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Letzte Aktualisierung: 18.12.2018

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Robert Schumanns Entwürfe zu ‚Szenen aus Goethes Faust‘ für Deutsches Romantik-Museum

von Ilse Romahn

(18.07.2018) Am 20. Juni 2018 wurden in Paris bei einer spektakulären Versteigerung des Auktionshauses Ader Nordmann im Hôtel Drouot Robert Schumanns Entwürfe zu seinen ‚Szenen aus Goethes Faust‘ (1844 – 1853) angeboten.

Robert Schumanns Entwürfe zu ‚Szenen aus Goethes Faust‘
Foto: © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum, Foto: Axel Schneider
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Mit der Hilfe öffentlicher und privater Geldgeber sowie der ideellen Unterstützung zahlreicher Fachkollegen, namentlich aus der Robert Schumann-Forschung, ist es dem Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum gelungen, das höchst bedeutende Konvolut zu erwerben.

Schumanns ‚Faust-Szenen‘ sind ohne Zweifel das Hauptwerk der musikalischen Goethe-Rezeption in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie nehmen sowohl in der Geschichte der Faust-Vertonungen als auch in Schumanns OEuvre einen exzeptionellen Rang ein. Als erster und lange Zeit einziger Komponist widmete Schumann sich nicht nur den dramatischen Szenen des ersten Teils, sondern ließ sich zudem auf den symbolisch vielschichtigen ‚Faust II‘ ein. Über insgesamt neun Jahre erarbeitete er in mehreren Schüben ein singuläres Meisterwerk, dessen musikalische Form zwischen weltlichem Oratorium, Kantate, Chorsinfonie und Oper zu jener Zeit ganz ohne Vorbild war. Dabei vertonte er die ausgewählten Szenen wörtlich, ohne wesentliche Eingriffe in den komplexen Originaltext vorzunehmen.

So sind die ‚Faust-Szenen‘ ein epochales Ereignis der Musikgeschichte, wenn es auch nach Schumanns Tod zunächst als sperriges Spätwerk galt. Das hat sich inzwischen sehr verändert. Namentlich seit der maßstabsetzenden Einspielung von Benjamin Britten (1972) gab es zahlreiche bedeutende Aufführungen, unter anderem unter Michael Gielen, Claudio Abbado, Philippe Herreweghe, Nikolaus Harnoncourt, Daniel Harding und Thomas Hengelbrock.

Robert Schumann konnte die Orchesterpartitur seines Werks nicht mehr selbst zum Druck befördern. So sind die Entwürfe, die mit ihren teilweise taggenauen Datierungen die Entstehung von den ersten Textexzerpten bis zur Orchestrierung dokumentieren, von unschätzbarem Wert nicht nur für das Verständnis der Genese, sondern auch für die kritische Revision des Erstdrucks von 1858. Die 122 beschriebenen Notenseiten mit ihren Skizzen, Klavierauszügen und Particellen befanden sich seit 1911 in der berühmten Schumann-Sammlung des Zwickauer Unternehmers Alfred Wiede und später seiner Erben. 2011 wurde das Konvolut bei Sotheby’s in London versteigert und von der französischen Eigentümergemeinschaft Aristophil erworben. Nachdem die Firma wegen betrügerischen Geschäftsgebarens 2015 liquidiert wurde, kam das Konvolut am 20. Juni 2018 durch einen gerichtlich bestellten Auktionator erneut zur Versteigerung. Nun befindet es sich (als letztes Schumann-Manuskript dieses Umfangs) erstmals in öffentlicher Hand und ist damit allgemein zugänglich. Das Freie Deutsche Hochstift beherbergt bereits eine umfangreiche Sammlung zu Goethes ‚Faust‘, die auch musikalische Werke umfasst. Ferner plant es derzeit das Deutsche Romantik-Museum, das voraussichtlich im Jahr 2020 eröffnet wird. Die ‚Faust-Szenen‘ werden im Museum eine besondere Rolle spielen.

Finanziert wurde der Ankauf maßgeblich von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder, die den Erwerbungsvorgang von Beginn an durch eine enge fachliche Begleitung unterstützt und eine substanzielle Fördersumme in Aussicht gestellt hat. Über die Förderung wird der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder auf seiner nächsten Sitzung im Dezember 2018 endgültig entscheiden. Weitere Förderer sind die Hessische Kulturstiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die Rudolf-August Oetker-Stiftung sowie Friedrich von Metzler.