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Letzte Aktualisierung: 18.07.2019

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Rückgabe des Gemäldes ,Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald‘ durch das Historische Museum

von Ilse Romahn

(28.06.2019) Das Historische Museum Frankfurt restituiert ein Gemälde von Karl Peter Burnitz, das ursprünglich aus dem Besitz des jüdischen Juweliers Hermann Netter stammt.

Das Museum hat in den Jahren 2010 bis 2015 – gefördert durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin (heute Stiftung Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg) - die Herkunft seiner nach 1933 erworbenen Gemälde überprüft. Noch während der Untersuchung des Gemäldebestandes im Historischen Museum wandte sich der Erbe von Hermann Netter 2012 mit der Bitte um Prüfung der Provenienz des Burnitz-Gemäldes an das Museum. Nach der Begutachtung der zur Verfügung stehenden Quellen hat die Stadt Frankfurt am Main als Träger des Historischen Museums den Anspruch des Erben Hermann Netters anerkannt und restituiert das Gemälde entsprechend den Richtlinien der „Washingtoner Prinzipien“. 80 Jahre nach dem Zwangsverkauf kehrt das Gemälde „Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald“ von Karl Peter Burnitz an den rechtmäßigen Erben von Hermann Netter zurück.

„Ich bin sehr froh, dass die systematische Prüfung der Sammlung des Historischen Museums dazu geführt hat, dass das Bild seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden kann. Provenienzforschung ist ein zentraler Bestandteil der modernen Museumsarbeit. Wie ernst die Frankfurter Museen das Thema nehmen, haben die Ausstellungen des Kooperationsprojekts ‚Gekauft Gesammelt Geraubt?‘ im letzten Jahr eindrücklich bewiesen“, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig.

„Das Historische Museum Frankfurt nimmt die Überprüfung seiner Sammlungen in Hinblick auf die Kriterien der Washingtoner Erklärung sehr ernst. Mit dieser Restitution können wir nicht nur ein Objekt an seinen rechtmäßigen Eigentümer übergeben, sondern zugleich einen weiteren Baustein dieses düsteren Kapitels der Museums- und Stadtgeschichte erforschen und bekannt machen“, sagte Museumsdirektor Jan Gerchow.

Das Gemälde von Burnitz ist das erste Kunstwerk aus der Sammlung Hermann Netters, das restituiert wird, erklärte der Erbe: „Mein Großvater, Mitinhaber des später arisierten Hofjuwliers Robert Koch, Förderer der Städel-Stiftung und hoch angesehener Bürger der Stadt Frankfurt, wurde seit der Machtübernahme der Nazis 1933 als Jude verfolgt und verlor bis zu seiner Flucht aus Deutschland sein gesamtes Vermögen.“

Das Ölgemälde auf Leinwand (90x124 cm) „Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald“ des Malers Karl Peter Burnitz (1824-1886) ist typisch für die Kronberger Malerschule und signiert, aber nicht datiert. Der ursprünglich dazugehörige Rahmen hat sich nicht erhalten.

Burnitz’ Gemälde stammt aus dem Besitz des jüdischen Juweliers Hermann Netter (1868-1953) in Frankfurt am Main. Netter hatte seine Kunstsammlung im Zusammenhang mit der bei einer Auswanderung zu zahlenden „Reichsfluchtsteuer“ 1938 von der Frankfurter Firma Wilhelm Henrich, Buch- und Kunsthandlung-Antiquariat, schätzen lassen. Neben weiteren 13 Gemälden und diversen anderen Objekten kam auch das Gemälde „Motiv aus dem Frankfurter Stadtwald“ in den Besitz des Kunsthändlers Henrich, als Hermann Netter am 17. Juli 1939 nach Großbritannien emigrierte.

Schon Monate zuvor hatte der berüchtigte Frankfurter Oberbürgermeister Friedrich Krebs Interesse an dem Bild angemeldet. Am Tag der Flucht von Hermann Netter ging ein Angebot von Wilhelm Henrich bei der Stadt Frankfurt ein, elf Tage später erwarb das Historische Museum (damals: Stadtgeschichtliches Museum) das Bild. Es hing zunächst in der Dienstwohnung des Oberbürgermeisters. Nach der kriegsbedingten Auslagerung kam das Gemälde auf Umwegen – vermutlich 1967 – zurück in das Historische Museum. (ffm)