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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019

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Weniger Gehege, mehr Freiheit für Tiere

Planungen für den Frankfurter Zoo 2030

von Karl-Heinz Stier

(25.09.2019) Frankfurts Zoo erhält in den nächsten 15 Jahren ein neues Gesicht. Etwa die Hälfte des elf Hektar großen Geländes soll umgestaltet werden.

Bildergalerie
Kulturdezernentin Hartwig und Zoodirektor Casares stellen die ZOOKUNFT2030+ vor.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Im Süd-West-Areal: Afrika mit Wasserstellen und Savanne
Foto: Karl-Heinz Stier
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Im Nord-Ost-Areal: Amazonien als neotropische Region
Foto: Karl-Heinz Stier
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„Die veralteten Gebäude wie etwa das Flusspferd- und Nashornhaus mit ihren fast 150 Jahren alten Anlagen oder ähnliche Gehege sind nicht mehr zeitgemäß und werden weder den Bedürfnissen der uns anvertrauten Tiere noch denen unserer Besucherinnen und Besucher gerecht“, so Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, die in ihrem Amtsbereich auch für den Zoo zuständig ist.

Abhilfe soll eine Konzeptstudie unter dem Titel ZOOKUNFT2030+ schaffen, die Dezernentin Hartwig zusammen mit Zoodirektor Miguel Casares vorgestellt hat. Sie ist das Ergebnis einer mehrere Monate dauernde gemeinsamen Arbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Frankfurter Zoos, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und  den Zooplanern von The Logical Zoo.

Die Studie sieht  eine vollständige Umgestaltung vor. Auf einer Fläche von rund fünf Hektar sollen zwei Areale entstehen, das Nord-Ost sowie Süd-West-Areal, wo sich die meisten der älteren Tieranlagen befinden. „Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Gehege neu zu bauen oder die Besucherwege neu zu gestalten, sondern zu erklären,  warum ein Zoo in unserer bedrohten Welt wichtig ist“, betonte Frau Hartwig.

Das Motto der Srtudie sei – so erklärt Zoodirektor Casares - „Tiere erleben – Natur bewahren“. „Wir wollen die Faszination Wildtier nachvollziehbar machen. Die Besucher sollen eintauchen in die Welt der Tiere und nach ein paar Stunden aus dem Zoo gehen, etwas Wertvolles kennengelernt zu haben“. Im Süd-West-Areal Afrika werden die Dickhäuter zum Beispiel einen größeren Freiheitspielraum wie bisher haben, die Besucher können die Tiere in ihren Bewegungen auf dem Land erleben oder  „wie das Flusspferd unter Wasser tanzt“. Elefanten soll es aber nicht geben. „Wir halten nur die Tiere, die wir exzellent halten können“, meint der Zoodirektor. „Angesichts der begrenzten Fläche in der Innenstadt ist die Haltung von Elefanten nicht möglich“. Und die Kulturdezernentin ergänzt: „Ein Umzug des Zoos in die Peripherie kommt nicht in Frage“.

Das Süd-West-Areal mit seinen drei Hektar umfasst außerdem eine  10 200 Quadratmeter große Halle sowie im Außenbereich einen Kongo- und einen Savannen-Teil, in dem auch Okapis, Zebras, Giraffen genug Platz finden. In der Halle sollen naturalistische Gehege in eine Themenlandschaft eingebettet werden.

Im Nord-Ost-Areal – mit dem Themenschwerpunkt  Südamerika und Europa (ca.2 Hektar) als neotropische Region -  ist ebenfalls eine kleinere  6 725 Quadratmeter große klimatisierte Amazonas-Halle vorgesehen. Sie soll die kühleren und nebligen Bergwälder sowie des wärmeren, feuchten Tieflandregenwalds, einschließlich des dazu gehörenden Regens, nachbilden.

In der Konzeptstudie sind zwei Restaurants vorgeschlagen und ein Kiosk im Bereich der Zooterrassen. Die Zooschule soll im Gesellschaftshaus bleiben.

Hartwig und Casares sehen die Zukunft des Zoos auch als eine Einrichtung, die biologische Vielfalt zu erhalten. Arten- und Naturschutz seien seine wichtigste Aufgabe. „Der 160 Jahre alte Frankfurter Zoo mit seinen jährlich 900 000 Besuchern gehört in die Stadt. Er hat nicht nur die Funktion als grüne Lunge, sondern ist auch ein Stück Erholungswert für die Bevölkerung“, stellte Dezernentin Hartwig mit Nachdruck fest.

Die weitere Zooentwicklung ist in drei Phasen eingeteilt und auf die nächsten 15 Jahre ausgelegt. In der Phase 1 von 2019 – 2022 sollen die bereits begonnenen oder geplanten Projekte fertig gestellt werden – so zum Beispiel der Umbau der Löwenanlage.

In den Umbauphasen 2 und 3 (2023-2032) kommen die Vorstellungen der Konzeptstudie zum Zuge. „Was nun rasch folgen muss ist die Entwicklung eines Masterplanes, in dem auch die genauen Zeitpläne für die Umsetzung der Vorschläge sowie die genauen Kosten seriös ermittelt werden“, versicherten Hartwig und Casares. Casares meinte, dass das Kostenvolumen wahrscheinlich das des zweiten Zooentwicklungsplanes überschreiten werde. Damals schlugen 30 Millionen Euro zu Buche.