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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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„Hier bin ich – Meidner“

Eröffnung der Kabinettausstellung am 8. Mai im Jüdischen Museum

von Ilse Romahn

(04.05.2022) Seit seiner Neueröffnung im Oktober 2020 präsentiert das Jüdische Museum in seiner neuen Dauerausstellung immer wieder aufs Neue verschiedene Werke des Schriftstellers und Künstlers Ludwig Meidner. Der eigens dafür vorgesehene Raum „Kunst und Exil“ befindet sich in der dritten Etage des Rothschild-Palais, die sich der jüdischen Geschichte Frankfurts von der Emanzipation bis zur Gegenwart widmet.

Ab Sonntag, 8. Mai, ist hier eine neue Kabinettausstellung mit Zeichnungen und Gemälde aus dem Privatbesitz der Schwestern Cornelia-Kathrin von Plottnitz und Monika Thimm zu sehen.

Als der Kunsthistoriker Ernst Scheyer in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung „Synagoga“ 1964 dazu anhob, Ludwig Meidner für verschollen zu erklären, ertönte es aus dem Publikum: „Hier bin ich – Meidner“. Mit diesem Zwischenruf meldete sich der Künstler selbst zu Wort und forderte die deutsche Öffentlichkeit auf, ihn zur Kenntnis zu nehmen. Unmittelbar vor und nach Ende des Ersten Weltkriegs zählte Meidner zu den berühmtesten expressionistischen Malern. Seine Werke wurden später von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert.

Er selbst flüchtete ins Exil nach London und kehrte 1953 in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Nach der Remigration fertigte er eine Vielzahl an psychologisch eindringlichen Porträts an. Auch die Schwestern von Plottnitz und Thimm lernten den Künstler in Marxheim persönlich kennen und ließen sich im Atelier des Bohemiens zeichnen. Ihre Porträts sind Bestandteil der Kabinettpräsentation, deren Fokus auf Werken liegt, die das innere Erleben des Künstlers unter Verwendung sich wandelnder Stilmittel auf dem Papier dokumentieren. Ein Großteil der Papierarbeiten wird während der Laufzeit einmal ausgewechselt. Zunächst sind Zeichnungen aus den 1920er Jahren und im Anschluss Arbeiten aus dem Exil in London zu sehen.

Die Kabinettausstellung „Hier bin ich – Meidner” wurde von Laura Schilling und Asta von Mandelsloh kuratiert und wird am Sonntag, 8. Mai, um 11 Uhr in Anwesenheit von Cornelia-Kathrin von Plottnitz und Monika Thimm von der Direktorin des Museums, Prof. Mirjam Wenzel, im Jüdischen Museum am Bertha-Pappenheim-Platz 1 eröffnet.

Die Ausstellung ist bis zum 1. Januar 2023 zu sehen. Ende 2022 erscheint das Werkverzeichnis der Gemälde Meidners im Gebrüder Mann Verlag, das der Ausstellungsleiter des Jüdischen Museums und Sammlungskurator des Ludwig Meidner Archivs, Erik Riedel, in Kooperation mit der Ludwig Meidner Gesellschaft und mit Unterstützung der Stiftung Citoyen erarbeitet hat. (ffm)