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Letzte Aktualisierung: 11.12.2018

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Von Robert Lembke bis zur Rucola-Generation

Martin Zingsheim & Band beim Rheingau Musik Festival

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(02.08.2017) Auch das macht den Charme des Rheingau Musik Festivals aus: dass neben großartigen Konzerten mit namhaften Künstlern Platz ist für Kabarett und Kleinkunst. Und diese Veranstaltungen finden allemal ihr begeistertes Publikum – gleich welchen Alters.

Bildergalerie
Martin Zingsheim & Band: Nils Wittmann (Klarinette), Martin Weber (Geige) und Claus Schulte (Schlagzeug) und am Piano Bandleader Zinsheim
Foto: Rheingau Musik Festival
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Martin Zingsheim mit seinen vielen Soli am Piano - und seiner tiefgründigen Sprachjonglage
Foto: Rheingau Musik Festival
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So auch im Weingut Diefenhardt in Martinsthal, wo der Ausnahme-Kabarettist und Comedian Martin Zingsheim & Band mit ihrem Programm „Heute ist morgen schon retro“ auftrat und  die Gäste im Hof des Gutsausschanks zu immer wieder stürmischem Applaus herausforderte.

Martin Zingsheim spannt einen weiten Bogen bei seiner Auseinandersetzung „mit dem Wahnsinn der Zeit!“ Mit seinen langjährigen Weggefährten bietet er ein Musikkabarett mit viel Tiefsinn. Er selbst am Piano, Martin Weber (Geige), Nils Wittmann (Klarinette) und Claus Schulte am Schlagzeug bewegen sich zwischen Tango und Rock´n Roll, zwischen Hip-Hop, Schlager und Popsong, und die vier sind musikalisch auf höchstem Niveau.

Zingsheim, auch ein exzellenter Wortakrobatiker, spricht vieles an, ohne roten Faden, aber stets aktuell den Zeitgeist treffend. Wenn er die „Rucola-Generation“ beschreibt und bedauernd feststellt, dass Studenten immer noch auf die Straße gehen, aber natürlich jetzt unter Heizpilzen stehen, wenn er von den Schickimickis erzählt, „deren Sohn mit dem Hausfrauen-Panzer (Ranch Rover) Bio-Brötchen zum Frühstück holt“, dann hat man auch einmal den Eindruck, dass sich einige Besucher erwischt fühlten. Er philosophiert über Aristoteles bis John Lennon, über die Angst, Daten preiszugeben und sich jedoch ständig auf Facebook zu outen. Er nimmt auch sich selbst nicht so ernst: „Ein Piano ist ein harmloses Ding, die Gefahr droht vom Pianisten!“ Ja, er hat recht damit, wenn er meint: „Es gibt Gedanken, die klüger sind als die, die ihn sagen.“

Martin Zingsheim – promovierter Musikwissenschaftler – wurde 2016 mit dem „Salzburger Stier“ – dem renommierten Kabarettpreis des deutschsprachigen Raums - ausgezeichnet und ist auch Preisträger des deutschen Kleinkunstpreises. Er bietet perfektes Kopfkino und ist ein verblüffender Sprach-Akrobat: „Egal was Du sprachtest, ich verstund Dir einfach…“. Ihn hat das Publikum auch verstanden. Seine Sprachversessenheit mündet stets darin, dass die „Normalität in Gefahr“ ist. Fürwahr, Zingsheim ist ein heller Stern am Kleinkunsthimmel. Er und seine Mitmusiker erhielten Standing Ovations und lang anhaltenden Beifall. Die Konsequenz: 

Klein-Kunst - groß-artig!!!
Und eine Weisheit noch, was Martin Zingsheim so oft in seine Texte einstreute: „Oder mit Robert Lembke zu sagen…“ Nun, der sagte unter anderem: „Eine der schmerzhaftesten Todesarten ist das Totgeschwiegen werden“. Das jedoch wird dem Ausnahmekünstler ganz sicher nicht widerfahren!