Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 17.05.2019

Weltkulturen Museum erinnert an 100. Todestag des Gründungsdirektors Bernhard Hagen

von Ilse Romahn

(29.04.2019) Am Sonntag, 3. Mai, jährt sich der 100. Todestag von Bernhard Hagen, dem Gründungsdirektor des heutigen Weltkulturen Museums.

Bildergalerie
Museumsgründer und Direktor Dr. Bernhard Hagen (vorne links) mit seinen Angestellten. Vorne rechts Margot Benary-Isbert, hinten links Dr. Ernst Vatter, Kustos Indonesien-Sammlung, hinten links Dr. Ernst Lehmann, kommissarische Direktor nach Hagens Tod.
Foto: Weltkulturen Museum
***
Das heutige Weltkulturen Museum am Schaumainkai 29 bis 37 mit aktueller Ausstellung „Grey is the new Pink“.
Foto: Wolfgang Günzel
***

Am 22. Oktober 1904 wird das „Städtische Völkermuseum“ in Frankfurt im Gebäude Münzgasse 1 eröffnet durch Museumsgründer und erstem Museumsdirektor Hofrat Dr. med. Bernhard Hagen. Er wird das Haus bis zu seinem Tod 1919 leiten. Wegen seiner schnell anwachsenden Sammlungen – 1904 umfasst sie 4.000 Objekten, 1908 sind es bereits 16.000 - erhält das Museum bereits nach genau vier Jahren ein neues Domizil.

Am 22. Oktober 1908 wird das Städtische Völkermuseum in den weitläufigen Räumen des Palais Thurn und Taxis, Große Eschersheimer Straße 26, wiedereröffnet. Hier werden die Ethnographika in einer permanenten Schau- und Studiensammlung sowie in einigen kleineren Sonderausstellungen präsentiert.

Doch was treibt Bernhard Hagen an, der selbst nicht einmal Völkerkundler ist? Wie viele Gründer deutscher Völkerkundemuseen ist er Arzt. Nach dem Medizinstudium tritt er in den Dienst einer Plantagengesellschaft und arbeitet fast zwanzig Jahre lang auf Sumatra (Indonesien) und Neuguinea bevor er das Museum gründet. Hagen sieht im „Völkermuseum“, wie man es damals nennt, „ein unentbehrliches Volksbildungsmittel“.

„Sein Wirken“, so die kommissarische Direktorin des heutigen Weltkulturen Museums am Schaumainkai 29 bis 37, Dr. Eva Raabe „ist durchaus nicht unumstritten“. Mit seiner Grundidee, durch sorgfältiges Studium der „primitiven“ Völker die Entwicklungsgeschichte der Menschheit ableiten zu können, ist er sicher Kind seiner Zeit. Aus heutiger ethnologischer Sicht ist dieses Weltbild nicht haltbar. Als Anhänger der Physischen Anthropologie vermisst Hagen die ihm als Arzt anvertrauten Plantagenarbeiter und Einheimischen auf seinen späteren Südsee-Expeditionen. Er legt sogenannte „Anthrometrische Datenblätter“ an und dokumentiert seine „Forschungsobjekte“ fotografisch. Diese Fotos übergeben Hagens Erben dem Bildarchiv des Museums in den 1980er Jahren. Aus gutem Grund werden sie erst 2014 in der Ausstellung „Ware & Wissen“ kritisch präsentiert. „Diese Art von Fotografie“, so die Ethnologin Raabe im Katalog zur Ausstellung „zeigt den Überlegenheitsanspruch der Europäer gegenüber anderen Völkern. Er ist typisch für eine bestimmte Phase in der Ethnografie, in der man nach Beweisen für Evolutionstheorien suchte“.

Als Museumsgründer und Direktor liegt Hagens Verdienst weniger im wissenschaftlichen Bereich, sondern im Aufbau der Sammlung, in die auch Teile seiner Privatsammlung fließt, sowie im Vernetzen.

Seine damalige Sekretärin Margot Benary-Isbert, die Anfang der 1950er Jahre nach Amerika auswandert und dort Schriftstellerin wird, beschreibt in ihrem Buch „Mädchen für alles“ im Rückblick ihren Chef: „Hagen besaß ein außerordentliches Organisationstalent und dazu die Gabe, die für einen Museumsleiter ebenso wichtig ist wie Kenntnis seines Gegenstandes: er verstand es Menschen für seine Sache zu begeistern. (…) Es gab damals viel Geld in Frankfurt, und die Leute, die es hatten (…) gaben es gern für Kunst und Wissenschaft, zum Ruhme ihrer Vaterstadt aus.“

Weiterhin erfährt man bei ihr, dass im Museum bereits zu Hagens Zeiten renommierte und internationale Gäste ein- und ausgehen wie etwa Max Wertheimer, Carl Strehlow, aber auch Studenten aus afrikanischen Ländern und Herrschaftshäusern. Wer sich für die Museumsgeschichte als Teil Frankfurter Stadtgeschichte interessiert, kann in der Weltkulturen Bibliothek am Schaumainkai 35 schmökern. Wer sich eher vom aktuellen Ansatz des heutigen Weltkulturen Museums angezogen fühlt, wird in der Ausstellung „Grey is the new Pink – Momentaufnahmen des Alterns“ ein Haus weiter in der Villa 29 auf seine Kosten kommen.