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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Rosina Walter für langjährige Integrationsarbeit mit Ehrenplakette gewürdigt

von Ilse Romahn

(10.09.2019) Oberbürgermeister Peter Feldmann hat am Montag, 9. September, Rosina Walter die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt überreicht und ihr Engagement gewürdigt.

Rosina Walter mit Ehemann Martin Wagner (links) und Oberbürgermeister Peter Feldmann
Foto: Stadt Frankfurt / Stefanie Koesling
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Sie gründete 1990 den Verein beramí, der zugewanderte Frauen bei der beruflichen Qualifizierung unterstützt und Projekte zur politischen Teilhabe anbietet. Mittlerweile leitet sie die Organisation als geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

„Heute bekommt eine starke Frau die Ehrenplakette“, sagte das Stadtoberhaupt. „Walters Lebensweg steht stellvertretend für die Chancen in einer offenen und demokratischen Gesellschaft.“ Sie war im Alter von 15 aus Rumänien nach Frankfurt gekommen. Bevor sie zu berami stieß, half Walter als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache und mit ihrer Arbeit für das italienische Konsulat Menschen aus anderen Ländern beim Ankommen in der Mainmetropole. Gemeinsame Besuche mit den Neu-Frankfurtern von Kneipen, Cafés und Kultureinrichtungen machten es einfach, Stadt und Menschen kennen zu lernen.

Feldmann bezeichnete Walter als „echte Frankfurterin“. Denn das sei, wer sich zu der Stadt bekenne – unabhängig vom Geburtsort. „Wir in Frankfurt fragen nicht, wo jemand herkommt, sondern was man für Stadt und die Gemeinschaft tut “, sagte der Oberbürgermeister. „Ihre tiefe Überzeugung lautet, dass Sprache allein nicht ausreicht, um in Deutschland anzukommen. Das brauchte sie zum Modellprojekt ‚Berufsbildung für Frauen in der Migration‘, aus dem berami wurde. Das ist Ihre Berufung“, würdigte Feldmann die Geehrte.

Dabei ging Feldmann auch auf den Verein ein. Dieser agiere als „Schnittstelle zur Zivilgesellschaft“. So begleiten seit vier Jahren Mentoren aus der Kommunalpolitik mit dem Projekt „Bock auf Politik“ Menschen mit internationalem Hintergrund auf ihrem Weg zu eigenem politischem Engagement. Engagement, das nach Auffassung des Oberbürgermeisters zentral ist. Denn: „Auch Ehrenamt, Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik müssen vielfältiger werden“, unterstrich der Oberbürgermeister.

Rosina Walter sagte bei der Überreichung im Kaisersaal: „Ich freue mich sehr über die Ehrenplakette und fühle mich geehrt. Ohne beramí – und meine Kolleginnen und Kollegen - hätte es diese Auszeichnung für mich nicht gegeben. Die meisten von uns wissen aus der eigenen Biographie, was es bedeutet, in der Fremde neu zu starten; das ist ein Grund dafür, warum wir in unserer Arbeit glaubwürdig und erfolgreich sind. Wir wollen gleichberechtigte Teilhabe und Chancengleichheit für alle Frankfurterinnen und Frankfurter. Anerkennung, Respekt und Vielfalt sind für uns täglich gelebte Werte und damit setzen wir Impulse in die Stadtgesellschaft.“ Beramí sei richtungsweisend unter anderem in den Themen Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen und in der Entwicklung von arbeitsmarktorientierten Qualifizierungsangeboten. „Wir bauen auf Ressourcen und nicht auf Defizite und setzen uns mit Fachkompetenz und Kampfesgeist dafür ein, dass Kompetenzen sichtbar werden. Unser Ziel ist, dass die Teilnehmenden ihrer Qualifikation entsprechend auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.“

Rosina Walter kam 1970, im Alter von 15 Jahren, als Spätaussiedlerin von Rumänien nach Deutschland. Seit 1982 lebt sie in Frankfurt und arbeitete zunächst als Dozentin bei der Volkshochschule und der Lehrerkooperative. 1990 lernte sie das Modellprojekt Berufsbildung für Frauen in der Migration (später: beramí) kennen und begann dort, Zugewanderte, Eingewanderte oder Geflüchtete – mit dem Schwerpunkt Frauen – zu unterstützen und bei der Schaffung einer tragfähigen Perspektive in ihrer neuen Heimat zu stärken. Über die Jahre ist beramí zu einer Institution mit erfolgreichen und innovativen Aktivitäten geworden, die Ideen und Konzepte für eine offene, soziale, menschliche und frauen- und fremdenfreundliche Gestaltung unserer Stadtgesellschaft in die Diskussion einbringt. Seit der Gründung wurden mehr als 15.000 Frauen mit Migrationsgeschichte bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung unterstützt und begleitet. Im Jahr 2018 haben rund 2000 Frankfurter eine persönliche berufliche Beratung in Anspruch genommen. Der Verein unterstützt nachhaltig die Bildungs- und Integrationsbemühungen der Stadt Frankfurt und fördert unter anderem die politischen Teilhabe- und Gestaltungsmöglichkeiten von jungen Menschen in ihrem Lebensumfeld. (ffm)