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Letzte Aktualisierung: 17.07.2019

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Textilien und ihre technische Verarbeitung

Zwei Leitmessen geben in Frankfurt darüber Aufschluss

von Karl-Heinz Stier

(14.05.2019) Fast in jedem Bereich des Alltags stecken Textilien, ob es Transportkapseln für den Hyperloo, textile Rauminstallationen oder neuartige Mode und 3D-Avare sind, die Kleidung anprobieren – von heute an bis 17. Mai zeigen die Leitmessen Techtextil und Texprocess auf dem Frankfurter Messegelände, in welchen Bereichen technische Textilien stecken und wie Textilien und Vliesstoffe verarbeitet werden.

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Die Redner auf der Eröffnungspressekonferenz(v.l.n.r.): Messegeschäftsführer Braun (am Pult), Olaf Schmidt, Vize Präsident Textiles und Textile Technologie Messe Frankfurt und Olaf Schmidt, Geschäftsführer VDMA Textile Care, Fabrik und Leder Technologie
Foto: Karl-Heinz Stier
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Anwendungsgebiet Mode und Bekleidung
Foto: Karl-Heinz Stier
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Anwendungsgebiet Autoindustrie
Foto: Karl-Heinz Stier
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Die  beiden internationalen Messen haben 1.818 Aussteller aus 59 Ländern in die Mainmetropole gelockt. Im Vergleich zu früheren Ausstellungen sind es diesmal die mit 800 000 Quadratmetern vermittelter Fläche die größten vom Umfang her.

„Europaweit sind technische Textilien einer der stärksten Sektoren der Textil– und Bekleidungsindustrie und damit entscheidender Treiber der Wirtschaftskraft der Branche. Parallel dazu steht die Textprocess mit ihrem hochinnovativen Ausstellern für Hightech in der Textilverarbeitung, wie man sie sonst nirgends so geballt sieht“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. „Beide Messen machen Frankfurt in den kommenden Tagen zum Epizentrum textiler Innovation“.

Die Techtextil mit 1.501 Ausstellern aus 57 Ländern hat eine Internationalitätsquote von 72 Prozent. Sie ist Spiegel für eine Anwendungsvielfalt, die sich in der Architektur, Medizin, Personenschutz oder Automobilindustrie wiederfindet. So zeigen Aussteller unter anderem Sensortextilien, mit denen sich im Auto bald Spiegel, Fenster und Beleuchtung steuern lassen, textilbewehrte Betonfassaden, LED-Textilien für die Inneneinrichtung oder Funktionsstoffe aus recycelten Fasern und Dauenersatz für Outdoormode. Deutschland stellt mit 421 das größte Quantum an Ausstellern, gefolgt von Italien, China, Frankreich und der Schweiz. Deutschland ist Exportweltmeister bei technischen Textilien und macht einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro. „Die Europäische Textil- und Bekleidungsindustrie ist so stark wie noch nie. In Europa machen technische Textilien rund 17 Prozent der Textilproduktion aus“, unterstreicht der Messe-Geschäftsführer. Technische Textilien machen 60 Prozent des Branchenumsatzes der Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland aus.

Auf der benachbarten Texprocess – mit 212 Austellern aus dem Ausland und 105 Ausstellern aus Deutschland deutlich weniger – dreht sich an den vier Messetagen alles um die aktuellsten Verarbeitungstechnologien für Produzenten von Bekleidung und Mode, Polstermöbel oder Zubehör für die Autoindustrie. Hier probieren 3D-Avare virtuell Kleidung an, transportieren Roboter Materialzuschnitte von einer Maschine zur nächsten und färben Strickmaschinen Garne während des Stickens. In 5 Microfactories werden innerhalb kurzer Zeit serienmäßig individuelle Kleidungsstücke entworfen, zugeschnitten, genäht und digital bedruckt. Auch das Leder für Autositze führender Automarken wird hier verarbeitet.

Die Hersteller von Näh- und Bekleidungstechnik sowie Maschinen zur Verarbeitung technischer Textilien blicken zwiespältig auf das Jahr 2018 zurück. Konnte die Branche von 2009 bis 2017 satte Zuwächse ausweisen, so fielen die Exporte 2018 im Vorjahresvergleich um 16,7 Prozent. Schuld daran sei, wie Elgar Straub, Geschäftsführer VDMA Textile Care, Fabrik und Leder-Technologie, bei der Eröffnungspressekonferenz mitteilte, die Überbürokratisierung in Deutschland, der drohende Brexit sowie die nationalen Strömungen in vielen europäischen Ländern, die Lage in der Türkei, der Handelsstreit zwischen USA und China sowie die sich immer weiter verschärfenden Handelssanktionen seitens der USA. „Das bringt erhebliche Unruhe in die Märkte“.

Im Jahre 2017 kamen zu beiden Messen 1.789 Aussteller aus 66 Ländern und über 47.500 Besucher aus insgesamt 114 Ländern zum Frankfurter Messegelände.