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Letzte Aktualisierung: 10.12.2018

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Stadt Frankfurt erinnert in Litauen mit einer Gedenktafel an die Opfer der NS-Diktatur

von ffm

(16.04.2018) Ein Gedenkstein erinnert seit Freitag, 13. April, in Kaunas - der zweitgrößten Stadt Litauens - an die während der NS-Diktatur aus Frankfurt deportierten und ermordeten Juden.

Gedenktafel an die Opfer der NS-Diktatur in Litauen
Foto: Kulturamt Frankfurt
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 „Wir wissen, dass wir mehr tun müssen, als nur zu gedenken“, diesem Spruch auf der Tafel schließen sich neben Frankfurt, dem größten Förderer dieses Projektes, rund 40 weitere Städte und Kommunen aus vier Bundesländern an.

Am 22. November 1941 fuhren von der Frankfurter Großmarkthalle Güterwaggons der Reichsbahn ab. Ihr Ziel war Kaunas, die Festungsanlage Fort IX. In den Waggons jüdische Männer, Frauen und Kinder. Ein Viertel der insgesamt 992 Menschen war in Frankfurt zu Hause, die Meisten kamen aus anderen hessischen Gemeinden, Orten in Bayern und dem heutigen Rheinland-Pfalz.

„Die Geschichte der 922 aus Frankfurt deportierten Opfer ist eine Geschichte von Entrechtung, Verfolgung und brutaler Vernichtung. Mit der Gedenktafel möchten wir an das Unrecht, das diesen Menschen widerfahren ist, erinnern. Ihr Schicksal soll auch späteren Generationen unvergessen bleiben. Ich bedanke mich sehr herzlich bei dem Maintaler Verein Brüder-Schönfeld-Forum für diese Initiative und das Engagement“, sagt Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt.

Bereits seit Juni 1941 nutzte man die Festungsanlage in Kaunas für grausame Morde an Juden aus Litauen und Deutschland, Österreich und Polen, sowjetischen Kriegsgefangenen und Kommunisten. Etwa 50.000 Menschen fanden hier einen grausamen Tod. Darunter auch die 922 Juden aus Frankfurt. Gemeinsam mit Deportierten aus München und Berlin wurden sie in den Morgenstunden des 25. Novembers 1941 im Fort IX erschossen.

Über das Mordgeschehen gibt der Jäger-Bericht Aufschluss. Ein Dokument, wie es menschenverachtender nicht sein kann. Es trägt den Namen des SS-Standartenführers Karl Jäger, der die Maschinengewehrschützen befehligte und auch selber schoss. „1159 Juden, 1600 Jüdinnen, 175 Judenkinder“, lautete seine Bilanz am 25. November 1941.

Neben den beiden Tafeln für die Deportierten aus Berlin und München gedenkt nun auch eine Tafel aus Frankfurt an die in Kaunas erschossenen Opfer. Eine Besonderheit dieses Gedenksteins ist der Verweis auf die zahlreichen, regional sehr weit gestreuten Heimatorte der Ermordeten. Bevor sie in der Großstadt Frankfurt Zuflucht suchten, waren sie aus ihren bisherigen Wohnorten vertrieben worden, so dass man diese für „judenfrei“ erklären konnte.

Das Brüder-Schönfeld-Forum, der Initiator und Koordinator bei der Herstellung der Tafel, trägt den Namen der beiden Brüder Horst und Gerhard Schönfeld aus Dörnigheim. Sie kamen im Alter von zehn und elf Jahren zusammen mit ihren Eltern in Kaunas ums Leben.

Neben der Stadt Frankfurt wird das Projekt von weiteren Städten und Gemeinden in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, den einmaligen Heimatorten der Opfer, unterstützt. Es sind: die Städte Allendorf (Lumda), Bad Brückenau (Bayern), Bad Orb, Braunfels, Bretten (Baden-Württemberg), Büdingen, Darmstadt, Fritzlar, Fulda, Groß-Umstadt, Gießen, Gelnhausen, Griesheim, Hanau, Kassel, Königstein (Taunus), Lampertheim, Langen, Langenselbold, Maintal, Mörfelden-Walldorf, Neukirchen (Knüll), Offenbach, Ortenberg, Pohlheim, Rödermark, Steinau, Wetter und Wetzlar, die Gemeinden Ebersburg, Grebenhain, Meißner, Oberaula, Ronneburg (Hessen), Sinntal, Schöllkrippen (Bayern) und Schornsheim (Rheinland-Pfalz), sowie die Kreise Lippe (NRW) und Bergstraße (Hessen) als Partner der Stadt bzw. des Kreises Kaunas, aber ebenso die Heimatkreise der Opfer.

Der aus Deutschland angereisten Delegation gehören neben einem Vertreter des Kulturamtes der Stadt Frankfurt die Initiatoren Ingrid Wettberg und Herbert Begemann, Brüder-Schönfeld-Forum, und neun Schülerinnen und Schüler aus Gymnasien in Frankfurt, Darmstadt, Gießen und Hanau an.