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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019

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Von Stettin bis Kolberg

von Helmut Poppe

(05.07.2019) Und ein Stückchen weiter ins ‚Kurland‘

Bildergalerie
Stettiner Schloss
Foto: FrankfurtLive, H. Poppe
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Experimentales Bistro und Hotel Cocorico
Foto: FrankfurtLive, H. Poppe
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Stettiner Schloss
Foto: FrankfurtLive, H. Poppe
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Kurhotels in Polen und deren deutsche Vermittler bieten gerade im Frühjahr oder in der späten Nachsaison Kuraufenthalte zu ausgesprochen günstigen Konditionen. Das eigentliche „Kurland“ befindet sich im über 400 Kilometer weiter gelegenen Lettland. Diese Destination ist bestimmt auch eine Reise wert. Wir schauten uns hingegen das Angebot an Kur- und anderen Orten an der polnischen Ostsee an und starteten in Stettin.

Fährt man in Frankfurt am späten Vormittag ab, schafft man es und Berlin links liegen lässt – hat es vielleicht auch bei all dem Hype verdient (Spitze eines Lokal-Chauvinisten), dank eines stabilen Kontinentalhochs, acht bis neun später in Stettin am Ufer der Oder und im Freien Abend zu essen. Entlang der Flusspromenade bietet sich ein schöner Blick auf das jetzige Finanzamt, zu deutschen Zeiten gebaut, und auf ein buntes Getümmel mit Musik und Freizeitlern, die es sich am anderen Ufer schön machen.

Neben den üblichen Angeboten wie italienische oder griechische Küche fiel die Wahl auf ein skandinavisches Angebot. Im ‚Stockholm‘ gab es exzellent zubereitete Speisen wie warmen Bulgur mit al dente gegartem grünen Spargel und hervorragend gebratener und gewürzter Hühnerbrust. Gast Nummer zwei ließ sich von einer littauischen Gaspacho überzeugen, so wurde die kalte Suppe aus Gurken, Dill, Schmand und rote Beete, lecker säuerlich abgeschmeckt, spontan getauft. Sie passte besonders gut zu der Umgebungstemperatur von 30 Grad am Ufer des Flusses. Preislich waren wir  gegenüber gewohnten Gastronomiekosten um etwa ein Drittel günstiger gesättigt und freuten uns über die wirklich gute Qualität der Gerichte. Insgesamt macht man in Polen häufig die Erfahrung, dass Mahlzeiten deutlich mehr nach dem Eigentlichen schmecken und gewürzt sind, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

Dem polnische Städtebau ist es gelungen, die Innenstädte sehr ansehlich zu restaurieren. Städte und Ortschaften, welche man in den letzten Jahren vom Südwesten bis nach Warschau und dann hinauf bis zu den Masuren und Danzig besuchte, sind attraktiv nach den Kriegszerstörungen wieder hergestellt. Dort fühlt man sich wohl. Hier kann sich unser Land einiges abschneiden.

Westlich des Ufers stößt man nach einem kurzen Spaziergang auf das Stettiner Schloss, einer ehemaligen Residenz der Herzöge von Pommern. Bis zur schweren Beschädigung im Zweiten Weltkrieg war es das am besten erhaltene Schloss der während des Dreißigjährigen Krieges ausgestorbenen Greifenherzöge. Heute ist das Herzogsschloss unter dem Namen Zamek Książąt Pomorskich („Schloss der Pommerschen Herzöge“) eines der größten Kulturzentren in der Woiwodschaft Westpommern. Wenn das Bauwerk den Eindruck hervorruft, Ähnliches schon in Italien gesehen zu haben, liegt man nicht daneben. Herzog Johann Friedrich ließ nach seinem Regierungsantritt 1573 das Schloss nach Plänen des italienischen Baumeisters Antonio Wilhelmi grundlegend umbauen. Auf dem Weg zum Anstieg zu der Anlage kann man an einer Beschreibung eines Gebäudes nachlesen, welche Bedeutung Stettin als Handelsstadt und Finanzzentrum in Europa hatte. Hier wurde nämlich eine Finanzkrise im gesamten Kontinent durch den Untergang eines Handelsunternehmens ausgelöst. Der Besuch des Schlosses, des umliegenden Viertels und auch einer der Kulturveranstaltungen in den Innenhöfen ist ein besonderes Erlebnis.

Unterkunft auf Reisen zu finden, ist heutzutage eine Leichtigkeit bei dem hohen Angebot an Reiseportalen. Die Wahl fiel auf ein Hotel namens Cocorico schon bei der Anfahrt aus dem Auto. Es liegt gleich oberhalb des Ufers der West-Oder. Parken war kein Problem in der Nähe auf einem öffentlichen kostenlosen Parkplatz.
Keine Angst und weg von alten Vorurteilen, die abgestellten PkWs zählen häufig zu der gehobenen deutschen Mittelklasse, auch hier zeigt sich der Wirtschaftswandel unserer östlichen Nachbarn.

Die ausgesprochen stylische Unterkunft liegt in einem touristisch kreativ angehauchten Umfeld. Das  Medienunternehmen Ströer hat hier ihr polnisches Büro, wenige Häuser weiter residieren ein Radiosender und … ein Tatoostudio.

Im Cocorico schläft es sich nicht nur gut, die Räume sind modern und kreativ designt. Das Frühstück sehr kontinental, das heißt es gab viel, schmackhaft und so viel man wollte.

In einem nächsten Artikel geht es um die Reise von Stettin entlang der Küste, um einige Städtchen in West-Pommern und um die besagten Kur-Urlaube und die Angebote, welche man nutzen sollte.

Jetzt schon vorweg, es lohnt sich, kennt man die richtigen Adressen, und wählt man die richtige Zeit. Ein Stückchen weiter muss man den Gürtel angesichts der schmackhaften Speisen nicht unbedingt schnallen. Manches Hotel bietet hervorragende Fitness-Angebote, und deswegen wurde die Reise auch gebucht.