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Letzte Aktualisierung: 17.08.2018

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Schicksal schweißt Künstler zusammen

Frank Auerbach und Lucian Freud im Städel

von: Karl-Heinz Stier

(16.05.2018) Sie zeichnen Bildnisse, die zu der kompromisslosesten und innovativsten der zeitgenössischen Kunst gehören. Die Graphische Sammlung des Städel Museums widmet erstmals unter dem Titel „Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ in einer gemeinsamen Ausstellung Hauptwerke der beiden Künstler.

Bildergalerie
Selbstbildnis Auerbach 2017, Neuerwerbung Städelmuseum
Foto: Karl-Heinz Stier
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Selbstbildnis Freud, 1996 Marlborough Fine Art, London
Foto: Karl-Heinz Stier
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Hund Pluto, 1988, Radierung und Kaltnadel, vom Künstler mit Wasserfarbe getönt, erworben 2018 von der Friedrichs Stiftung und des Städelschen Kunstinstituts.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Es werden insgesamt vierzig Zeichnungen und Druckgrafiken der beiden bedeutsamsten figurativen Künstler der englischen  Nachkriegskunst -  von heute bis zum 16. August gezeigt.

Über nahezu vier Jahrzehnte, bis zum Tod von Lucian Freud, waren die beiden eng befreundet. Sie  verband nicht nur die Wertschätzung für die Kunst des je anderen, sondern auch das Schicksal, in Berlin als Söhne jüdischer Familien geboren worden zu sein. Noch im Kindesalter mussten sie aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach England flüchten beziehungsweise emigrieren. Ihre Werke sind Ausdruck eines sehr persönlichen Sehens und Erlebens und entstanden trotz großer formaler und stilistischer Unterschiede nach überraschend gleichen Strategien - wie Kuratorin Regina Freyberger in ihrer Laudatio erläuterte.

Über Wochen, manchmal Jahre hinweg beobachteten und porträtierten Auerbach (geboren 1921) und Freud (1922- 2011) beharrlich dieselben Menschen aus ihrer jeweils näheren Umgebung, auch sich selbst und fertigten auch Selbstbildnisse an. Wiederholungen seien ihnen – so die Kuratorin weiter –   „Mittel der Konzentration auf der Suche nach  Erkenntnis: über das Gegenüber, über sich selbst und über die Welt“.

Anlass der Sonderausstellung im Städel sind mehrere exzeptionelle Neuerwerbungen: der Ankauf eines gezeichneten Selbstbildnis 2017 von Auerbach durch den Städelschen Museums-Verein sowie die Radierung Pluto 1988 von Freud mit Mitteln der Heinz und Gisela Friederichs Stiftung. Auch internationale Leihgaben bilden wichtige Eckpunkte der Sonderausstellung wie Städel-Direktor Philipp Demandt mitteilte. „Das Städel Museum erwarb bereits 1994 mit Lucian Freuds „Large Head“ eine der ersten, wenn  nicht sogar die erste Radierung des Künstlers für ein deutsches Museum überhaupt.  Es ist ein großer Glücksfall, dass wir dieser Arbeit nun weitere neu in die Sammlung gekommene Werke von Auerbach und Freud an die Seite stellen können“.

Nach Ansicht von Regina Freyberger ringen beide Künstler von Anfang ihres Schaffens um ein tieferes Verständnis der sichtbaren Welt. „Es geht ihnen nicht um Abbildhaftigkeit, sondern um Wahrheit, und dabei kommen sie immer wieder zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, Erkenntnissen müsste man korrekterweise eigentlich sagen. Deshalb lohnt es sich, die unterschiedlichen Werke unter diesem Gesichtspunkt einmal gemeinsam zu sehen“.

Weitere Informationen: www.staedelmuseum.de

Besucherservice und Führungen: (069)605098200 ; info@staedelmuseum.de

Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10 bis 18 Uhr, Do, Fr 10 bis 21 Uhr, montags geschlossen.

Adresse: Städel Museum, Schaumainkai 63. 60596 Frankfurt.