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Letzte Aktualisierung: 23.08.2019

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Zum Tod von Werner Söllner

von Ilse Romahn

(23.07.2019) Werner Söllner ist am Freitag, 19. Juli, im Alter von 67 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Das teilte das Hessische Literaturforum im Mousonturm mit, das Söllner von 2002 bis 2010 leitete.

Kulturdezernentin Ina Hartwig würdigt den in im rumänischen Horia geborenen Dichter als engagierten Literaturvermittler und bedeutenden Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartslyrik und spricht seinen Angehörigen im Namen der Stadt Frankfurt ihre tief empfundene Anteilnahme aus: „Der plötzliche Tod von Werner Söllner hat mich tief getroffen. In den vielen Jahren als Leiter und Mitarbeiter des Hessischen Literaturforums hat er sich um die Literatur in dieser Stadt außerordentlich verdient gemacht. Der Dichter Werner Söllner war ein formbewusster Stilist, dessen oft dunklen, melancholische Gedichte von einer anhaltenden Auseinandersetzung mit der lyrischen Tradition, insbesondere mit dem Werk Paul Celans zeugen. Trost spendet nun die Gewissheit, dass Bände wie ‚Kopfland. Passagen’ und ‚Der Schlaf des Trommlers’ die Zeit überdauern werden.“

Werner Söllner studierte Physik, Germanistik und Anglistik in Cluj, wo er in Kontakt mit Literaturzirkeln um Peter Motzan und Franz Hodjak kam. 1975 debütierte er mit dem Gedichtband „Wetterberichte“. Söllner arbeitete als Deutsch- und Englischlehrer und war Lektor in einem Bukarester Verlag für deutschsprachige Kinderliteratur. 1982 emigrierte er in die Bundesrepublik Deutschland und veröffentlichte unter anderem die Gedichtbände „Es ist nicht alles in Ordnung, aber ok“, „Kopfland. Passagen“ und „Der Schlaf des Trommlers“. Viel Anerkennung erfuhren auch seine Übersetzungen des rumänischen Schriftstellers Mircea Dinescu.

1993 hielt Werner Söllner zusammen mit Klaus Hensel, Franz Hodjak und Richard Wagner die Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Er wurde unter anderem mit dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises und dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichnet. Von 2002 bis 2010 leitete er das Hessische Literaturforum im Mousontum, dem er anschließend bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2017 als Mitarbeiter erhalten blieb. Seit Mitte der 90er Jahren hat Werner Söllner nur noch vereinzelt Gedichte veröffentlicht. Erst 2015 erschien mit „Knochenmusik“ im Frankfurter Verlag Edition Faust wieder ein Gedichtband. (ffm)