiten der Selbstdarstellung durch Kleidung eröffnen. Die Ausstellung wird während der Laufzeit regelmäßig durch wechselnde Arbeiten junger Modedesigner bereichert.

Mit „I.M POSSIBLE“ präsentiert Bisrat Negassi ihre erste Ausstellung als neue Leiterin der Sammlung Mode und Textil am MK&G. Neben der Diversifizierung des Sammlungsbereichs sieht sie auch das Thema Nachhaltigkeit als eine ihrer Hauptaufgaben: „Mode ist nicht nur ein Stück Stoff oder Trend, sie ist die tägliche Geschichtsschreibung unseres Daseins. Sie bietet Schutz und Kraft, sie verleiht Identität und bedeutet für jeden noch so viel mehr. Die Direktheit der Mode, die Seelen berührt, Menschen bestärkt und Gesellschaften verändert, die interessiert mich“.

Die Vorreiterinnen/Vorreiter
In der Mode beschreibt die Bezeichnung „Dekonstruktivismus“ keinen klar umrissenen Stil, sondern eine rebellische Entwurfshaltung, die mit Punk beginnt. Die britische Modedesignerin Vivienne Westwood (1941–2022) setzt mit ihrem Outfit für die legendäre Punkband „Sex Pistols“ 1976 erste Zeichen einer dekonstruierten Mode: Mit aufgenähten Reißverschlüssen, Sicherheitsnadeln, zerrissener Second-Hand-Ware und als spießbürgerlich verachteten Stoffe – wie beispielsweise dem Schottenkaro – prägt sie das Erscheinungsbild einer Generation, die sich als radikal antikonform versteht.

Wenige Jahre später schockieren die japanischen Designer Rei Kawakubo (* 1942) und Yohji Yamamoto (* 1943) die Pariser Modewelt mit schwarzen Kollektionen aus gewickelten Stoffen und Militärzitaten, mit denen sie sich dem androgynen Schlankheitsideal widersetzen. Kawakubo, Gründerin des Modelabels „Comme des Garçons“, nennt ihre Pariser Show 1982 programmatisch „Destroy“.

In der aufstrebenden Modeszene Antwerpens Mitte der 1980er Jahre sind es Martin Margiela (* 1957), Walter Van Beirendonck (* 1957) und Ann Demeulemeester (* 1959), die aus diesen Vorbildern neue Impulse gewinnen. Während Margielas frühe Collagen aus wild zusammengenähten Stoffresten dem Punk verpflichtet sind und Van Beirendoncks pop-folkloristische Buntheit ein Spiel mit dem schlechten Geschmack ist, entwickelt Demeulemeester die japanische Tradition schwarzer Hüllen fort, die nichts mehr über die Körperform verraten.

Next Generation
Mit Phantasiekostümen der niederländischen Designerin Iris van Herpen (* 1984), Marina Hoermanseder (* 1986) und Flora Mirandas (* 1990) Neuvermessung des Körpers durch Kleidung tritt eine neue Generation auf, die Dekonstruktion wieder mit Eleganz verbindet.

Modewelle X
Welchen Einfluss hat der Geist des Dekonstruktivismus auf kommende Generationen? Alle sechs Monate werden junge Modedesignerinnen und Designer eingeladen, Teil der Ausstellung zu werden und so ihre zeitgenössischen Interpretationen vorzustellen.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg   www.mkg-hamburg.de