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Letzte Aktualisierung: 13.11.2018

Stadttauben unter Obhut

Neues Taubenhaus auf Parkdeck in der Klapperfeldstraße

von Karl-Heinz Stier

(11.07.2018) Für viele sind die Stadttauben in Frankfurt eine Plage, nur wenige können ihnen was Positives abgewinnen. Für die meisten sind Tauben unhygienisch, aggressiv und „Schmarotzer“, weil sie von Speiseresten und Abfällen von Menschen leben.

Bildergalerie
Das neue Taubenhaus im Parkdeck 7 in der Klappergass 8
Foto: Karl-Heinz Stier
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Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Vereinsvorsitzende Stein-Stürmer bei der Pressekonferenz im Parkdeck 7.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Seit 2006 hat das Umweltdezernat eine Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ ins Leben gerufen, die bisher mit drei Stadttaubenhäusern den unruhigen Vagabunden der schwarz-grauen Tiere ein regulierendes Vogelleben beibringen möchte. Das Zauberwort  heißt „Stadttaubenhäuser“. In der Regel lokalisiert im oberen Geschoss der Parkhäuser der städtischen Parkhaus-Betriebsgesellschaft. Hier können jeweils  zwischen 250 und 300 Tauben brüten, Trockenfutter fressen, übernachten und ihre „Hinterlassenschaften“ zurücklassen.

Das neueste und letzte Taubenhaus  mit  Nistplätzen  wurde im Parkdeck 7  in der Klappergasse 8 in der Nähe des Oberlandesgerichts eingerichtet. „Man muss Tauben nicht lieben, aber respektieren. Dazu gehört auch, dass wir ihnen in unserer Stadt einen tiergerechten Lebensraum bieten, in dem sie nicht elend zu Tode kommen und  vernünftig gefüttert werden“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Sie hat bei ihren früheren kommunalpolitischen Tätigkeiten zum Beispiel in Ludwigshafen schon positive Erfahrungen mit Taubenhäusern gesammelt und ihre Ideen in Frankfurt vertieft. Für den Bau und Betrieb des neuen Taubenhauses gab ihre Stabsstelle 10 000 Euro. Weitere 2 000 Euro steuerte die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG bei.

Betreut wird die Anlage vom Verein Stadttaubenprojekt Frankfurt. Deren Vorsitzende Gudrun Stein-Stürmer ist mit ihren Helfern für die Reinigung, Fütterung und die Brut-Tauben zuständig. Wie viele Stadttauben es in Frankfurt gibt, ist nicht ganz klar. Während im Internet von 40 000 die Rede ist, ergab eine Zählung der Universität Marburg 4 500 für Frankfurt. 3 Wochen haben nach Angaben der Vorsitzenden Studierende anhand von Fotografien in einem Auswahlverfahren diese Zahl ermittelt. Frau Stein-Stürmer ist  übrigens  für ihre Tätigkeit mit der Bürgermedaille der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden.

Die negative Einstellung der Bevölkerung zu den Tauben sehen Heilig und Stein-Stürmer  als ein „gesellschaftliches Problem“. In Polen, den arabischen Ländern oder auch beim Ritus der Vermählung werden Tauben als Glücksbringer angesehen. Das Ziel beider ist es, die psychologische Schranke zu überwinden und „erst einmal was für die Tauben tun, bevor sie weiteren Schaden anrichten. Was wir als Bürger dazu tun können, ist insbesondere in den Fußgängerzonen keine Essensreste wegzuwerfen, damit die Tauben nicht so leicht Futter finden“, betonte die Umweltdezernentin.

Neben dem Parkhaus in der Klappergass gibt es noch weitere zwei innerstädtische Taubenschläge, an der Hauptwache und am Westbahnhof. „Hier finden sie Wasser, Futter und Nistflächen. Das hält sie  von öffentlichen Plätzen und Straßen fern“, ergänzte Frau Stein-Stürmer. Sie berichtete außerdem, dass sich im Bahnhofsviertel einige Hauseigentümer ebenfalls mit den Tauben beschäftigten und beabsichtigen, drei bis vier Taubenhäuser einzurichten, um das wilde Campen der Tauben, die ja eigentlich als Friedenssymbol gelten, zu verhindern. Ihr Fazit: „Schön wäre es, wenn alle Tauben unter sich wären und die Bürger die Fütterungseinschränkungen beherzten.“