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Letzte Aktualisierung: 04.06.2020

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„Eine Gesamtlösung wäre besser!“

Beim Weltkulturen Museum droht Stückwerk

von Norbert Dörholt

(19.05.2020) Die CDU-Fraktion im Frankfurter Römer begrüßt, dass es nach langem Stillstand endlich wieder mit dem Museum der Weltkulturen weitergeht. „Allerdings scheint das Wann und das Wie noch recht vage zu sein. Ein Bauvorbescheid ist noch lange keine Baugenehmigung, und ob in der derzeitigen Wirtschaftslage ein 195 Meter Hochhaus mit fast 95.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche realisiert wird, ist mehr als fraglich“, erklärt der kulturpolitische Sprecher Dr. Thomas Dürbeck.

Er bezog sich dabei auf die Pläne, eine Museumsdependance im historischen Altbau des Hochhausprojekts „Neue Mainzer Straße“ zu verwirklichen. Die CDU-Fraktion werde diesen Vorschlag natürlich prüfen, erwarte dazu aber aussagefähige Unterlagen und Angaben. „Im Übrigen würden wir für das Museum der Weltkulturen eine moderne und ganzheitliche Lösung vorziehen. Ein auf 900 Quadratmeter und 15 Jahre beschränktes Museum im 4. Obergeschoss des historischen Altbaus in diesem Hochhausprojekt wäre kaum sichtbar und müsste absehbar ein Nischendasein fristen“, fürchtet Dürbeck. Die Dependance des Museums für Moderne Kunst im TOWER könne mit fast 1.700 Quadratmetern fast auf der doppelten Fläche ausstellen.

Zurzeit verfüge das ethnologische Museum allein in den drei Liegenschaften am Schaumainkai über etwa 3.800 Quadratmeter, wobei angemietete Lagerflächen von noch einmal rund 3.300 Quadratmetern hinzukämen. „Vor diesem Hintergrund hätte die Kulturdezernentin besser eine Gesamtlösung vorgeschlagen“, kritisiert der Stadtverordnete. Wenn es nach der CDU ginge, dann wäre das Weltkulturen Museum viel besser am Willy-Brandt-Platz untergebracht, und zwar an einem einzigen Standort. „Genug Platz wäre dort, und zwar für das ganze Museum, das wir dort wollen, wenn uns die Koalitionspartner folgen und einen Komplettneubau von Oper und Schauspiel an einer anderen Stelle befürworten“.

Die plötzliche Aktivität der SPD-Dezernenten beim Weltkulturen Museum lässt Dürbeck zufolge ein Ablenkungsmanöver vermuten. Schon vor einem Jahr hätte eine Bau- und Finanzierungvorlage für das im Koalitionsvertrag vereinbarte Kinder- und Jugendtheater fertig sein können. „Auch vermissen wir tatkräftige Hilfe der Kulturdezernentin für das English Theatre, das eine neue Spielstätte benötigt, wenn 2022 der Mietvertrag ausläuft. Und dieses Theater gehört mit Fug und Recht ins Bankenviertel“, so Dürbeck. Der Kulturpolitiker fände es bedauerlich, wenn das Museum der Weltkulturen für einzelne Magistratsmitglieder dazu herhalten müsste, sich für die anstehenden Kommunalwahlen zu profilieren, weil bei anderen Koalitionsprojekten getrödelt worden sei.