„Achtsam mit den Orten der Erinnerung umgehen“
Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle regelmäßig von Vandalismus betroffen
Die Stätte erinnert mit 26 Zitaten von Zeitzeuginnen und -zeugen an die Massendeportationen von über zehntausend Jüdinnen und Juden aus Frankfurt in die nationalsozialistischen Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager in den Jahren 1941 bis 1945.
Die Beschädigungen passieren ausschließlich in dem öffentlich zugänglichen Teil. Sie bestehen im Unkenntlichmachen der Zitate mit Graffiti, verschütteten Ölen und Farben. Immer wieder werden vor Ort aber auch Aufkleber mit antisemitischen Sprüchen und geschichtsrevisionistische Symbole platziert. Alle mutwilligen Zerstörungen und Verunglimpfungen werden bei der zuständigen Polizei angezeigt und anschließend wieder beseitigt. Es ist dem unermüdlichen Engagement des Jüdischen Museums und des städtischen Kulturamtes zu verdanken, dass die Erinnerungsstätte den Besucherinnen und Besuchern sowie Spaziergängerinnen und Spaziergängern gepflegt erscheint. Besonders in den Sommermonaten muss die eigens beauftragte Reinigungsfirma regelmäßig Graffitis entfernen, um der Anlage wieder zum würdigen Ansehen zu verhelfen.
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig nimmt den jüngsten Vorfall zum Anlass, um auf die Bedeutung dieses für Frankfurt besonderen Ortes hinzuweisen: „Die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle ist ein geschichtsträchtiger Ort, dem wir, die Nachkommen, mit Demut und Respekt begegnen sollten. Ich rufe zu mehr Achtsamkeit und Verantwortung im Umgang mit Orten des Gedenkens und der Erinnerung auf“.
Erst kürzlich im Frühjahr 2022 wurde die Erinnerungsstätte Großmarkthalle unter den Schutz der Gefahrenabwehrverordnung gestellt. Seitdem sind der Verzehr alkoholischer Getränke, das Singen und Musizieren sowie die Nutzung akustischer Geräte wie Musik- und Lautsprecheranlagen auf dem Areal verboten und werden als Ordnungswidrigkeiten mit Geldstrafen geahndet. Damit reagierte die Stadt Frankfurt auf die Tanzveranstaltungen auf dem öffentlichen Teil der Erinnerungsstätte.
Die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle wurde von der Stadt Frankfurt zusammen mit der EZB in Jahr 2015 eröffnet. Das Jüdische Museum veranstaltet regelmäßig öffentliche Führungen, in deren Rahmen auch der nichtöffentliche Teil auf dem Areal der Europäischen Zentralbank besucht werden kann. (ffm)
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