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Letzte Aktualisierung: 13.12.2019

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Ursula und Volker Bouffier im Hit Radio FFH-Doppelinterview

von Ilse Romahn

(12.06.2016)  Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (64) und seine Ehefrau Ursula (61) waren am Sonntag, 12. Juni, von 9 bis 12 Uhr zu Gast in der Hit Radio FFH-Sendung „Silvia am Sonntag“. In der Talk-Show sprach das Paar unter anderem über den anstehenden Sommerurlaub („New York und Washington“) und ihr Familienleben. Volker Bouffier: „Ich bekomme zuhause nicht den Roten Teppich ausgelegt“). Im Doppelinterview verrieten die beiden, dass und warum sie einen Ehevertrag haben. Im politischen Teil des Gespräches waren die Option einer schwarz-grünen Koalition im Bund, eine mögliche Bundespräsidentschaft, Volker Bouffiers Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel und die nächste Landtagswahl in Hessen Themen.


Ehepaar Volker und Ursula Buffier beim Doppelinterview im Hit Radio FFH
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Seit fast 28 Jahren sind Ursula und Volker Bouffier verheiratet, haben gemeinsam die Söhne Frederik (26) und Volker junior (24). Viele Jahr lang flog Familie Bouffier in den Sommerurlaub nach Ibiza. Volker Bouffier zu FFH: „Manchmal waren wir mit Omas, damals auch Opas und Schwester zu zwölft, fünftzehnt. Jetzt nur zu viert, wir freuen uns drauf, als Kleinreisegruppe diesmal nur mit den beiden Söhnen.“ Ursula Bouffier: „Der Urlaub ist gebucht, geplant, wir werden nach New York und Washington fliegen im Sommer.“ Volker Bouffier: „Familienleben ist sehr wichtig. Wir sind in einer außerordentlichen Situation seit vielen Jahren, das ist nicht ganz einfach. Aber die Zeit, die wir haben, versuchen wir intensiv zu leben. Das ist das Werk meiner Frau.“ Ursula Bouffier: „Natürlich hatte er immer das schlechte Gewissen, besonders als die Kinder klein waren, dass er zu wenig Zeit hätte. Ich habe meinem Mann dann erklärt, dass wir zwar wenig Zeit haben, aber die Zeit dann ganz den Kindern gehört. Unterm Strich kommt da nicht viel weniger dabei raus, als bei einem Familienvater, der jeden Abend um fünf Uhr nach Hause kommt und seine Hobbys hat. Immer wenn‘s galt, war er da.“ Volker Bouffier: „Aber als die Kinder klein waren, hatte ich ständig ein schlechtes Gewissen. Einmal hat unser Sohn Volker mich gefragt: ‚Papa, wann kommst du wieder – morgen, übermorgen? Weißt du Papa, ich kenn‘ keinen in meiner Klasse, wo der Vater so selten zu Hause ist, außer die sind geschieden.‘ Das tat weh und, das hab ich mir gemerkt über viele, viele Jahre. Ein Schlag in die Magengrube. Sie geben uns viel, auch heute, wenn sie groß sind.“

Auf die Frage von Moderatorin Silvia Stenger, ob abzusehen ist, wann sie Großeltern werden, sagte Ursula Bouffier: „Die sollen sich noch ein bisschen Zeit lassen. Erst mal Beruf und dann hoffen wir doch sehr, dass da noch viele Enkelkinder kommen.“ Volker Bouffier: „Das wünschen wir uns sehr. Aber erst muss mal eine finale Entscheidung getroffen werden, welche Dame des Herzens denn dauerhaft bleibt. Das hat sich gelegentlich verändert.“ Ursula Bouffier: „Wichtig: Nicht einmischen.“ Das gilt auch für Familie und Politik: Auf die Frage, ob Volker Bouffier Druck ausgeübt habe auf Kinder, Neffen, seine Schwester, die ebenfalls in der CDU aktiv sind, antwortete er lachend: „Nein. Es freut einen. Aber ganz ehrlich, wenn sie sich anders entschieden hätten, dann wäre das auch zu akzeptieren. Es freut mich, dass sie sich überhaupt engagieren. Unsere Kinder sind immer im Fokus, so eine Familie ist nie privat. Natürlich hätte ich Verständnis gehabt, wenn sie gesagt hätten – nein, das ist nicht meine Welt. Aber sie haben sich anders entschieden, sie sind politisch, engagiert und erklären mir gelegentlich, wie die alte Tante CDU mal in Schwung gebracht werden muss. Das finde ich in Ordnung.“ Ursula Bouffier: „Sie haben das von klein auf mitbekommen. Bei uns wurde und wird immer sehr offen diskutiert. Man darf seine eigene Meinung haben, aber man muss die auch vertreten und argumentieren. Ich sage immer scherzhaft zu meinem Mann: ‚Ich bin das Volk‘. Ich gebe dir die Meinungen, die bei mir ankommen. Ich bekomme im Alltag sehr viel mit. Beim Einkaufen, im Sportverein, ich war Schulelternbeirat. Wie oft sage ich: da hängt‘s. Da sagt er, das kann doch gar nicht sein, das haben wir doch so beschlossen. Wir haben uns immer sehr gut ergänzt. Nicht wahr mein Lieber?“ Volker Bouffier: „Das ist so. Das ist ja auch nicht schlecht.“

Im FFH-Gespräch sagte Volker Bouffier: „Ich bekomme zuhause nicht den Roten Teppich ausgelegt. Wenn ich zum Beispiel nach schwerer Tages- und Nachtarbeit nachhause komme und finde keinen Sprudel in der Speisekammer, weil ich mal eine Flasche Sprudel brauche, ist alles leer. Da bin ich der Auffassung, unsere Jungs wären stark genug, die Kiste mal aus der Garage zu holen. Doch meine Frau sagt allen Ernstes zu mir: ‚Pass mal auf, du bist hier nicht im Ministerium und außerdem tut‘s dir auch gut, wenn du dich mal bewegst‘. Ich finde diese Bemerkung völlig unangemessen, aber im Kern hat sie natürlich Recht.“

Ursula und Volker Bouffier waren beide vorher schon verheiratet. Ursula Bouffier sagte im FFH-Talk: „Es hat sich entwickelt. Nach einem Jahr haben wir dann geheiratet. Wir wollten ja auch noch gemeinsame Kinder haben. Wir waren uns sicher, das passt dieses Mal – und fast 28 Jahre Ehe sprechen ja dafür, dass wir das nicht ganz so falsch gesehen haben.“ Auf die Frage, ob die beiden einen Ehevertrag haben, sagte Ursula Bouffier: „Natürlich gibt es einen Ehevertrag. Es ist vernünftig.“

Volker Bouffier erzählte im FFH-Gespräch, dass man ihn durchaus mal im Baumarkt treffen würde. Ursula Bouffier: „Er geht da gerne hin. Wegen zwei Schrauben, kommt dann aber mit einem gesamten Sortiment von irgendwas an.“ Volker Bouffier: „Das ist natürlich manchmal wie Sprechstunde: ‚Ach gut, dass ich sie mal sehe...‘. Ursula Bouffier: „Und dann kommt er oft spät nach Hause. Aber mit den Schrauben.“ Volker Bouffier: „Ich bin kein begnadeter Heimwerker. Wenn wir früher mal einen Schrank für die Kinder gekauft haben, da waren meine Tochter Nina und meine Frau deutlich talentierter beim Zusammenbauen. Wir Männer haben dann beschlossen: Wir wollen da gar nicht stören, wir gehen dann mal.“ Ursula Bouffier: „Er ist ausgezeichnet darin, Spinnweben zu entdecken. Man nennt ihn ‚das Auge‘. Aber ich muss ihn da in Schutz nehmen. Er ist ein sehr ordentlicher Mensch. Egal, wie spät es ist, der Anzug wird auf einen Bügel gehängt. Was er anpackt, wird gemacht. Wenn er sich vornimmt, der Dachboden wird geräumt, dann wird das gemacht. Davon zehren wir in der Familie. Da bin ich ihm dankbar, so kommt jeder Raum mal dran.“ Volker Bouffier: „Gut, dass du das mal gesagt hast.“

Als Volker Bouffier 22 Jahre alt war, hatte er einen schweren Verkehrsunfall, der den damaligen Basketballspieler (MTV Gießen und Jugendnationalmannschaft) die Karriere kostete. Darüber sagte er bei FFH: „Das sind sehr persönliche Erfahrungen. Ich war sehr traurig, allerdings habe ich ein großes Gefühl der Dankbarkeit, dass es wieder geworden ist. Als ich endlich wieder alleine stehen konnte und ein paar Schritte machen konnte, da habe ich beschlossen, jetzt erobere ich die Welt neu. Das hat mich sehr motiviert. Und jetzt kommt dazu auch die Erfahrung. Mit dem Alter wird man nicht unbedingt klüger, aber man kann länger zurückschauen, Dinge besser einordnen. Man muss nicht mehr über jedes Stöckchen springen. Manche Äußerlichkeit reduziert sich und auch im politischen Leben gibt es Kraft und Zuversicht. Ich habe daraus gelernt, auch in schwieriger Position das Gefühl zu haben: Wir bekommen das hin. Es ist möglich, wieder auf die Beine zu kommen.“

Über sein Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Volker Bouffier bei Hit Radio FFH: „Ich habe ein bisschen eine besondere Rolle. Vom ‚Schwarzen Sheriff‘ bis zum Grünen-Versteher. Ich bin loyal zur Bundesregierung, zur Union und zur Kanzlerin, muss aber auch die Interessen von Hessen und die meines Koalitionspartners bedenken. Ich halte Angela Merkel nach wie vor für eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit. Und wenn ich mir vorstelle, wer Europa im Moment überhaupt zusammenhalten soll, wenn es sie nicht gäbe – das würde mir echt schwer fallen. Das heißt nicht, dass ich mit allem und jedem einverstanden bin, aber ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Schlagzeilen zu produzieren. In der Sache nutzt das gar nichts. Was ich zu sagen habe, sage ich intern. Ich bin der festen Überzeugung, die Union muss zusammenbleiben.“

Bundespräsident Joachim Gauck hat gerade seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit verkündet. FFH-Moderatorin Silvia Stenger: „Ich höre und lese seither immer öfter, dass Sie als Bundespräsident gehandelt werden.“ Ursula Bouffier: „Ich auch – und jeden Tag kommen neue Namen hinzu.“ Silvia Stenger: „Herr Bouffier, haben Sie sich selbst ins Spiel gebracht?“ Volker Bouffier lachend: „Nein.“ Und weiter: „Man muss sich ja nicht schämen, wenn nicht wenige sagen: ‚Das könnten wir uns vorstellen‘. Die andere Seite ist die: Wir haben in der Partei beschlossen, dass wir uns im Herbst der Sache näher annehmen wollen. Und deshalb, bitte verstehen Sie, kann ich dazu nicht mehr sagen.“

Volker Bouffier ist seit dem 31. August 2010 Ministerpräsident des Landes Hessen, wurde am 18. Januar 2014 gewählt. In Hessen regiert seither die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland. Auf die Frage, ob Schwarz-Grün nächstes Jahr nach der Bundestagswahl denkbar sei, sagte er: „Erst mal muss die Union stark werden. Strategisch muss das Ziel sein, mit einem kleinen Partner eine Mehrheit zu bilden. Alle Beteiligten an dieser jetzigen Regierung wollen keine große Koalition mehr. Dann müssen wir schauen: Gibt‘s genug Substanz, um vier Jahre gemeinsam zu regieren und gemeinsam Probleme zu lösen. Ja, das kann eine Option sein, aber das entscheidet sich über die Wahlergebnisse. Und zum Zweiten: Ist so viel Substanz da in der Sache? Und das Dritte: Es muss wechselseitiges Vertrauen da sein, dass man gemeinsam die Herausforderung stemmt, auch wenn es mal schwierig wird.“

Ursula Bouffier sagte im FFH-Gespräch: „Wenn Menschen mich als ‚Frau Ministerpräsidentin‘ ansprechen, sage ich: Falsch. Ich bin die Frau des Ministerpräsidenten – er ist gewählt, nicht ich. Die First Lady wird ja nicht gewählt.“ Und lachend: „Da muss Hessen nehmen, was es kriegt.“

Voraussichtlich Ende 2018 findet in Hessen die nächste Landtagswahl statt. Auf die Frage, ob Volker Bouffier nochmal zur Wahl antritt, sagte er zu FFH: „Das schauen wir mal. Was ich mache, mache ich mit Freude. Ich möchte die Welt noch ein bisschen verändern. Die Arbeit ist noch nicht beendet. Das ist eine Entscheidung, die man nicht alleine trifft. Mit der Familie und natürlich auch mit einer Partei. Und das werden wir dann entscheiden, wenn es soweit ist. Udo Jürgens hat ja gesungen: ‚Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss‘. Also habe ich noch große Perspektiven. Wir schauen mal, wie es wird.“

„Silvia am Sonntag – der Talk“: Sonntags spricht FFH-Moderatorin Silvia Stenger zwischen 9 und 12 Uhr mit Promis. Infos auch auf www.FFH.de