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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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„Displaced: Jüdische Erfahrungen in der europäischen Nachkriegszeit“

Performative Lesung und digitale Konferenz vom 16.-18. Januar 2022

von Ilse Romahn

(12.01.2022) Zum Abschluss der Ausstellung „Unser Mut: Juden in Europa 1945-48“ veranstaltet das Jüdische Museum in Kooperation mit der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland eine internationale Konferenz, die mit einer performativen Lesung in der Alten Oper beginnt und im digitalen Raum fortgesetzt wird.

Das dreitägige Programm verbindet künstlerische Darbietungen mit wissenschaftlichen Beiträgen, Gespräche mit Zeitzeugen und deren Nachkommen mit einer digitalen Ausstellungsbesichtigung. Es widmet sich den jüdischen Erfahrungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs und reflektiert deren Nachwirkungen in der Gegenwart. Eine besondere Rolle spielt dabei die Frage nach der Erinnerung an diesen Zeitraum.

Die Jahre 1945-48 waren für viele Menschen in Europa von Gewalt, Hunger, Flucht und Vertreibung gekennzeichnet. Dies galt im besonderen Maße für die jüdischen Überlebenden der Schoa, die aus den Konzentrationslagern, Verstecken und Fluchtorten an ihre vormaligen Wohnorte zurückkehrten. Hier mussten sie häufig erfahren, dass von ihrem Leben aus der Vorkriegszeit nichts zurückgeblieben war. Die meisten Überlebenden organisierten daher ihre Weiterreise, deren Ziel sehr häufig das britische Mandatsgebiet Palästina und später der Staat Israel war. Andere bauten neue Netzwerke und Gemeinden auf und dokumentierten die nationalsozialistischen Verbrechen, deren Zeuge sie geworden waren. Die Ahndung dieser Verbrechen wurde zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines internationalen Völkerrechtsverständnisses, das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der UN-Völkerrechtskonvention zum Ausdruck kommt.

Die Genese des Völkerrechts steht im Zentrum der performativen Lesung „East West Street: A Song of Good and Evil“, mit der die Konferenz am Sonntag,  16. Januar, um 19:30 Uhr in der Alten Oper eröffnet wird. Im Zentrum des Abends steht das mehrfach preisgekrönte Buch „Rückkehr nach Lemberg“ des renommierten Völkerrechtlers und Vorsitzenden des englischen PEN-Clubs, Prof. Philippe Sands. Gemeinsam mit der bekannten Schauspielerin Katja Riemann geht er auf die Geschichte seines Großvaters und der beiden jüdischen Juristen aus Lemberg, Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, ein und schlägt einen Bogen zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess.

Die Lesung wird von einem Konzert mit Stücken von Bach, Beethoven, Rachmaninow und Leonard Cohen begleitet, das die Sopranistin Natalie Dessay, der berühmte Bassbariton Laurent Naouri und der Jazzpianist Guillaume de Chassy darbieten.

Digitale Konferenz „Displaced“
Die digitale Konferenz „Displaced“ beginnt am darauffolgenden Morgen um 10 Uhr mit einem Gespräch von Claudia Sautter mit Prof. Philippe Sands, an das sich eine dialogische Führung mit Erik Riedel und Dr. Werner Hanak durch die Ausstellung „Unser Mut“ anschließt. Es folgen Vorträge über Formen jüdischer Selbstorganisation in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Holocaust-Erinnerung in Polen sowie verschwundene Denkmäler von Dr. Kamil Kijek, Prof. Barbara Stambolis, Prof. Dariusz Stola und Dr. Kata Bohus. Den Abschluss des Tages bildet eine von Prof. Mirjam Wenzel moderierte Lesung von Minka Pradelski aus ihrem Buch „Es wird wieder Tag“.

Leben nach dem Überleben
Eva Szepesi, Überlebende der Schoa, und Dr. Kata Bohus eröffnen den letzten Konferenztag mit einem Gespräch über das Leben nach dem Überleben. Ein von Sabena Donath moderiertes Podiumsgespräch mit Nathalie Friedlender, Yuval Rozenberg, Sharon Ryba-Kahn und David Weiner über das Fortwirken von traumatischen Erfahrungen und neuen Generationsperspektiven schließt sich an. Den Abschluss der Konferenz bildet ein Vortrag von Dr. Elisabeth Gallas über den Kampf der Überlebenden um Gerechtigkeit sowie ein Gespräch von Prof. Doron Kiesel mit Prof. Atina Grossmann über transnationale Migration und postkoloniale Entwicklungen in der Nachkriegszeit.

Die Konferenz findet im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt und wird weitgehend im Livestream auf dem YouTube-Kanal des Jüdischen Museums übertragen; bei einzelnen Programmteilen ist ein Login auf Zoom erforderlich.

Weitere Informationen zum Programm sind auf der Website des Jüdischen Museums zu finden unter: https://www.juedischesmuseum.de/de/besuch/ausstellungen/detail/konferenz-displaced/

Um Anmeldung zur Konferenz wird gebeten unter: http://displaced.zentralratdejuden.de/.

Der Auftaktabend in der Alten Oper findet entsprechend der aktuellen Auflagen zur Eindämmung des Pandemiegeschehens unter 2G PLUS-Bedingungen statt. Karten sind im Vorverkauf ab 21 € über die Website der Alten Oper zu erwerben: East West Street: A Song of Good & Evil (alteoper.de)